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Kreon Reykill war nicht gut drauf. Eigentlich war er sogar richtig schlecht gelaunt, als sein älterer Bruder ihn am Arm packte und zum Transportraum schob, der sich in einem der Flügel des Palasts befand. Das war wirklich der letzte Ort, wo er hinwollte.
Er hasste weinerliche Frauen. Er hasste jammernde, heulende, klammernde, schwache Frauen. Eine robuste Sarafinin oder Kurizanerin? Jederzeit gerne. Natürlich gab es da durchaus die eine oder andere Valdiererin, die er interessant fand, aber bei Sarafininnen oder Kurizanerinnen bestand wenigstens nicht die Gefahr, dass er den Frauen, mit denen er im Bett gewesen war, noch einmal über den Weg lief, es sei denn er wollte es so. Die valdierischen Frauen hingegen erhofften sich alle etwas von ihm, nämlich eine hohe Position, ein angenehmes Leben im Palast, und dass er sie von vorne bis hinten bediente.
Clarmisa war ein perfektes Beispiel für alles, was er an schwachen Frauen hasste. Er hatte schließlich den Planeten verlassen müssen, noch bevor sie zu ihrem Clan zurückgekehrt war. Sie hatte ihn mit ihrem Gejammer wahnsinnig gemacht: Das Essen wäre zu kalt, die Zimmer zu klein, die Bediensteten zu unfreundlich. Dann hatte sie zu klammern begonnen. Er musste ständig ihre Hand halten, wenn sie irgendwo hingingen, weil sie sonst zu schwach war oder sie Angst vor den Schatten auf den Fluren hatte. Er wusste nicht, warum sie es gerade auf ihn abgesehen hatte. Als sie sich eines Nachts in seinen Wohnbereich geschlichen hatte, hatte es ihm endgültig gereicht. Sie war in Tränen ausgebrochen, nachdem er ihr gesagt hatte, dass sie seinen Wohnbereich verlassen sollte. Sie hatte verdammtes Glück gehabt, dass sein Symbiont sie nicht getötet hatte. Seine Abneigung ihr gegenüber war wahrscheinlich das Einzige, was sie gerettet hatte.
Kreon spürte, wie sein Drachen bei dem Gedanken, die schöne, aber innerlich leere valdierische Prinzessin zu berühren, erschauderte. Seine Haut kribbelte unangenehm, als er daran dachte, wie sie seine Brust mit ihren weichen Fingern berührt hatte. Er hatte eine lange heiße Dusche genommen, bevor er seine Taschen gepackt hatte, um zum sarafinischen Sternsystem aufzubrechen. Er war erst vor ein paar Tagen wieder zurückgekommen. Er hatte nach Informationen über die Entführung seines ältesten Bruders Zoran gesucht. Er wusste, dass die Kurizaner nicht dahintersteckten. Ha’ven, der kurizanische Anführer, war sein bester Freund.
Einer seiner Informanten hatte erwähnt, dass womöglich Vox, der Anführer der Sarafinen, etwas wusste. Kreon war mit dem großen Katzenwandler befreundet. Es war eine gerissene Spezies, die wild und listig war. Er hatte den Mistkerl in einer Schlacht während der Großen Kriege gerettet. Als Vox dabei gewesen war, sich zu erholen, hatten Kreon und er sich unterhalten. Sie hatten herausgefunden, dass mehr hinter den Kriegen steckte, als ihnen glauben gemacht worden war. Bestimmte Gruppierungen innerhalb ihrer Regierungen hatten sie mit falschen Informationen gefüttert. Es entwickelte sich eine Freundschaft und sie hatten versteckt mit Ha’ven zusammengearbeitet, um die Verschwörung aufzudecken und so ihre jeweilige Regierung zu stürzen.
„Ich verstehe immer noch nicht, warum ich dort sein muss“, flüsterte Kreon Mandra zu, während er neben ihm herlief. „Ist es nicht schon schlimm genug, dass sich Clarmisa in mein Bett geschlichen hat? Warum muss ich mich um diese schwache Spezies kümmern, die Zoran mitgebracht hat? Du kannst das doch bestimmt übernehmen?“, stöhnte er.
