Kapitel 1-2

1510 Worte
* * * Als Mia am nächsten Morgen aufwachte, streckte sie sich und brach in ein breites Grinsen aus, als sie sich an das Geschehen des vorangegangenen Tages erinnerte. Sie hatte den Eindruck, dass Korum gerade erst begonnen hatte, sie in die Welt der verschiedenen erotischen Spielereien einzuführen … und sie konnte es kaum erwarten, den Rest zu erleben, den er noch in petto hatte. Richtig oder falsch, sie war jetzt süchtig nach ihm, nach der Lust, die sie in seinen Armen empfand, und sie konnte sich nicht vorstellen, jemals mit jemand anderem zusammen zu sein – besonders nicht mit einem menschlichen Mann. Eigentlich war es lustig, sie hatte immer gehört, dass Beziehungen im Laufe der Zeit ihre anfängliche Intensität verlieren würden, aber bei ihnen schien die Leidenschaft mit jedem Tag noch stärker zu werden. Das lag zum Teil daran, dass Korum ein unglaublicher Liebhaber war; während seiner zweitausend Jahre hatte er eine Menge Zeit gehabt, alle erogenen Zonen der Frauenkörper kennenzulernen. Aber das war nicht alles, es gab da noch etwas Undefinierbares – diese einzigartige Chemie zwischen ihnen, die von Anfang an ganz deutlich zu spüren gewesen war. Manchmal machte es ihr Angst, wie sehr sie ihn brauchte. Dieses Verlangen ging weit über das Körperliche hinaus, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, auch nur einen Tag ohne diese überwältigende Lust, die sie in seinen Armen verspürte, auszukommen. Es war, als seien sie auf einer zellulären Ebene füreinander bestimmt – zwei Hälften, die ein Ganzes ergaben. Immer noch lächelnd, rollte Mia sich aus dem Bett. Sie nahm ihren kleinen Computer für das Handgelenk, um auf die Uhrzeit zu schauen. Zu ihrer Überraschung war es schon acht Uhr morgens, was bedeutete, dass sie nur noch eine Stunde Zeit hatte, um zu frühstücken und zum Labor zu kommen. Heute war zwar Samstag, aber da die Krinar ihren eigenen Kalender hatten, war in Lenkarda trotzdem ein ganz normaler Arbeitstag. Ihre Entsprechung einer Woche hatte nur vier Tage anstelle von sieben – drei Arbeitstage und einen freien Tag. Mia dachte allerdings immer noch im Schema des menschlichen Kalenders, da sie einfach zu sehr an ihn gewöhnt war. Korum war schon weg, also bat Mia das Haus, ihr einen Smoothie zuzubereiten, und rannte ins Bad, um sich schnell zu duschen. Selbst das unterschied sich jetzt dank Korums Änderung der Einrichtung sehr stark von früher. Statt der Kombination aus Dusche und Whirlpool, an die Mia gewöhnt war, befand sich in dem Badezimmer jetzt eine riesige, runde Kabine, die mit der gleichen intelligenten Technologie ausgestattet war wie der Rest des Hauses. Das Wasser kam von überall und nirgends, jeder Zentimeter ihres Körpers wurde gewaschen und massiert, und der Wasserdruck sowie die Temperatur wurden immer exakt an ihre Bedürfnisse angepasst. Sie musste sich auch nicht mehr einseifen; stattdessen wurden ihre Haare und ihre Haut mit zart duftenden Seifen, Shampoos und ungewöhnlichen Ölen eingerieben. Während sie einfach nur dastand, erledigte die krinarische Technologie die ganze Arbeit für sie. Nachdem der Duschvorgang beendet war, verließ Mia die Kabine, und warme Luftströme trockneten ihren Körper. Auch ihr Haar wurde automatisch geföhnt, und das Ergebnis waren glatte, seidige Locken, die auch nach einer Sitzung in einem schicken Frisörsalon nicht besser ausgesehen hätten. Gleichzeitig hatte sie einen frischen, sauberen Geschmack im Mund, so als ob sie sich gerade die Zähne geputzt hätte. Als sie mit allem fertig und angezogen war, wartete auf dem Küchentisch schon ein Erdbeer-Mandel-Smoothie auf sie. Sie schnappte ihn sich auf dem Weg nach draußen und beeilte sich, zur Arbeit zu kommen. Sie war zwar nur eine Woche weg gewesen, aber Mia hatte das Labor trotzdem schon vermisst. Sie liebte das Lernen als solches, genauso wie die Herausforderung, eine schwierige Aufgabe zu meistern, was sie noch nie abgeschreckt hatte. Teil ihrer anfänglichen Bedenken, mit Korum zusammen zu kommen, war ihre Angst gewesen, sich selbst zu verlieren, einfach nur noch ein verwöhnter Lustsklave zu sein. Aber stattdessen sah es so aus, als hätte sie einen Weg gefunden, ein sinnvoller Teil der krinarischen Gesellschaft zu werden. Indem er ihr das Praktikum besorgt hatte, hatte Korum mehr für sie getan, als nur ihren Lebenslauf aufzupolieren; er hatte ihr außerdem gezeigt, dass er sie für eine intelligente und fähige Person hielt – jemanden, den er nicht nur begehren, sondern auch respektieren konnte. Im Labor angekommen, verbrachte Mia den größten Teil des Tages damit, das aufzuarbeiten, was sie während ihrer Woche in Florida alles verpasst hatte. Trotz ihrer nahezu täglichen Gespräche mit ihrem Projektpartner Adam fühlte sie sich immer noch so, als sei sie nicht mehr auf dem neuesten Stand der Entwicklungen. Sie hatte allerdings auch nicht viel Zeit, das alles aufzuholen, da Adam am Nachmittag zu seiner menschlichen Adoptivfamilie reisen würde. »Wie konnte Saret da nur zustimmen?