Alles war weg.
Clara hatte nichts mehr, außer den feuchten Kleidern am Leib und die kleine schwarze Umhängetasche, in der sich ihre Existenz nur noch auf einer mickrigen Plastikkarte und einem lästigen Mobilgerät nachweisen ließ. Und genau damit stand sie nun in Rowans riesiger Penthouse Wohnung.
Mit verschränkten Armen lief sie ehrfürchtig ein paar Meter hinein. Der Ausblick war atemberaubend. Durch meterhohe Fenster breitete sich vor ihr die Skyline von Chicago aus. Ein Feuer knisterte im länglichen Kamin aus Marmor und der viele Freiraum ließ erahnen das Rowan sich diesen Luxus ohne Probleme leisten konnte. Auch wenn er einen recht spärlichen Einrichtungsstil bevorzugte.
Er nahm ihr Mantel und Tasche ab. Dann trat er vor sie und fing an ihre Bluse aufzuknöpfen. „Non“, japste Clara und hielt ihn mit zittrigen Fingern auf. Rowan legte spitzbübisch den Kopf schief und machte dann einfach an ihrer Hose weiter.
„Rowan, hör auf... Es ist zu viel pas-“ Einmal mehr brachte er sie mit seinen Lippen zum Schweigen, ohne dafür Worte zu benutzen. Ihr ganzer Körper prickelte freudig auf, während ihr Kopf wild mit der roten Flagge wedelte!
Wann würden sich die beiden eigentlich je einig sein?
Rowan schob Clara an der offenen Küche vorbei durch die nächstgelegene Tür. Kläglich versuchte sie seine schnellen Finger aufzuhalten und blieb letztlich an seinem Hemdkragen hängen, nur um sich daran festzuhalten.
Rowan war überaus leidenschaftlich bei der Sache. Er streifte ihr die Bluse von den Schultern, küsste sich ihren Hals hinunter und schob ihren BH-Träger beiseite. Dann verschwanden seine Hände in ihrem Hosenbund und zogen sie in einem Ruck nach unten.
„Rowan, bitte...“, flüsterte Clara atemlos, bevor sie sich selbst dabei erwischte, wie sie ihn kräftig zu ihrem hungrigen Mund zog. Er lachte dunkel und kam ihrer Aufforderung nur zu gern nach. Ihr BH-Verschluss öffnete sich. Es wurde spürbar wärmer um Clara herum und sie sah nichts außer den eisblauen Augen, von denen sie wusste, dass sie sie längst ausgezogen hatten.
Ein freches Grinsen legte sich über Rowans geröteten Mund. „Schaffst du es nun vollends allein... oder brauchst du mich hier noch?“, wisperte er amüsiert an ihrem Ohr. Clara hatte keine Ahnung, von was er sprach. Bis sie bemerkte das sie beide im Badezimmer standen. Verärgert schnaubte sie auf und schob ihn mit hochrotem Gesicht und der flachen Hand hinaus. Dann sperrte sie die Tür ab.
Und lächelte.
Die warme Dusche bewirkte Wunder! Ihre Gliedmaßen entspannten sich und als sie fertig war, stand sie allein in der riesigen Wohnung. Nur ein kleiner handgeschriebener Zettel lag auf der gigantischen Kücheninsel.
Ruh dich aus. Morgen früh bin ich zurück. Rowan
Rowan kam völlig übermüdet kurz vor Sonnenaufgang nach Hause zurück. Bevor er sich noch ein zwei Stunden Schlaf gönnte, stellte er sich unter die Dusche und schaute anschließend nach Clara. Sie musste bestimmt noch schlafen. Als er sie im kleinen Schlafzimmer vorfand, gluckste er leise auf.
Sie hatte sich aus seinem Schrank bedient. Wobei sie ihm nackt in seinem Bett auch gefallen hätte. Uneinig mit sich selbst, ob er zu ihr unter die Decke schlüpfen sollte oder selbst Schlaf finden, blieb er noch eine ganze Minute stehen und beobachtete sie.
Clara war eine Schönheit und eine gefährliche dazu. Er war gespannt, wie streng sie ihre eigenen Regeln wirklich nahm. Vor ein paar Stunden schien sie diese weit nach hinten geschoben zu haben und er hätte weiter gemacht, wenn er nicht gesehen hätte, wie unterkühlt und ermattet sie war. Genau wie er jetzt.
Rowan schloss die Tür und ließ sich letztlich in sein eigenes Bett fallen.
