Kapitel 5.1

1574 Worte
Die restliche Woche erlief sehr ähnlich. Sera arbeitete im Büro, begleitete manchmal ihren Chef und wartete geduldig auf das Wochenende. Tatsächlich half Astarot ihr dabei, ihre persönlichen Sachen aus Phoenix abzuholen. Wie sie vorausgesagt hatte, gab es nicht viel, was sie mitnahm. Daher waren die wenigen Kisten, die sie in ihrer alten Wohnung packte, schnell zusammen. Sie hatte das Glück gehabt, die Wohnung bereits möbliert zu übernehmen. Das kam ihr nun zugute, denn die Schlüsselübergabe dauerte nicht lange, nachdem die Wohnung sowieso sauber gewesen war. Dankbar, dass Astarot ihr so viel geholfen hatte, willigte sie ohne zu murren ein, ihn auf eine wichtige Veranstaltung zu begleiten. Es war eine sehr noble Veranstaltung und Sera wusste, dass die Frau, die beinahe Opfer ihres Mannes geworden war, dort viel verkehrte. Astarot wollte ihre Kontakte prüfen. Seras eigentliches Problem war, dass sie ein nobles Kleid brauchte, das ihre Verkabelung verdecken würde. Mit Astarot hatte sie ausgemacht, dass sie ein kleines Abhörgerät mitnehmen würde, damit sie aus den Informationen etwas nieder schreiben und er sich die Aufnahmen mehrmals anhören konnte. Er hatte ihr angeboten eines aus dem Fundus der Kanzlei zu nehmen, doch so ganz wohl fühlte sie sich damit nicht. Daher ging sie erst einmal ihre eigenen Kleider durch. Zu ihrem Unmut besaß sie nichts, was für die Veranstaltung geeignet wäre. Daher rief sie kurz entschlossen ihren Chef an und verkündete, dass sie am Nachmittag vor der Veranstaltung früher ins Büro zurückkehren würde, damit sie sich etwas aussuchen konnte. Dagegen hatte er nichts. Er bot ihr sogar an, im Notfall schnell etwas Passendes zu kaufen. Ihm schien alles, was man bezahlen musste, nichts auszumachen. Was kein Wunder war, wenn er so viel Geld besaß. Am Nachmittag kam Sera früher von der Mittagspause zurück und zog sich in die achte Etage des Gebäudes zurück, um sich etwas Passendes auszusuchen. Es war schwer, allein etwas zu finden. Daher bat sie Astarot per Telefon, zu ihr zu kommen, sollte er gerade keinen Klienten haben. Bisher hatte er eher selten jemanden in seinem Büro, was sie verwunderte. Daher war er auch heute recht schnell und half ihr dabei, etwas zu finden. Schließlich hielt sie ein elegant geschnittenes, silbernes Kleid in der Hand, das ihre Figur sehr gut betonte. Der Stoff glänzte und glitzerte und ging am Hals zu, ließ aber die Schultern frei. „Wie soll ich mich verkabeln?", fragte sie mehr zu sich selbst, denn durch die Enge des Stoffs würde wohl jede kleinste Erhebung sichtbar sein. Astarot musterte sie. „Das bekommen wir hin", meinte er und deutete ihr an, es anzuprobieren. Mit dem Kleid zog sich Sera in die Umkleide zurück und fluchte nach wenigen Minuten. „Schlechte Wahl. Ich kann den Reißverschluss nicht allein schließen", bemerkte sie trocken und kämpfte damit, wenigstens halbwegs das Kleid zu schließen. „Soll ich helfen?", fragte Astarot belustigt. Schnaubend trat Sera aus der Umkleide heraus und drehte sich zu Astarot um. „Wenn Sie mich nicht halbnackt mitnehmen wollen, wäre das die einzige Wahl", seufzte sie und nahm ihre Haare zur Seite, damit diese nicht in den Reißverschluss hängen blieben. Astarot schloss vorsichtig den Reißverschluss und musterte sie. „Man kann die Verkabelung an den Beinen anbringen", schlug er vor. Die junge Frau sah an sich herunter und nickte. „Gibt wohl keinen anderen Weg", murmelte sie und war sich nicht sicher, wie das wirklich funktionieren sollte, ohne dass es sie beim Laufen hinderte. „Wir nutzen kleine Mikrophone", informierte er sie. „Man kann sie mit Klebeband oder einer Bandage anbringen." Sera sah an sich herunter und hob den Rock ein Stück an, um sich eine geeignete Stelle auszusuchen. „Na hoffentlich hören Sie dann nicht nur meinen Magen grummeln oder meine Schritte", bemerkte sie schief lächelnd. „Werden wir testen müssen", meinte er und hockte sich hin, um das Minimikro zu platzieren. Bevor er jedoch Hand anlegen konnte, schnappte sich Sera dieses aus seiner Hand und sah ihn warnend an. „Das mache ich selbst", sagte sie entschlossen und legte gleichzeitig das Mikro an verschiedene Stellen, wo es am wenigstens stören würde. Astarot schmunzelte lediglich und ließ sie machen. Es dauerte eine Weile, bis sie schließlich eine geeignete Stelle gefunden hatte. Knapp unterhalb der Kniekehlen passte es am besten. Dort würde es nicht stören, sie konnte sich frei bewegen und niemanden würde es auffallen. Vor allem, weil das Kleid lang genug war. „Ich brauche Klebeband oder so etwas Ähnliches, um es zu befestigen. Dann machen wir einen Test, ob man alles gut hört, wenn ich laufe", entschied Sera nachdenklich. Astarot reichte ihr das Klebeband, das mehr wie ein großes Pflaster aussah. „Das