Mandra sah seinen jüngsten Bruder an. „Du bist mir etwas schuldig! Nachdem du abgehauen bist, musste ich mich mit ihr und ihrem Vater herumschlagen. Er wollte, dass du sie als deine Gefährtin beanspruchst. Ich musste schließlich damit drohen, ihn herauszufordern, wenn er nicht verdammt nochmal zu seinem Clan zurückgeht“, knurrte er zurück. „Ich kann eine weinerliche, jammernde Frau ertragen, aber nicht zwei. Trelon hat gesagt, dass er Hilfe mit den zwei Schwestern braucht. Wir haben gestern darüber gesprochen, wie schwach und zerbrechlich sie sind. Sobald wir sie ein bisschen beruhigt haben, sollen sich Mutter und die Heiler um sie kümmern.“
Kreon stöhnte leise. Er hasste solche Situationen. Ihm waren ein guter Kampf, verdeckte Ermittlungen und sogar ein Mordanschlag auf ihn lieber. Alles, nur keine bedürftige Frau. Seufzend folgte er Mandra in den Transportraum. Er blieb stehen und blickte sich um, in der Hoffnung, die Frauen wären bereits angekommen und er hätte sie durch irgendein Wunder verpasst.
Er ging zu einer kleinen Gruppe von Kriegern, die er von dem Kriegsschiff seines Bruders Kelan kannte. Sie mussten schon früher gelandet sein. Er war überrascht, dass sie immer noch hier waren. Normalerweise verschwanden die Krieger, sobald sie gelandet waren, um sich mit einer oder auch zwei willigen Frauen zu vergnügen.
„Willkommen zuhause“, sagte Kreon. „Ich bin überrascht, dass ihr noch hier seid. Ich dachte, ihr wärt schon in eins der Freudenhäuser gestürmt“, witzelte er und klopfte Jurden auf die Schulter.
Keiner schaffte es besser als Kreon, dafür zu sorgen, dass sein Gesprächspartner sich wohl fühlte. So war es einfach, ihm alles an Informationen zu entlocken. Trelon war ziemlich schweigsam gewesen, als sie mit ihm gesprochen hatten, aber Kreon hatte gerne so viele Informationen wie möglich. Wenn die Frauen dringend einen Heiler brauchten, wollte er, dass gleich einer zur Stelle war, damit er sich so schnell wie möglich um sie kümmern konnte.
Jurden grinste Kreon an. „Schön, wieder hier zu sein, Lord Kreon. Wir warten darauf, dass die Frauen heruntergebeamt werden. Ich hoffe immer noch, dass es mir gelingt, mir die Kurzhaarige zu sichern. Sie ist unglaublich!“
Kreon runzelte die Stirn. Warum wollte ein starker Krieger wie Jurden eine schwache Alienfrau? Er hörte zu, wie die Männer Witze darüber machten, wer von ihnen stark genug war, um das Herz der Alienfrau zu erobern. Sie lachten Tammit aus, der immer noch von seiner Begegnung mit ihr schwärmte.
Von was im Namen der Götter reden die da?, fragte Kreon sich kopfschüttelnd. Er sah Mandra an und zuckte ratlos die Achseln. Bestimmt sprachen sie über jemand anderen.
Sie konnten unmöglich über die Frauen von dem Planeten sprechen, auf dem sein Bruder gelandet war. Er hatte Zorans Gefährtin gesehen und sogar mit ihr gesprochen. Sie war genauso zart und zerbrechlich wie die Blumen seiner Mutter. Sie sah aus, als könnte sie eine leichte Brise umwehen.
Als Kreon sich gerade umdrehte, um etwas zu Mandra zu sagen, tauchten sein Bruder Trelon und drei Frauen auf der Transport-Plattform auf. Kreon blickte enttäuscht drein, als die drei kleinen Gestalten neben Trelon auftauchten. Die, die ihm am nächsten stand, sah aus wie ein Kind. Die anderen beiden Frauen hatten die gleiche Haarfarbe, doch das war auch schon alles, was sie auf den ersten Blick gemeinsam hatten. Überrascht zuckte er zusammen, als Trelon ihm und Mandra zubellte, dass sie sich die Frauen schnappen sollten. Trelon hatte sich die kleinste über die Schulter geworfen und rannte nun zur Tür. Kreon drehte sich gerade noch rechtzeitig um, so dass er sehen konnte, wie die Frau mit dem langen weißen Haar seinem Bruder mit ihrem Stiefel ins Gesicht trat.
Kreon drehte sich um, um die Frau mit dem kurzen Haar zu packen. Die warnenden Schreie von den Männern hinter ihm kamen zu spät. Als er nach dem Arm der Frau greifen wollte, spürte er, wie sein Körper den Boden verließ und kurz in der Luft war. Nur sein jahrelanges Training bewahrte ihn davor, auf dem Rücken zu landen. Er drehte sich in letzter Sekunde herum und landete knurrend auf seinen Füßen.