Der Handy Wecker klingelt pünktlich um sieben Uhr und Clara erwachte aus einer weißen kuscheligen Wolke. Die Betten bei Rowan waren fantastisch und trugen bereits nach wenigen Minuten die tragischen Ereignisse vom Vorabend hinfort. Sie stand auf und zog sich an.
In der Küche hoffte sie Rowan anzutreffen, doch er war nicht da. Überhaupt war niemand in diesem gigantischen Penthouse zugegen. Sie flanierte neugierig umher und entdeckte ihn letztlich in seinem Schlafzimmer. Quer lag er über dem Bett und schlief.
Clara lächelte. Wie friedlich er da liegt... der Fürst der Unterwelt.
Träumerisch schmunzelnd, lehnte sie ihren Kopf an den Türrahmen. Er sah süß aus und Clara war kurz dazu geneigt zu ihm ins Bett zu springen und sich anzukuscheln. Dann entdeckte sie im Augenwinkel, wie über seiner Nachttischlampe, ihr Spitzen BH von ihrem ersten Rendezvous hing. Röte stieg ihr die Wangen empor.
...Gib mir die beiden versprochenen Chancen, Clara… Sonst kann ich für nichts mehr garantieren...
Chancen und Garantien.
Clara wusste aus eigener Erfahrung das sich mit jeder geschlossenen Tür ein Fenster öffnete. Auch wenn diese Lichtblicke mit jedem Mal kleiner wurde. Und dennoch konnte man nie mit Gewissheit sagen das dies nicht das perfekte Türchen zum Glück bedeuten könnte. Es war immerzu ein Risiko.
Vielleicht sollte ich das Wagnis einfach eingehen. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes, nichts mehr zu verlieren…
Leise schloss sie die Tür und verschwand.
Das Treffen mit der Polizei und der Anruf bei der Versicherung waren notwendig gewesen. Genauso wie Clara Misses Bradfords Beerdigung in die Wege leitete. Immerhin war die Frau ganz allein gewesen. Keine Kinder oder gar Verwandte waren übrig. Das Haus selbst war nahezu in sich zusammengefallen. Es würde keinen Sinn ergeben, nach irgendetwas zu suchen, was das Feuer vielleicht verschont hätte.
Es war gerade einmal elf Uhr, als Clara sich aus dem Drogeriemarkt das notwendigste gekauft hatte und in einer nahen Boutique ein kleines Vermögen für neue Kleider liegen ließ. An der Kasse summte ihr Handy auf.
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Bitte sag mir, das du Frühstück mitbringst und nicht nach Detroit abgehauen bist...
Clara: Dort gibt es aber die besten Muffins!
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Sei nicht so grausam...
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Ich sehe keinen Grund, meinen Macht Radius nicht zu vergrößern, wenn es um dich geht.
Clara: Dann entscheide dich. Entweder für Eier🐣 oder Crêpe🥞 Tout suit!
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Beides. Ich bin hungrig.
Clara: Oh, glaube ja nicht das ich einen auf Küchenmädchen mache!
RICHTIG BLÖDER IDIOT: Ich habe nichts gegen ein paar Rollenspiele... aber du wärst erstaunt, wie gut ich kochen kann!
Okay, das kleine hin und her im Text Messenger, war wirklich süß und auf Claras Gesicht leuchtete ein verliebtes Lächeln auf. Dieser Charmeur... Dann bin ich mal auf deine Kochkünste gespannt!
Voll bepackt nahm sie sich ein Taxi und fuhr zurück zu Rowans Penthouse. Unterwegs gab er ihr den Code um hereinzukommen. Und fünf Minuten später machte sie die Tür auf.
Entspannt schlenderte Rowan barfuß und mit den Händen in den Hosentaschen um die Ecke und auf sie zu. Gekleidet in Hoodie und bequemen Hosen. Überrascht schaute er sie an. „Eigentlich wollte ich dich erst in einer Woche fragen, ob du einziehen willst, aber wir können das gerne abkürzen, Ma Poulette.“
Es funkelte verspielt in seinen Augen und Clara drückte ihm die Tasche mit dem Essen an die Brust. „Dann mache ich es von deinen Kochkünsten abhängig, ob ich noch ein paar Nächte hier bleibe, oder mir gleich ein Hotelzimmer nehme“, meinte sie unbekümmert und grinste ihn dann breit an.
„Streng dich an, Boss!“