hier hält am besten." Um es bei sich anzubringen, ließ Sera sich auf einem Stuhl nieder und zog das Kleid weit genug nach oben. „Festhalten", wies sie Astarot an und zeigte auf das Mikrofon. Dann würde sie das Klebeband befestigen. Er hielt es sanft und sein Daumen fuhr dabei über ihre Haut. Ob es absichtlich war oder nicht, konnte Sera nicht sagen. Aber anscheinend mochte sie es nicht. „Lassen Sie das. Ich bin zum Arbeiten hier, nicht, um gestreichelt zu werden", murmelte sie und drückte das Klebeband fest auf. Sie hoffte, dass es sich nicht lösen würde. Astarot erhob sich und holte eine Bandage hervor. Sie war dünn und würde hoffentlich nicht auffallen. „Diese hier sollte helfen, es zu halten." Dankbar nahm Sera ihm die Bandage ab und wickelte sie sorgfältig um ihr Bein, sodass das Mikrofon ein bisschen heraus steckte. Schließlich ließ Sera ihr Kleid wieder herunter und stand auf. „Jetzt sollten wir testen, ob es funktioniert", meinte sie und ging bereits ein paar Schritte. „Sieht man etwas?" Astarot musterte sie und blickte auf die Stelle. „Nein. Man sieht nichts", meinte er und holte aus seiner Tasche ein kleines, schwarzes Gerät. „Mal schauen, ob man etwas hört." Damit stellte er es an und man hörte leichtes Rauschen, wenn Sera sich bewegte. „Haben Sie Musik oder ähnliches? Dann würde ich mich bewegen, um zu sehen, ob das Rauschen zu laut ist und man nichts mehr versteht", schlug sie vor. Mit solchen Dingen war sie nicht wirklich vertraut. Bisher hatte sie noch nie ein Abhörgerät getragen, wünschte sich aber, das bereits früher getan zu haben. „Moment", meinte er und ging zu dem Computer, der auch hier in der Abteilung stand. Kurz darauf erklang Musik, wie sie wohl auf einer der Feiern erklingen würde. Zufrieden nickte Sera und begann dann, hin und her zu laufen. Dann kam sie auf Astarot zu und verwickelte ihn in ein belangloses Gespräch. Nur um zu sehen, dass auch die Worte gut zu hören waren. Ihr Chef machte mit, als wäre er gar nichts anderes gewöhnt. Nach ihrem Test spielten sie die Aufnahme ab. Es rauschte ein bisschen, doch nicht schlimm. „Ich hoffe, es reicht Ihnen aus. An einer anderen Stelle kann ich es nicht anbringen, ohne, dass es unangenehm wird", bemerkte Sera nachdenklich. Natürlich konnte sie sich noch an die Worte, die sie gesagt hatte, erinnern, weshalb es einfach war, die Worte zu verstehen. Aber würde es auch auf der Veranstaltung, wo es nur so von anderen Menschen wimmelten, sein? „Wir lassen es so, das passt schon", meinte Astarot abwinkend. „In Ordnung", sagte Sera grinsend und wollte wissen, wann er losfahren wollte. Ihr gefiel so eine noble Veranstaltung nicht, aber sie war gespannt, wie es dort sein würde. Astarot blickte auf die Uhr. „In dreißig Minuten", verkündete er. Entsetzt keuchte Sera. „So früh? Verdammt, dann muss ich noch schnell meine Haare machen!", fluchte sie in Eile. Hätte sie das gewusst, hätte sie alles mitgenommen, was sie brauchte. „Im Bad sollten Sie alles finden", informierte Astarot sie belustigt. Fragend sah Sera ihren Chef an. „Bad? Was für ein Bad?", wollte sie wissen, da sie ihm nicht ganz folgen konnte. Hatte sie etwas verpasst? Astarot legte leicht den Kopf schief, als er sie musterte. „Etage fünf. Da sind die Bäder." „Gibt es etwas, was es hier nicht gibt?", fragte Sera nervös lachend und machte sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Sie sollte sich beeilen, denn sie musste nicht nur ihre Haare machen, sondern sich auch schminken. Das würde ein bisschen Zeit kosten und sie hoffte, dass sie diese hatte. „Nein", rief Astarot lachend hinter ihr her. Erleichtert, es doch noch geschafft zu haben, kam Sera aus dem Gebäude und sah sich um. Astarot und sie hatten nichts ausgemacht, doch sie ging davon aus, dass er mit dem Wagen vorfahren würde. Solange nahm sie ihr Smartphone in die Hand und runzelte die Stirn, als sie eine SMS erhielt, die sie gar nicht erfreute. Sie seufzte leise. Was wollte er schon wieder von ihr? Konnte er sie nicht in Ruhe lassen. Sera drückte die Meldung weg und steckte das Handy wieder ein. Von ihm sollte sie sich den Abend nicht versauen lassen. Es war besser, sich auf die Veranstaltung zu konzentrieren. Sie hielt nach ihrem Chef Ausschau und nutzte die Zeit, auch die Menschen, die sich auf den Straßen tummelten, zu beobachten. Es war ganz interessant zu sehen, wie sich diese über die Straßen bewegten. Fast alle hingen am Handy oder schienen anderweitig beschäftigt zu sein. Das fand Sera schade, denn Los Angeles bot eigentlich viel mehr als das. Wunderschöne Sonnenuntergänge, Strand und Palmen. Aber auch die schönen Häuser der Reichen. Möglicherweise war es für die Einheimischen einfach nichts Neues, weshalb sie all das getrost ignorierten. 
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