Der Morgen des Himmelfahrtstags brach mit einem Himmel an, der so klar war, dass es wie eine Verhöhnung wirkte. Die Sonne tauchte das Anwesen Blood Moon in goldenes Licht und überzog die Mauern, die mich noch vor wenigen Monaten als Dienerin gefangen gehalten hatten, mit einem goldenen Schimmer. Aber im Gästeflügel blieb die Luft so kalt wie in einer Gruft. Ich stand vor einem raumhohen Spiegel und beobachtete Silas' Hände, wie er den schweren silbernen Mantel über meinen Schultern zurechtzupfte. Heute trug ich kein „Schattenseide“. Ich war in zeremonielles Weiß gekleidet – ein Kleid aus dickem, strukturiertem Samt, das mich weniger wie einen Gast, sondern eher wie eine Erscheinung aussehen ließ. „Du siehst aus wie der Mond in Fleisch und Blut“, murmelte Silas, während sein Blick meinen

