KAPITEL EINS: Unterschreibe die Scheidungspapiere
Unterschreib die Scheidungspapiere, Olivia.”
Die Worte durchschnitten die Luft wie eine Klinge. Olivia erstarrte, ihr Atem stockte. Ihr Kopf wurde vollkommen leer, während ein dröhnendes Schweigen ihre Ohren erfüllte. Ihr Herz schlug so heftig, dass sie jeden einzelnen Schlag in ihren Schläfen spüren konnte.
„Was ... hast du gerade gesagt?“ Ihre Stimme kam klein und kaum hörbar über ihre Lippen, zitternd vor Unglauben.
Lucien Ashford saß ihr gegenüber hinter dem gewaltigen Mahagoni Schreibtisch. Seine Haltung war aufrecht und unnachgiebig, wie die eines Königs auf einem Thron aus Eis. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er wurde nicht weicher.
Diese durchdringenden grauen Augen, in denen sie sich einst gesehen und verstanden gefühlt hatte, blickten nun einfach durch sie hindurch.
“Unterschreib sie”, wiederholte er ruhig und schob den ordentlichen Stapel Dokumente mit einem eleganten Finger zu ihr. Keine Emotion. Kein Zögern. Nur kalte Endgültigkeit.
Erst jetzt stürzte die Welt wieder auf sie ein.
Das luxuriöse Büro im Ashford Tower erstreckte sich um sie herum. Vom Boden bis zur Decke reichende Fenster gaben den Blick auf die glitzernde Skyline der Stadt frei. Regale voller ledergebundener Bücher und Auszeichnungen zeugten von Generationen voller Macht und Einfluss.
Die Luft roch nach altem Holz, teurem Parfüm und etwas Schärferem dem schwachen metallischen Geschmack eines drohenden Untergangs.
Luciens maßgeschneiderter schwarzer Anzug saß an ihm wie eine Rüstung. Sein dunkles Haar war perfekt frisiert, sein Kiefer angespannt, als würde er keinen Widerspruch dulden.
Olivia starrte auf die Papiere. Die fett gedruckte Überschrift schrie ihr förmlich entgegen:
“Auflösung der Ehe.”
Ihr Name, Olivia Carter Ashford, stand ordentlich neben seinem.
Drei Jahre ihres Lebens waren auf juristische Formulierungen und leere Zeilen für Unterschriften reduziert worden.
Sie lachte.
Es war ein nervöses, gebrochenes Geräusch, das viel zu laut durch die erstickende Stille hallte.
Das ist nicht lustig, Lucien. Ihre Finger verkrampften sich im Stoff ihres weichen blauen Kleides jenes Kleid, das sie ausgesucht hatte, weil er einmal gesagt hatte, die Farbe erinnere ihn an ihre Augen.
Lucien sagte nichts.
Er beobachtete sie einfach nur, sein Gesicht aus Stein gemeißelt.
Die Stille zog sich in die Länge, dicht und beängstigend. Sie drückte auf ihre Brust, bis sie kaum noch atmen konnte.
Ihr Blick wanderte wieder zu den Scheidungspapieren und dann zurück zu seinem Gesicht.
Kein Zucken seiner Lippen. Keine vertraute Wärme in seinen Augen.
Der Mann, der sie einst nach langen Nächten im Büro ins Bett getragen und ihr Versprechen gegen ihre Haut geflüstert hatte, sah sie nun an, als wäre sie nichts weiter als eine lästige Angelegenheit, die vor seinem nächsten Termin erledigt werden musste.
Da begann die Angst.
Kalt und langsam kroch sie in ihr Herz.
Lucien, bitte ... Habe ich dich irgendwie enttäuscht? Olivias Stimme brach, als sie sich nach vorne beugte und sein Gesicht nach einem einzigen Riss in seiner eisernen Fassade absuchte.
Bist du wütend auf mich? Ist etwas bei der Arbeit passiert? Hat jemand etwas über mich gesagt?
