Es war zwei Wochen vor Beginn der Sommerkurse, als Sera mit Astarot zusammen die wunderschöne Hütte im Wald erreichte.
Beide stiegen aus und der Fahrer fuhr wieder zurück. Sie wollten Ruhe und sich entspannen, daher hatten sie sich dazu entschieden, auch kein Internet mitzunehmen.
Beide gingen auf die Hütte zu und Sera bemerkte den riesigen See, dem man sogar vom Balkon aus erreichen konnte.
Die Hütte war in einem rustikalen Stil gehalten. Ein wunderschöner, ruhiger Fleck, den Astarot besaß. Es war erstaunlich, dass es auf Mallorca solche Möglichkeiten zum Leben gab.
Sera erkannte eine Terrasse, wo es einen Grill gab. Zudem eine gemütliche Sitzecke. So sauber, wie es hier aussah, wusste sie, dass Astarot jemanden aufgetragen hatte, für Ordnung zu sorgen. „Ein tolles Anwesen", sagte sie ehrfurchtsvoll, während sie ihren kleinen Koffer hinter sich her zog. Die frische, warme Luft gepaart mit dem Vogelgezwitscher war eine absolut tolle Kombination. Hier würde Sera sich entspannen können. Sie stellte sich vor, wie sie mit einem Buch und einer Tasse Kaffee auf der Sitzecke saß und den See vor der Nase hatte.
„Dieses Gebiet ist schon seit vielen Generationen im Besitz meiner Familie", erklärte er und schloss für sie die Tür auf. „Es war der Wunsch, dass es so bleibt, wie es ist und nur bedingt modernisiert wird."
Seras Müdigkeit verflog plötzlich, als sie das Innere der Hütte sah. Auf den ersten Blick eher dunkel durch das Holz, aber der Wohnraum war offen. Von dem hübsch eingerichteten Wohnzimmer, das sogar einen Kamin besaß, gingen drei weitere Türen ab, hinter deren Sinn Sera noch nicht gekommen war. Die Wohnküche war geräumig, aber um einiges kleiner als in Astarots Wohnung.
Vom Eingang her hatte man einen Blick auf den oberen Bereich, der über eine Treppe erreichbar war. Dort oben gab es schräge Dachfenster, die genügend Tageslicht hereinließen.
„Das hier ist ein Traum", flüsterte Sera heiser. So würde sie gerne leben: Zurückgezogen und viel Natur. Vielleicht würde es eines Tages genauso sein, wenn sie Anwältin war.
„Schön, dass es dir gefällt. Es ist mein Rückzugsort", verkündete er und nahm ihr den Koffer ab. „Die Zimmer befinden sich oben."
Ohne Widerrede ließ sie sich den Koffer abnehmen und zog ihre Schuhe aus, bevor sie in den Wohnraum trat. „Ich kann verstehen, dass es Ihr Rückzugsort ist. Hier ist man gezwungen, ruhig und entspannt zu werden. Das ist in einer Großstadt nicht möglich", bemerkte Sera nachdenklich und beobachtete Astarot. Wollte er nach oben? Dann konnte sie die Zimmer dort zuerst inspizieren. Sie wollte gerne alles sehen.
Da er ihren Koffer hochnahm und damit die Treppe ansteuerte, schien das wirklich sein Ziel zu sein.
Daher eilte sie ihm hinterher. „Sie brauchen meinen Koffer nicht nach oben tragen. Er ist leicht genug", beharrte Sera. Es fühlte sich an, als würde er sie bedienen.
„Ich möchte es aber", erwiderte er und wirkte nicht, als würde er ihr den Koffer zurückgeben wollen.
„Na gut", murmelte Sera seufzend. Wenn er unbedingt wollte ...
dafür folgte sie ihm die knarzenden Treppenstufen nach oben und keuchte. Wie hübsch und teilweise sogar altmodisch die Einrichtung war! Am Ende des Flurs stand sogar eine uralte Truhe, auf der frische Blumen stand.
Es gab auch Standuhren, die jedoch nicht penetrant tickten.
Alles wirkte sehr gemütlich und irgendwie rustikal.
„Wo ist eigentlich das Badezimmer?", erkundigte sich Sera, als Astarot eine Tür ansteuerte. Wie es aussah, gab es hier oben vier Zimmer.
„Unten an der Küche vorbei", erklärte Astarot und öffnete eine Tür. „Wie gefällt Ihnen das Zimmer?"
Noch konnte Sera nichts sagen, da er ihr die Sicht versperrte. Nachdem Astarot jedoch zur Seite getreten war und sie eintrat, staunte sie. „Ist das hübsch!", rief sie und zeigte auf das Bett, das mit einem dunklen Holz umrahmt war. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Auch die Kommoden waren eher dunkel gehalten, doch die hellen Gardinen sorgten für eine tolle Atmosphäre. So, wie sie es sah, konnte sie sogar auf den Balkon. „Bekomme ich es?", fragte sie eifrig, obwohl sie die anderen Zimmer noch gar nicht gesehen hatte.
