Kapitel 3-1

619 Worte
3 Morian stand in der Dunkelheit und presste ihre Fäuste fest gegen ihre Lippen. Es brach ihr das Herz, die zarte Menschenfrau so zu sehen. Sie hatte es von dem Moment an gewusst, als das junge Mädchen ihren Zufluchtsort betreten hatte. Die Pflanzen reagierten unterschiedlich auf die Veränderungen in ihrer Umgebung. Das hier war ihr Rückzugsort, wenn sie die Einsamkeit und der Schmerz überkamen. Die Arbeit mit den Pflanzen und der Erde vermittelte ihr ein Gefühl von Frieden, wenn sie es brauchte. Sie vermisste ihren Gefährten. Er war zwar nicht ihr wahrer Gefährte gewesen, doch sie hatte ihn geliebt und betrauerte seinen Tod immer noch. Erst hatte sie darüber nachgedacht, ihm in den Tod zu folgen, da sich das für die wahren Gefährten in ihrer Welt so gehörte, doch irgendetwas hatte ihr gesagt, dass ihre Zeit noch nicht gekommen war. Als ihr ältester Sohn Zoran entführt worden war, hatte sie erst befürchtet, sie müsste auch noch den Verlust eines ihrer Kinder erleben. Stattdessen hatte sich seine Entführung jedoch als Segen der Götter und Göttinnen herausgestellt. Er hatte seine wahre Gefährtin in einer Frau aus einer anderen Welt gefunden, wo er Zuflucht gesucht hatte. Außerdem schien Zorans kleiner Ausflug alle ihre Söhne mit ihren wahren Gefährtinnen gesegnet zu haben, wenn sie Kreons Symbionten Glauben schenken konnte. Sie hatte von dem kleinen Büro im oberen Stockwerk des Atriums aus beobachtet, wie Mandras Symbiont mit der Frau mit dem langen weißen Haar gespielt hatte. Sie hatte gerade überlegt, ob sie es verlassen sollte, um sie zu begrüßen, als der Symbiont aufgetaucht war. Selbst von weitem hatte sie instinktiv gewusst, dass die Frau allein sein wollte. Morian hatte ihr diesen Freiraum gegeben, auch wenn sie neugierig auf die schönen, zarten Kreaturen war, die die Herzen ihrer Söhne erobert hatten. Sie hatte sich über einen der vielen Pfade nach unten geschlichen und war ihr gefolgt. Die leisen Worte der Frau hatten Morian berührt. Sie versuchte, nach außen hin so stark zu wirken, doch in ihrem Inneren war sie zutiefst verletzt. Morian wartete ab, um zu sehen, was Kreons Symbiont machte. Wenn diese Frau die wahre Gefährtin ihres Sohnes war, würde er alles tun, was in seiner Macht stand, um ihr zu helfen. Morian biss sich auf die Lippe, als der goldene Symbiont einen leisen gequälten Laut von sich gab, als er den Schmerz der Frau spürte. Seine schimmernden Farben änderten sich rasch, was seine Qualen deutlich machte. Die Frau keuchte, als der Ton immer lauter wurde, bis er schließlich durch den riesigen Raum hallte. Die goldene Gestalt, die sie umkreiste, verwandelte sich erneut. Diesmal in eine große Kreatur mit langen Schlappohren. Es war eine ungewöhnliche Form für einen Symbionten. Morian hatte sie noch nie gesehen, doch die Frau musste sie erkannt haben. Morian sah zu, wie die schlanke Frau auf ihre Knie fiel und ihre Arme um den Symbionten schlang. Leise flüsternd umklammerte sie ihn. „Tut mir leid“, ertönte Carmens leise Stimme beruhigend. „Es tut mir so leid. Ist schon in Ordnung. Ich hätte das nicht von dir verlangen sollen. Es ist nur, manchmal…“ Sie brach ab, bevor sie erneut ansetzte. „Manchmal ist der Schmerz einfach zu stark. Doch schon bald wird alles gut. Sobald ich wieder zuhause bin, wird alles gut“, fügte sie mit einem entschlossenen Lächeln hinzu. Morian wich zurück, als sie eine weitere Veränderung im Atrium spürte. Während sie zusah, wie die junge Frau den Symbionten ihres Sohnes beruhigte, bekam sie plötzlich Angst um sie. Irgendetwas sagte ihr, dass es nicht gut für die Frau wäre, wenn sie in ihre Welt zurückkehrte. Morian wandte sich um und hielt ihren neuen Besucher auf. Sie musste ihn warnen, dass nichts so war, wie es schien.
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