Sie gab sofort sich selbst die Schuld, so wie sie es immer tat, wenn sich dunkle Wolken über ihrer Ehe zusammenzogen.
Vielleicht war sie während seiner letzten Fusion nicht unterstützend genug gewesen.
Vielleicht waren die Abendessen mit seiner Familie zu steif gewesen.
Vielleicht hätte sie sich mehr bemühen müssen, die Kluft zwischen den Carters und den Ashfords zu überbrücken.
Ich weiß, dass es zwischen uns angespannt war, aber wir können das wieder in Ordnung bringen. Was auch immer passiert ist, sag es mir. Ich bin deine Frau. Lass mich dir helfen.
Ihre Hände zitterten in ihrem Schoß, doch sie hielt ihre Stimme sanft und hoffnungsvoll.
Sie glaubte immer noch daran, dass diese Ehe gerettet werden konnte.
Sie musste daran glauben.
Denn die Alternative ein leeres, farbloses Leben ohne ihn war unvorstellbar.
Lucien blieb stumm.
Seine Finger waren unter seinem Kinn ineinandergelegt, während er zusah, wie sie vor seinen Augen auseinanderbrach, mit einer geradezu klinischen Teilnahmslosigkeit.
Olivia schob ihren Stuhl zurück und stand auf.
Das emotionale Zentrum ihrer Welt zerbrach um sie herum.
Langsam ging sie auf ihn zu, jeder Schritt schwer von Erinnerungen.
Erinnerst du dich an unseren Hochzeitstag im letzten Monat?
Ihre Stimme wurde stärker, angetrieben von Verzweiflung.
Ich habe das Abendessen selbst vorbereitet das mit dem gebratenen Lamm, das du so liebst. Ich habe das Kleid getragen, das du mir in Paris gekauft hast. Ich habe Kerzen angezündet. Ich habe dich angerufen, als es spät wurde, in der Hoffnung, dass du nach Hause kommst.
Ich habe alles bis Mitternacht warm gehalten.
Sie streckte die Hand nach seiner aus, die auf dem Schreibtisch lag.
Ihre Finger berührten seine warme Haut, doch im nächsten Moment zog er seine Hand abrupt zurück, als hätte ihre Berührung ihn verbrannt.
Die Zurückweisung traf sie härter als jeder Schrei.
Olivia wich zurück und rang nach Luft.
“Bitte”, flüsterte sie, während sich Tränen in ihren Augen sammelten.
Sag mir, was ich getan habe. Ich werde es wieder gutmachen. Ich werde mich ändern. Ich werde mich jeden Tag entschuldigen, wenn es sein muss. Nur ... wirf uns nicht einfach weg.
Drei Jahre können doch nicht einfach so enden. Nicht so.
Jetzt weinte sie offen. Sie versuchte nicht länger, ihre Würde zu bewahren.
Sie flehte.
Sie verhandelte.
Sie schüttete jedes noch verbliebene Stück Liebe aus, das sie in sich trug.
Ich liebe dich, Lucien. Ich habe dich immer geliebt. Selbst als deine Familie mich ansah, als würde ich nicht dazugehören. Selbst als du spät nach Hause kamst und kaum mit mir gesprochen hast.
Ich bin geblieben, weil ich an uns geglaubt habe.
Bitte tu das nicht.
Sein Schweigen war eine Waffe.
Mit jeder Sekunde schnitt es tiefer.
Er widersprach ihrer Liebe nicht. Er erkannte sie nicht einmal an.
Er existierte einfach in dieser eisigen Gleichgültigkeit und ließ ihre Worte wie Wellen an einer Klippe zerschellen.
Die Bürotür öffnete sich ohne anzuklopfen.
Eleanor Ashford, Luciens Mutter, trat herein. Die Absätze ihrer Designer-Schuhe klackten scharf über den Marmorboden.
Sie wusste bereits Bescheid.
Die Genugtuung in ihren Augen bestätigte es.
Das hier war geplant.
Abgesprochen.
Eine Entscheidung der gesamten Familie.