«, neckte Mia ihn. »Eine ganze Woche Urlaub? Korum musste ihn quasi zwingen, mich für so eine Zeitspanne gehen zu lassen, und dabei bist du viel nützlicher …« Adam zuckte mit den Schultern. »Er hatte keine große Wahl. Ich habe ihm gesagt, dass ich gehen würde, und das war’s.« Mia grinste ihn an und war wieder einmal beeindruckt von dem jungen Krinar. Trotz seines menschlichen Aufwachsens – oder vielleicht gerade deshalb – konnte er mit den Besten von ihnen mehr als mithalten. Gegen vier Uhr nachmittags gab er ihr schließlich einen Stapel Unterlagen zum Durcharbeiten und ließ sie allein im Labor zurück, um seinen Urlaub zu beginnen. Die anderen Praktikanten arbeiteten gerade an einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Verstandeslabor in Thailand, und genau dort befanden sie sich auch gerade, um ein paar Experimente abzuschließen. Mia verbrachte die nächsten zwei Stunden lesend und ging danach die Daten kontrollieren, die von einer virtuellen Simulation eines jungen krinarischen Gehirns generiert wurden. Es sah so aus, als sei die neueste Methode, die sie und Adam entwickelt hatten, wirklich ein Schritt in die richtige Richtung. Der Wissenstransfer fand mit erhöhter Geschwindigkeit statt und hatte weniger unangenehme Nebeneffekte. Hoffentlich würden sie es zum Ende des Sommers noch weiter verbessern können … »Wie waren deine Ferien in Florida?«, fragte eine bekannte Stimme hinter ihr, und Mia sprang erschrocken auf. Sie schaute sich um und atmete tief durch, um ihren rasenden Puls zu beruhigen. »Du hast mich erschreckt«, erklärte sie Saret und lächelte ihn an. »Ich wusste nicht, dass noch jemand im Labor ist.« Ihr Chef fuhr sich mit seinen Fingern durch sein dunkles Haar. »Ich muss nur ein paar Sachen fertig machen.« Er sah ungewöhnlich angespannt aus, und Mia hatte sogar den Eindruck, dass er müde war – eine Seltenheit für einen Krinar. »Ist alles in Ordnung?«, fragte sie vorsichtig, da sie keine Grenzen überschreiten wollte. Obwohl sie jetzt schon ein paar Wochen lang für Saret arbeitete, kam es ihr immer noch so vor, als würde sie ihn nicht wirklich kennen. Er verbrachte nicht viel Zeit im Labor, da er für sein Projekt – was auch immer das war – rund um die Welt reisen musste. Wenn er einmal im Labor war, blieb er normalerweise in seinem Büro – auch wenn sie ihn ein paar Mal dabei erwischt hatte, wie er sie beobachtete; offensichtlich behielt er ein Auge auf den einzigen Menschen, den er jemals in sein Labor gelassen hatte. »Natürlich«, sagte Saret, seine Gesichtszüge entspannten sich, und er begann zu lächeln. »Warum denn nicht? Einer meiner Lieblingsassistenten ist zurück.« Mia erwiderte sein Lächeln, auch wenn ihr das Ganze unangenehm war. »Danke«, sagte sie. »Es ist schön, wieder hier zu sein. Ich habe mir gerade die Daten angesehen, und es gibt da definitiv eine Entwicklung …« »Das ist gut«, unterbrach Saret sie. »Ich hätte gerne möglichst bald einen Bericht darüber.« »Natürlich. Ich werde ihn heute Nacht vorbereiten …« »Nein, das ist nicht nötig. Du kannst heute früher nach Hause gehen. Du bist den ersten Tag zurück, und ich weiß, dass dein Cheren sehr unglücklich darüber wäre, würde ich dich so lange hierbehalten.« Mia nickte überrascht. »Okay, wenn du dir sicher bist …« Normalerweise mochte Saret es nicht, wenn seine Praktikanten nicht den ganzen Tag dablieben. Er hatte sich darüber sogar mit Korum gestritten, als Mia das Praktikum angefangen hatte. Und jetzt sah es so aus, als wolle er wirklich, dass sie für heute Schluss machte … Aber sie würde keinen weiteren Protest einlegen, da sie sowieso vorgehabt hatte, in einer Stunde nach Hause zu gehen. »Ich bin mir sicher.« Saret lächelte sie an. Irgendetwas an diesem Lächeln beunruhigte sie, aber sie konnte nicht genau sagen, was es war. »Na dann, danke schön. Bis morgen«, sagte Mia und ging an ihm vorbei. Während sie das tat, hätte sie schwören können, dass er sich näher zu ihr beugte und einatmete – fast so, als würde er ihren Duft aufnehmen. Sie sagte sich, sie habe sich das nur eingebildet, verließ das Labor und betrat die kleine Gondel, die neben dem Gebäude stand. Korum hatte sie für sie konstruiert, damit Mia sich damit in Lenkarda fortbewegen konnte. Wie das Computerarmband, welches er ihr gegeben hatte, war sie darauf programmiert, auf ihre Sprachkommandos zu reagieren. Mia, die nach dem vollen Arbeitstag erschöpft war, setzte sich auf einen der intelligenten Sitze und wies das Schiff an, sie nach Hause zu bringen.
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