7

535 Worte
ANN Ich beobachtete mein Wasserglas, das im Takt der lauten Musik von nebenan über meinen Schreibtisch hüpfte. Das war doch eine verdammte Unverschämtheit. Ich schloss die Augen und drehte die Lautstärke meiner Kopfhörer höher. Es war okay. Alles völlig okay. Plötzlich hörte ich, wie etwas gegen unsere gemeinsame Wand schmetterte, und ich riss mir die Kopfhörer vom Kopf. Was war das denn? Schreie und Gelächter folgten. Sie musste mindestens dreißig Leute in ihrem winzigen Zimmer haben. Ich hatte heute Abend schon dreimal den Sicherheitsdienst gerufen, aber niemand kam, weil Penelope sie wahrscheinlich sowieso alle flachlegte. Mein Handy piepte – eine SMS von Nalim. Ich kann Pennys Party bis hierher hören. Willst du auf meinem Boden schlafen? Ich atmete schwer aus. Nein, ich wollte eigentlich nicht auf einer Matratze auf dem Boden von irgendjemandem schlafen. „Zieh weg, weg, weg, weg!“, grölte der Chor betrunkener Leute auf der anderen Seite der Wand. Ich tippte die Antwort. Danke. Ich bin bald da. Bussi. Zwanzig Minuten später klopfte ich an Nalims Tür. Er öffnete in seinem Flanellpyjama. „Hi.“ Er trat beiseite, um mich hereinzulassen. Ich lächelte über sein niedliches Outfit. Er war mit seinen achtzehn Jahren noch so jung, und doch hatte er mir bereits ein Bett auf dem Boden hergerichtet. „Willst du in meinem Bett schlafen?“, fragte er. „Es ist viel bequemer.“ „Nein.“ Ich stellte meine Tasche auf die Kommode. „Der Boden ist super, danke.“ „Willst du einen Film sehen?“ „Ja, okay.“ Ich lächelte, denn ich wusste bereits, dass ich den Film nicht wirklich verfolgen würde. Ich würde auf dem Boden liegen und von meinem Mr. Kronfeld träumen. Ich wünschte, heute Nacht wäre schon das „nächste Mal“. Ich saß in einem Café und lächelte, während ich die Samstagszeitung durchblätterte. Heute war der Tag. Nach meiner kleinen Pyjamaparty gestern auf dem Boden war ich fest entschlossen, eine neue Wohnung zu finden. Es war mir egal, wo oder was es war – solange es halbwegs anständig war, würde ich es nehmen. Ich kreiste eine weitere Anzeige ein. „Bitteschön.“ Die Kellnerin brachte meine Pfannkuchen. „Danke.“ Ich faltete die Zeitung zusammen und legte sie auf die Bank neben mir. Ich nippte an meinem Kaffee und fing an, meine Blaubeer-Pfannkuchen zu essen. Mjam, die waren gut. Ich nahm einen großen Bissen und warf dann einen Blick auf die gefaltete Zeitung. Ich runzelte die Stirn, als ich Rian entdeckte. Schnell schlug ich das Blatt wieder auf und las die Schlagzeile auf der Rückseite. Es war die Gesellschaftsseite. Highflyer für den guten Zweck Dort war ein Foto von ihm und zwei anderen Männern, und jeder von ihnen hatte eine wunderschöne Frau am Arm. Ich las die Notiz neben dem Bild: Elias und Kalina Morgen, Bjarne und Soraya Kuhn sowie Rian Kronfeld mit Partnerin Nerida Weiss beim Wohltätigkeitsball des Gouverneurs in Berlin. Ich überflog den Artikel. Der Ball hatte gestern Abend stattgefunden. Das bedeutete, er hatte die Nacht auf Freitag mit mir verbracht, mich unzählige Male genommen – und den Freitagabend hatte er mit ihr verbracht. Hatte er sie auch unzählige Male flachgelegt? Mein Herz zog sich vor Enttäuschung zusammen. Arschloch.
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN