Chapter 4

975 Worte
Er winkte zum Abschied, als er aus dem Bus stieg und zurück in die beißende Kälte trat. Ray joggte die vier Blocks zu seiner Wohnung, rannte die Treppe hinauf und schob die Tür zu seinem winzigen Studio auf. Er fühlte Erleichterung, als er sah, dass Tania schon das Essen aufgegessen hatte, das er ihr nach der Schule dagelassen hatte. Er wusste, dass sie versuchte, es ihm nicht schwer zu machen, indem sie nicht klagte – er fühlte sich glücklich, dass seine zwölfjährige Schwester keine Spielsachen oder teure Sachen verlangte, wie die meisten Kinder in ihrem Alter. Die Wohnung war innen genauso kalt wie draußen, aber es war sein Zuhause. Ray wünschte sich, er könnte vor dem Schlafen duschen, aber im Winter tat er das nie – nicht bei der Miete und den Heizpillen, um die er sich kümmern musste. Mit nassen Haaren in der eisigen Kälte zu schlafen war ein sicherer Weg, krank zu werden. Außerdem war eine warme Dusche am Morgen etwas, worauf man sich freuen konnte, bevor man sein warmes Nest verließ. Sein bester Schutz gegen die Kälte waren seine Winter-Pyjamas: dicke Jogginghosen, ein übergroßer Hoodie und zwei Paar Socken. Das Ausziehen und Umziehen ließ ihn schaudern, als die kalte Luft die Wärme von seiner Haut stahl. Er putzte sich die Zähne, steckte sein kaputtes altes iPhone an die Steckdose, stellte den Wecker und kroch dann in sein Bett aus Decken. Er rollte sich zu einer zitternden Kugel zusammen, hoffte, genug Wärme zum Schlafen zu bekommen. Sein Geist wanderte zu seiner bevorstehenden Brunst – er brauchte seine Medizin. Ohne sie konnte es übel enden. --- Der Wecker schrillte nervig und riss Ray aus dem unruhigen Schlaf. Er stöhnte, streckte die Hand aus dem warmen Kokon, um sein Telefon zu finden und das Geräusch auszuschalten. Verschlafen sah er, dass es 18:30 Uhr war – Zeit, sich für die Nachtschicht fertigzumachen. Samstagnächte waren im Club brutal. Wenn er duschen und pünktlich sein wollte, musste er sich beeilen. Er erlaubte sich fünf weitere Minuten zu schmollen, bevor er sich zwang, aufzustehen. Seine Füße trafen die kalten Fliesen, und trotz der zwei Paar Socken jagte die Kälte die Wirbelsäule hinauf. Er stolperte ins Badezimmer und drehte die Dusche an. Die alten Rohre knarrten, als sich das Wasser langsam erwärmte. Er putzte sich die Zähne, zog dann den Pyjama aus und stieg unter die Dusche. Fünf Minuten hatte er heißes Wasser. Schnell wusch er Haare, Körper und Gesicht – dann stand er unter dem warmen Strahl, bis die Temperatur fiel. Sofort drehte er das Wasser ab, griff nach seinem Handtuch und trocknete sich schnell ab, um die Wärme auf der Haut zu behalten. Dampf erfüllte das winzige Bad und machte es gerade warm genug, als er sich anzog und sich schnell die Haare föhnte. Er zögerte an der Tür, wollte nicht die warme Luft entweichen lassen, seufzte aber resigniert und trat hinaus. Er bemerkte, dass er schon Flüssigkeit verlor – Zeichen, dass seine Brunst zu früh begann. Er nahm die letzte Dosis der Fake-Pillen, die er letzten Monat gekauft hatte, aber er wusste, dass er die echte Medizin brauchte. Die einzige Chance, sie zu bekommen, war bei der Arbeit. Er bestellte Essen für Tania, schnappte sich seinen Mantel, Geldbörse, Handy und Schlüssel und trat hinaus in die kalte Nacht. Eine Schneeflocke landete auf seiner Nasenspitze. Er blickte nach oben und lächelte über die zarten Flocken, die vom Himmel fielen. Er liebte den Schnee, auch wenn er die Kälte hasste. Die weiße Decke erinnerte ihn an bessere Zeiten – als seine Familie noch komplett war und sie Winterausflüge machten. Sein Lächeln blieb, während er zum Bus wartete, die Hände tief in den Taschen vergraben und zitternd. Der Bus kam, er stieg ein, setzte sich und rieb seine Hände, um sie aufzuwärmen. Seine Haltestelle kam viel zu schnell. Er sprang raus und ging in den Club, um bei den Vorbereitungen für die Nachtschicht zu helfen. Kaum war er drinnen, wusste er, dass es eine lange Nacht werden würde – die Szene war genau wie bei seinem Vorstellungsgespräch bei Ricky. --- Eine Stunde später hatte er bereits einem Beta eine verpasst, mehr als fünfzig Alphas böse angeschaut und zwanzig Omegas böse Blicke geerntet. Die Betas wollten ihn für Dreier, die Alphas wollten ihn als ihren b***h, und die Omegas hassten ihn, weil er mit seinem Aussehen Kunden stahl. Er wusste, der Job würde hart, aber nicht so sehr. Neben den körperlichen Anforderungen als Kellner musste er Szenen erleben, die er nie erwartet hatte – b**m in verschiedenen Räumen, wo er Getränke servierte. Verdammt. Er glitt die Badezimmerwand herunter und hielt sich den Bauch. Die Krämpfe waren brutal. Das durfte jetzt nicht passieren. Er wünschte, er hätte eine Zeitmaschine, um seine Brunst zu überspringen. Er musste nur heute Nacht überstehen – dann würde er das Licht am Ende dieses düsteren Tunnels sehen. Seine Brunst sollte nicht heute beginnen. Dieser Ort war kein sicherer Platz für ein Omega in Brunst, besonders mit den ganzen Alphas und Betas, die auf ihn warteten. Morgen war Zahltag im Club. Er wollte seine Medizin kaufen und sich nach dem Absetzen von Tania bei Rickys Haus mit seinem Fake-Dildo und dem Knoten selbst befriedigen. „Ich muss raus und ein Taxi holen, bevor das schlimmer wird und ich hier eine Szene mache.“ Sein Kopf pochte. Sein Gehirn kochte. Eine Sekunde lang stand er zitternd im Club-Badezimmer. Die nächste, sein Handy war in der Tasche, die Sneakers an den Füßen, und er schob Alex beiseite, um zur Tür zu kommen. Die kalte Brise traf seine überhitzten Wangen. Er halb lief, halb rannte den Boardwalk entlang und versuchte, niemanden anzustoßen. Seine Haut kribbelte bei jedem Menschen um ihn herum. Tränen trübten seine Sicht. Als er den Parkplatz erreichte, war er atemlos und schluchzte. Dann stieß er gegen jemanden, wurde von einem betörenden Duft gefangen – und verlor die Kontrolle.
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