Kapitel 8

1882 Worte
HUNTER Meine Hände zitterten, als ich den Bilderrahmen mit meinen Fingern zerdrückte. Es dauerte eine Weile, bis ich mich von dem Schock erholte, was ich gerade getan hatte. Ich versuchte mich zu bewegen, aber es ging nicht. Ich starrte auf meine Hände, als wären sie nicht meine. Das Bild von Maggie starrte mir direkt ins Gesicht. Ihr strahlendes Lächeln war auf mich gerichtet, aber der Blick in ihren Augen ließ mich schuldig fühlen. Es fühlte sich an, als würde sie von oben herabsehen und sehen, dass ich bereit war, sie durch eine andere zu ersetzen. Mein Verstand schaltete sich bei diesen verhassten Worten völlig ab. Ersetzen. Verdammt! Was dachte ich nur? Ich dachte nicht ... das war es. In dem Moment, als Isabella begann, sich gegen mich zu bewegen, hatte ich die Kontrolle verloren. Alles an ihr zog mich an und fesselte mich vollkommen. Als ich sie dort auf dem Bett liegen sah, errötet und wunderschön, war mein einziger Gedanke, sie zu küssen und sie mein zu machen. Ich wollte sie so sehr markieren, dass es wehtat. Ich war so nah dran. Ein kleiner blauer Fleck an ihrem Hals war der Beweis. Eine Erinnerung daran, dass ich fast an sie gebunden wäre, ohne einen einzigen Gedanken an Maggie zu verschwenden. Oh Gott, Maggie. Was tat ich nur? Maggie war die einzige Frau für mich, die einzige Frau, die ich mir jemals erlauben würde, zu haben. Ich musste meinen Kopf freibekommen, bevor ich etwas tat, das ich nicht rückgängig machen konnte. Isabella war still. Ich hatte keine Ahnung, was sie dachte, und ich hatte nicht die Kraft, sie zu fragen. Ich war enttäuscht und wütend auf mich selbst. Alles, wofür ich stand, alles, wofür ich so hart gearbeitet hatte, fast alles zerstört wegen einer einzigen Frau. Ich musste hier raus. Isabellas süßer, weiblicher Duft war überall um mich, und er half nichts gegen das starke Verlangen, sie zu beanspruchen. Was war es an Isabella Cross, das es mir so leicht machte, den Schmerz zu vergessen und weiterzumachen? Ich wusste die Antwort auf diese Frage nicht. Was ich jedoch wusste, war, dass ich es nicht mehr zulassen konnte, dass diese Gefühle mich weiter ergriffen. Ohne einen weiteren Gedanken stürmte ich aus dem Raum. Ich stürmte in das Arbeitszimmer und schenkte mir ein Getränk ein. Ich musste sie vergessen, vergessen, wie sie mich fühlen ließ. Ich musste etwas tun, um wieder zur Normalität zurückzukehren. Diese Gefühle waren gefährlich, ich musste sie von mir fernhalten. Ich hielt mir den Kopf und atmete tief aus. Isabellas Geschmack war immer noch in meinem Mund, und ich schauderte bei der Erinnerung an alles. Ich starrte auf das Getränk in meiner Hand und konnte keinen Schluck nehmen. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich mich zuletzt so verwirrt und zerrissen gefühlt hatte. Das war der genaue Grund, warum ich nie Isabella heiraten wollte. Vom Moment an, als ich sie traf, wusste ich, dass sie mein Leben auf den Kopf stellen würde. Es stellte sich heraus, dass ich vollkommen richtig lag. Als ich Maggie verloren hatte, gab ich mir selbst ein Versprechen. Ich würde nie wieder eine andere Frau lieben. Ich gab mir dieses Versprechen aus zwei Gründen. Der erste war, dass ich niemanden wollte, der sie ersetzte, ich wollte mich selbst bestrafen, weil ich sie verloren hatte. Ich hätte an diesem Tag bei ihr sein sollen. Ich hätte sie beschützen sollen. Ich war zu spät gekommen, ihr Leben war bereits aus ihrem Körper gewichen, als ich ankam. Sie war schon fort. Der zweite Grund war, dass ich nie wieder solchen Schmerz erleben wollte. Ich war so leicht in Maggie verliebt und hatte sie genauso leicht verloren. Jetzt verführte Isabella mich dazu, dieses Versprechen zu brechen. Es