Kapitel 6

1445 Worte
„Was wenn sie herausfindet, dass du Jo bist?“ flüsterte Luca leise und schaute dabei unauffällig zu Anna, die sich mit ein paar Mädchen unterhielt. Da sie nur ein paar Meter von uns entfernt sind flüstern, oder reden sie auch ganz leise miteinander. Sie erzählen ihr die ganze Zeit bestimmt nur lügen über mich. Kotzt mich das an, wenn sie das tun. Doch Anna lächelte nur, beugte sich etwas vor und sagt dann etwas, was ich aber nicht ganz verstand. Die Mädchen, die mit ihr im Kreis stehen schauen sie unglaubwürdig an, doch das interessierte Anna nicht. Anna stand auf, putzte sich den – nicht vorhandenen – Dreck von der Hose, griff nach ihrer Tasche und verließ die kleine Gruppe. Sie ging ein paar Schritte weg, blieb aber kurz darauf wieder stehen, drehte sich zu der Gruppe um und sprach diese mit einer lauten, kräftigen Stimme an. „Bevor ihr über andere redet, solltet ihr vielleicht euch mal an der eigenen Nase packen. Obwohl, ich glaube dass ist mit eurem 10 Kilo Schminke nicht mehr möglich.“ Sie drehte sich wieder zu uns und hinterließ einen Filmreifen Abgang. Als sie bei uns ankommt, sieht sie uns verzweifelt und etwas unsicher an. „Bitte sagt mir, dass ihr mich hier bei euch lässt und ich keine abfuhr bekomme und das ganze jetzt peinlich wird. Peinlicher, als es eh schon ist. Ich will nicht mehr zu diesen Tussen zurück, die jedes verzapftes Gerücht glauben und schon wieder neue erfinden.“ flehte sie uns regelrecht an, was mich und die Jungs zum lachen brachte. Ich nickte lachend und machte – indem ich auf die Seite rückte - etwas Platz auf der Tischtennisplatte, damit sie sich hinsetzen kann, was sie gleich darauf tat. Es ist Sommer, deshalb chillen wir meistens hier draußen. „Also. ... mir ist extrem langweilig, was heute Abend nicht anders sein wird. Jay, machen wir heute Abend wieder die Stadt etwas bunter?“ fragte Justin. Als er den Satz ausgesprochen hatte, hat er erst gemerkt, was er gesagt hat und starrte mich mit großen Augen an. Na Prima. Auch ich starrte ihn an. Dass kann doch beim besten Willen nicht wahr sein, oder? Links von mir bemerke ich, wie auch Anna uns entgeistert anstarrt. Ich bin mir sicher dass sie eins und eins zusammen gezählt hatte. Ich schlage mir die Hände vor das Gesicht und atmete laut aus. Himmel. Will ich wissen, was sie jetzt von mir hält? Klar sie mag mich, aber mag sie auch mein wirkliches, echtes ich und nicht nur diesen Spray Typen Jo? „Das gibt es nicht. Jetzt im Ernst?“ fragte Anna und fing an zu lachen. „Deshalb warst du vorhin so ruhig, als ich das Thema Sprayen in unsere Konversation brachte. Das ist ja der Hammer.“ gab Anna lachend von sich. Verzweifelt schaute ich zu Luca, der mit den Schultern zuckte und Justin auf den Hinterkopf schlug. Ja, Luca war der vernünftigste von uns allen und rügte uns auch hin und wieder. Ein kleiner Daddy eben. „Jungs. Keine Sorge, euer Geheimnis ist bei mir sicher. Ich sag keinem was. Versprochen.“ murmelte sie leise und schaute dann zu mir. „Keiner erfährt etwas, ich verspreche es. Wirklich.“ Flehend sah sie mich an. Das kann ich nur hoffen. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir Anna trauen können. Sie würde uns nicht verraten, da war ich mir zu hundert Prozent sicher. Leicht begann ich zu nicken. Eine Freundschaft basiert auf geben und nehmen, auf Vertrauen und einander da sein. Wir werden Anna einfach mehr mit einspannen, sie im Blick behalten. „Ich glaub dir. Im übrigen kann ich heute Abend nicht, da Anna und ich an unserem Projekt arbeiten werden. Wir möchten so früh wie möglich beginnen, damit das Projekt einzigartig wird. Wir können Morgen etwas machen, wenn ihr wollt. Und Justin, versuch zumindest nächste mal etwas mehr mit dem Hirn, statt dem Herzen zum Sprayen zu denken. Dann würden wir genau so etwas – wie eben – meiden können.“ murmelte ich. Ich griff nach meinen Zigaretten, die in meiner Jacke stecken und hole die Schachtel samt dem Feuerzeug heraus. Sofort bot ich all meinen Jungs eine an, die sie mit einem lächeln heraus nehmen. Auch Anna hielt ich die Schachtel hin, die unsicher von der Schachtel zu den Jungs und zu mir blickte und letztendlich den Kopf schüttelte. „Du rauchst also nicht?