„Wenn Sie das möchten gern", lachte Astarot. „Oder wollen Sie sich die anderen ansehen?"
Sera winkte ab. „Ich bin nicht wählerisch und nehme das hier. Aber ich würde die anderen trotzdem gerne sehen", erklärte sie lächelnd.
„Sie sind themenbasiert", erklärte Astarot und stellte ihren Koffer in den Raum, bevor er ihr die anderen zeigte.
Was er damit meinte, sollte sie gleich im nächsten Zimmer herausfinden, denn sie folgte ihm.
Dieses wirkte vom Design her, als wäre man in einem Wald. Irgendwie, als wäre es für Elfen gedacht.
Das Bett war ein Himmelbett und die Balken sahen aus wie ineinander verflochtene Baumstämme und die Decke wie Blätter. Zudem gab es einen Schrank, der einem Baum nachempfunden war. „Das war früher mein Kinderzimmer."
Sera entfuhr ein erstaunter Ausruf. „Sie haben hier gelebt?", fragte sie verblüfft. Sie empfand das Zimmer als eine Wohlfühloase und bereute es nur ein kleines bisschen, sich bereits entschieden zu haben. Aber sie wusste auch nicht, in welchem Zimmer er schlief.
„Ja", meinte er lediglich schmunzelnd. „Kommen Sie weiter", bat er und führte sie in das nächste Zimmer. Dieses wirkte, als wären sie unter Wasser. Alles war in blau gehalten und durch die Lichter, die angingen, als Astarot den Schalter betätigte, hatte man das Gefühl zu tauchen.
„Ist das letzte an die Wüste gelehnt?", neckte sie bei dem Anblick. Ihr Abendessen im Aquarium war noch sehr präsent und dieses Zimmer erinnerte Sera an den gelungenen Abend.
„Nein, es ist mehr ... orientalisch", meinte er und führte sie ins nächste Zimmer. Die Gestaltung arbeitete viel mit durchsichtigen Stoffen.
„Oh", staunte Sera und rieb sich die Nase. Was sollte sie tun? „Sie sind der Hausherr und entscheiden, wo Sie schlafen wollen. Mir ist alles recht", sagte sie entschieden.
„Mir ist es ebenfalls egal", lachte er. „Also entscheiden Sie sich", bat Astarot schmunzelnd.
„Ich bleibe beim ersten. Auch wenn mir das Waldzimmer ein klein wenig besser gefällt. Aber ich bin nicht hier, um mich im Zimmer aufzuhalten, sondern draußen zu sein", erwiderte Sera ehrlich. Sie freute sich schon darauf, am See zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen.
„Dann ist es ja gut. Ich hatte geplant, dass wir heute Abend grillen", informierte Astarot sie und klang belustigt.
Der Urlaub ließ Sera offener und fröhlicher werden. „Eine sehr gute Idee. Gibt es etwas zum Vorbereiten? Salat? Das Fleisch?", fragte sie voller Tatendrang und drehte sich sogar einmal im Kreis, weil sie glücklich war.
„Wissen Sie, wie man Steaks schneidet?", fragte er. „Ich habe große Stücke im Kühlschrank. Zudem frischer Fisch, der müsste gewürzt werden."
Eifrig nickte Sera. Sie konnte beides. „Wenn Sie Zitrone, Salz und Pfeffer dahaben, ist der Fisch schon so gut wie fertig. Mehr braucht es für einen guten Geschmack nicht." Beim Fleisch würde sie sehen, was er noch alles da hatte. Eventuell konnte sie eine Barbecue-Soße machen und die Fleischstücke darin einlegen.
„Ja, es ist alles da", meinte er. „Ich bevorzuge auf meinem Steak ebenfalls nach dem Grillen nur Pfeffer und Salz."
Daher schlug Sera vor, dass sie einen Teil einlegen und den anderen Natur lassen würde. „Ich mag Barbecue sehr gerne, aber auch scharfes Essen, solange es nicht zu stark ist", erklärte sie auf den Weg zu ihrem Zimmer. „Welches Zimmer nehmen Sie?"
„Das mit den Bäumen", meinte er und stimmte ihr dann zu, während er ihr folgte. Er selbst mochte ebenfalls scharfes Essen.
Allerdings wollte Sera sich lediglich etwas anderes anziehen. Der lange Flug und die Hitze machten ihr zu schaffen, weshalb sie sich zuerst frisch machen wollte.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, dass ihr Chef im Nebenzimmer schlafen würde. Bei ihm zuhause waren sie ein paar Zimmer entfernt und es gab ein paar, in die Sera keinen Zutritt hatte, weil sie abgeschlossen waren. Aber das machte nichts. Es war Astarots Wohnung, nicht ihre. „Wann ist eigentlich meine Wohnung wieder einzugsbereit?", wollte sie beiläufig wissen, während sie ein Kleid aus dem Koffer zog.
„Ich denke in zwei bis drei Wochen", sagte er und lehnte am Türrahmen. „Ich warte unten in der Küche auf Sie."
Dankbar warf sie ihm einen Blick zu und schloss dann die Tür.