Die schlanke Gestalt drehte sich zu ihm um und schlug nach seinem Hals. Kreon wich dem Schlag aus, der ihm den Atem genommen hätte, wenn sie ihn getroffen hätte. Er spürte, wie sein Drache aufbrüllte und gegen seine Haut drückte, um an die Oberfläche zu kommen. Schwarze Schuppen, so dunkel wie der Nachthimmel, erschienen auf seinen Armen und an seinem Hals, während er um Kontrolle rang.
Was zur Hölle ist mit dir los?, rief er, während er unter einem weiteren Schlag durchtauchte, der ihn außer Gefecht setzen sollte. Er wirbelte herum und umkreiste die Gestalt.
Gefährtin!, keuchte sein Drache. Meine Gefährtin! Ich meine Gefährtin fangen.
Gefährtin?, fragte Kreon verwirrt, als er spürte, wie ihn ein Stiefel in seine Magengegend traf. Du glaubst, dass diese Dämonin, die versucht uns zu töten, unsere Gefährtin ist?, röchelte er, während er nach Luft rang, als ihn ihr nächster Tritt in die Leiste traf.
Kreon wehrte einen Schlag nach dem anderen ab und versuchte, sowohl nicht getroffen zu werden als auch seinen Drachen unter Kontrolle zu bekommen. Das verdammte Ding wollte einfach nicht auf ihn hören und versuchte herauszukommen und sich die Frau zu schnappen, die mit blitzschnellen Bewegungen auf ihn losging. Schließlich hatte er genug und stieß ein lautes, frustriertes Brüllen aus, als er es endlich schaffte, seine Arme um ihren schlanken Körper zu schlingen.
Er hatte Angst, dass er sie zu sehr festhielt und ihr wehtun könnte. Das war sein erster Fehler. Sie nutzte die Nähe aus, um noch mehr Schaden anzurichten. Er spürte, wie ihr Kopf so kräftig gegen sein linkes Auge schlug, dass es zu tränen begann. Der zweite Fehler war, zu denken, dass sie ihn nicht nochmal mit ihrem Kopf verletzen konnte, wenn er ihn näher zu sich heranzog. Er schrie auf, als sie mit ihren kleinen Zähnen so kräftig in sein Ohr biss, dass er seinen Griff lockerte. Das war sein dritter Fehler. Denn ihr Knie fand den Weg zu seiner Leiste und traf ihn danach auf dem Mund.
Kreon sah Sterne, als er die brodelnde weißhaarige Wilde losließ. Er taumelte mehrere Schritte nach hinten, während er nach Luft rang und sich mit beiden Händen auf seinen Knien abstützte, um nicht auf seinem Hintern zu landen. Er spuckte das Blut aus, das aus seiner aufgesprungenen Lippe tropfte und atmete tief durch, um die Schmerzen zu unterdrücken.
Los! Warum wartest du? Gefährtin läuft weg. Jag sie! Jag sie! Sein Drache sprang in ihm herum.
Sie jagen? Ich werde sie erwürgen! Ich weiß nur nicht, ob ich es mache, bevor oder nachdem ich Trelon getötet habe, knurrte Kreon, der sich schmerzerfüllt aufrichtete.
Er starrte die Männer an, die versuchten, ihr Lachen zu verbergen. „Ich glaube, ihr müsst mir erklären, wo bei allen Dracheneiern, meine Brüder diese Frauen herhaben und wer so dumm war, zu denken, sie wären schwach!“, knurrte Kreon, der sich das Blut von seinem Mund wischte und zusammenzuckte, als erst sein Auge und dann sein Ohr schmerzten.
„Diese kleine Wilde hätte mich fast kastriert!“, knurrte Kreon, als die Männer in Lachen ausbrachen. „Ganz zu schweigen davon, dass sie mir fast das Ohr abgebissen hätte.“
Jurden grinste. „Jetzt wisst Ihr, warum wir gewartet haben. Sind sie nicht umwerfend?“
Kreons Ohr schmerzte erneut und er verzog das Gesicht, als er das Blut an seinen Fingern sah. „Einfach verdammt umwerfend“, erwiderte er sarkastisch. Knurrend drehte er den Männern den Rücken zu. „Und halt verdammt nochmal die Klappe! Das ist gerade keine große Hilfe.“
„Mylord?“, fragte Jurden verwirrt.
Kreon warf den Männern einen schmerzerfüllten Blick zu, die ihn anstarrten, als hätte er nicht nur einen Kampf, sondern auch seinen Verstand verloren. „Nicht ihr.“ Er schnitt eine Grimasse und ging zur Tür. „Mein dummer Drache glaubt, dass die Dämonin seine Gefährtin ist“, grummelte er, während sich die Türen hinter ihm schlossen.