Nun, sagte Eleanor mit einer Stimme, die vor Gift triefte, während sie Olivia von oben bis unten musterte.
Ich sehe, das kleine Carter-Mädchen ist immer noch hier und verschwendet die Zeit aller.
Unterschreib die Papiere und erspar uns dieses Theater, Olivia.
Du hast nie in diese Familie gehört. Die erbärmlichen Geschäftsvorhaben deines Vaters hätten uns beinahe in den Dreck gezogen.
Die Ashfords vermischen sich nicht mit verzweifelten Emporkömmlingen.
Olivia wandte sich mit verzweifeltem Blick an Lucien.
Stumm flehte sie ihn an, sie zu verteidigen.
Irgendetwas zu sagen.
Irgendetwas, das zeigte, dass der Mann, den sie liebte, noch irgendwo in ihm existierte.
Doch er tat es nicht.
Er starrte geradeaus und bot ihr nichts.
Eleanors Beleidigungen prasselten auf sie nieder, jede einzelne eine neue Demütigung.
Doch es war Luciens Schweigen, das sie zerstörte.
Die Erschöpfung überrollte Olivia wie eine Welle.
Sie fühlte sich ausgehöhlt.
Wund.
Hast du mich jemals geliebt?
Die Frage kam als gebrochenes Flüstern über ihre Lippen.
Die Pause zog sich wie eine Ewigkeit.
Absolute Stille erfüllte den Raum.
Nein, sagte Lucien schließlich.
Flach.
Endgültig.
Olivias Atem stockte.
Neue Tränen liefen über ihre Wangen.
Ihre Hoffnung dieses zerbrechliche, hartnäckige Ding, an dem sie sich festgeklammert hatte verschwand wie Rauch.
Sie schluckte schwer und zwang die nächsten Worte hervor.
Wenn ich dich anflehe ... würdest du bleiben?
Nein.
Olivia starrte auf ihren Ehering, das schlichte goldene Band, das ihr alles bedeutet hatte.
Die Scheidungspapiere verschwammen vor ihren tränengefüllten Augen.
In ihrem Kopf sah sie ihr Hochzeitsfoto vor sich wie sie lächelnd zu ihm aufsah, während sein Arm um ihre Taille lag.
Die Zukunft hatte damals hell und voller Möglichkeiten ausgesehen.
Sie weinte heftiger.
Hässliche, unkontrollierte Schluchzer erschütterten ihre Schultern.
Ihre Brust hob und senkte sich, während sie mühsam und unregelmäßig nach Luft rang.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, doch immer neue kamen.
Der Stift fühlte sich unglaublich schwer an, als sie ihn schließlich aufhob.
Ihre Hand zitterte heftig.
Der Stift glitt ihr aus den Fingern und fiel auf den Schreibtisch.
Klack.
Sie hob ihn wieder auf.
Ihre Fingerknöchel wurden weiß.
Ich will dich nicht verlieren, flüsterte sie.
Keine Antwort.
Sie schloss die Augen.
Atmete einmal tief und zitternd ein.
Dann unterschrieb sie.
Das Kratzen der Feder über das Papier fühlte sich an wie der Tod ihrer Ehe.
Die Bürotür flog auf.
Luciens Assistent stürmte herein. Sein Gesicht war blass und panisch.
Mr. Ashford ... es geht um Ihren Schwiegervater. Richard Carter ist zusammengebrochen. Er ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Es sieht sehr ernst aus.
Der Stift glitt aus Olivias Fingern.
Er rollte über den Boden.
Zum ersten Mal in dieser Nacht flackerte etwas über Luciens Gesicht Überraschung vielleicht, oder der kaum erkennbare Schatten von Besorgnis.
Olivia erstarrte.
Die Welt unter ihren Füßen schien sich zu neigen.
In nur einer Nacht war alles zerbrochen.Wenn du möchtest, kann ich auch Kapitel 2 direkt ins Deutsche übersetzen und dabei Namen, Ton, Spannung und die Kontinuität deiner Geschichte beibehalten.