“ fragte ich und zündete dabei meine Zigarette an, die ich schon zwischen meinen Lippen habe. „Hab es noch nie probiert.“ murmelte Anna leise neben mir. Dabei sah sie auf den Boden. Fast hätte ich sie nicht gehört, weil sie si leise war. „Das ist doch nicht so schlimm. Hier, du darfst ruhig mal daran ziehen, wenn du möchtest!“ lächelnd hielt ich ihr die Zigarette hin. „Einfach dran ziehen, einmal ziehen bringt dich nicht um.“ Unsicher zog sie an der Zigarette und pustete den Rauch aus. Angeekelt schaute sie kurz drauf und fing an zu lachen. Sie ist besser als manch andere. Die meisten würden ein Hustenanfall bekommen, doch Anna nicht. Sie musste nicht Ansatzweise husten. „Wieso schmeckt euch so etwas ekelhaftes?“ „Es beruhigt und wir können uns besser konzentrieren. Das ist alles, versprochen.“ Wissend nickte Anna und schaute sich um. Sie schaute zu ihrer Freundin, ich glaube Aria oder so heißt die. „Wieso starrt sie so hier her? Denkt sie ich schlag dich, so wie ich ja meine Mutter angeblich schlage?“ spreche ich sauer meine Gedanken aus und verdrehe dabei meine Augen. „Meine Cousine denkt jeden Mist. Ignoriere sie bitte einfach. Du kannst ihr jeden Scheiß verzapfen und sie glaubt es.“ Anna schaute ihre Cousine kurz warnend an und wandte sich dann wieder uns zu. „Also Anna, erzähle doch mal was über dich.“ rief Josh in die Runde und zog dabei an seiner Zigarette. „Kann ich erst einmal eure Namen wissen? Ich kenne nur Jason und Justin.“ beichtete sie uns mit einem Schmunzeln, das eindeutig Justin galt. Justin hingegen begann zu Schmollen. „Sorry, sonst sind wir immer alleine und können frei reden. Da muss man eigentlich nicht aufpassen, was man sagt.“ gab er immer noch schmollend von sich. Die anderen drei Jungs hingegen stellten sich alle bei Anna vor. Man merkt auf Anhieb, dass sie sich alle leiden können. Schon mal etwas futes an der Sache. „Also los, erzähl jetzt!“ forderte Louis auf und setze sich dabei auf den Boden. Ich nahm ein bisschen Kleingeld aus meiner Jackentasche und warf es ihm vor die Füße. „Hier du Penner, dann kannst du dir endlich was kaufen gehen.“ spaßte ich herum, was Anna wieder zum lachen brachte. Grinsend drehte sie sich weg und versuchte nicht laut zu lachen was unmöglich war. „Du fängst schnell an zu lachen oder ?" Sie nickte. Das war klar. „Oh, sie wird viel Lachen, wenn sie ab jetzt mit uns abhängt.“ rief Justin und fing an zu tanzen. „Ihr seid so peinlich, Jungs. Der eine sitzt auf dem Boden und gammelt, der andere tanzt mitten auf dem Schulhof einen Ententanz und die anderen werden bald auch irgendwas machen, da bin ich mir sicher. Anna pass auf, dass du nicht vor lachen noch erstickst. Ich brauche dich ab jetzt. Somit muss nicht mehr alleine auf diese Idioten aufpassen.“ Plötzlich verstummte Anna neben mir und sah mich mit einem traurigem Blick an. „Wieso sagen alle, dass du gemein bist. Diese Menschen sind tausend mal schlimmer als du nur merken sie das nicht mal.“ sagte sie traurig und lies ihren Blick über den Schulhof gleiten. „Lass sie Anna. Sie denken, dass Jason ein schlechter Mensch ist, weil seine Eltern gut verdienen. Sie denken, weil er so beliebt bei vielen Gangs ist, ist er direkt ein Mörder und vieles mehr. Was sie nicht wissen ist, dass Jason einer der Loyalisten und nettesten Menschen auf diesem Planeten ist. Dieses Graffiti macht er nur, um Menschen mit seiner Kunst eine Freude zu machen, aber das checken die meisten nicht.“ erklärte Justin Anna und lächelte dann mich an. ,,Ja. Bin wohl ein Schläger. Ich frag mich wann das aufhört.“ murmelte ich abwesend und stand auf. „Ich... ich hab keine l**t mehr. Sagt dem Lehrer, dass es mir nicht gut geht oder so.“ Kurz schlug ich bei allen ein und umarmte Anna am Ende einmal kurz. „Bis heute Abend.“ Ich verließ meine Gruppe und ging zum Motorrad, wo ich meine Tasche mir umhänge, auf das Motorrad steige und dann los fahre. Ab nach Hause.
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