kostete mich all meine Selbstbeherrschung, der Versuchung nicht nachzugeben. Wenn ich dieses Bild heute Abend nicht gesehen hätte, dann wäre nicht vorherzusagen, was in diesem Moment passiert wäre. Ich schüttelte den Kopf und versuchte, ihr Bild aus meinem Kopf zu vertreiben. Es war noch nicht einmal ein ganzer Tag vergangen, dass wir allein in meinem Haus waren, und ich verlor bereits den Verstand. Ich spürte eine Präsenz hinter mir und drehte mich nicht um. Es war nicht wichtig, solange es nicht Isabella war. „Hunter“, flüsterte Alice, als sie sich mir näherte. Mein Körper spannte sich an, als ihre Hände meine Brust fanden. Ohne zweimal nachzudenken, packte ich ihre Hand und zog sie von meinem Körper weg. Ich drehte mich zu ihr um. Sie trug ein schwarzes Crop-Top und Shorts. Es gab keinen Zweifel in meinem Kopf, dass sie hier war, um mich zu verführen. Als ich Isabella zurückgebracht hatte, hatte ich alles so schnell erledigt, dass Alice völlig aus meinem Kopf verschwunden war. Damals hatte ich nicht viel darüber nachgedacht, aber jetzt wusste ich, dass es mit Isabella in meinem Bett und in meinem Kopf keine Möglichkeit gab, eine andere Frau ins Bett zu bekommen. Ich konnte Alice nicht einmal ansehen. Allein der Blick auf eine andere Person ließ mich übel werden. Das Getränk war immer noch in meiner Hand, völlig unberührt, genauso wie Alice es heute Nacht bleiben würde. „Was ist los?“, fragte sie, ihre Stimme tief vor Besorgnis. „Nichts.“ „Es sieht nicht nach nichts aus“, flüsterte sie. „Ich weiß, dass der Abend für dich sehr schwierig gewesen sein muss. Ich habe von jemandem gehört, dass etwas beim Abendessen passiert ist. Ich möchte es nicht ansprechen. Aber ich will, dass du weißt, dass ich hier bin, um dir zu helfen, wie ich es immer war. Lass mich mich um dich kümmern, Hunter.“ Sie streckte sich wieder nach mir aus, und ich ergriff ihre Hände, bevor sie mich erreichen konnte. „Wir müssen reden, Alice... das hier funktioniert nicht mehr.“ Ihre Augen weiteten sich, und sie starrte mich völlig fassungslos an. „Was meinst du mit dem funktioniert nicht mehr?“, fragte sie. „Was genau beziehst du dich darauf?“ Ich seufzte und nahm schließlich einen Schluck aus dem Getränk. „Ich will keine Geliebte mehr. Ich brauche keine.“ Sie keuchte und hielt sich die Brust, als wäre es das Ende der Welt. „Du kannst nicht ernsthaft sein. Es sind Jahre, Hunter, du kennst mich seit Jahren. Ich habe das alles für dich gemacht. Warum weigerst du dich jetzt?“ Ich starrte sie an. „Meine Entscheidung steht fest. Aber wegen allem, was du in der Vergangenheit getan hast und wie gut du dich hier im Haus auskennst, verlange ich nicht, dass du gehst. Ich brauche jemanden, der Veranstaltungen plant und die restlichen Bediensteten beaufsichtigt. Du hast das schon vorher gemacht und du hast die Erfahrung, nach der ich suche.“ Sie starrte mich an. „Ich kann das nicht glauben. Du hast mir nie zuvor abgesagt. Was hat sich genau verändert?“, verlangte sie. Isabella. Ich runzelte die Stirn. Ich musste nicht einmal darüber nachdenken. Mein Körper und mein Geist waren im Einklang, wenn es um sie ging. ISABELLA Ich konnte nicht schlafen. Hunter hatte den Raum verlassen, als hing sein Leben davon ab. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich machte mir Sorgen um ihn. Obwohl ich eifersüchtig auf die Verbindung war, die er zu seiner verstorbenen Frau hatte, konnte ich nicht leugnen, dass die Frau jetzt tot war und Hunter nun die Scherben aufsammeln musste. Es war offensichtlich, dass er zu kämpfen hatte. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie es sich anfühlte, seinen Lebenspartner zu verlieren. Aber ich konnte mir nur den Schmerz vorstellen, der damit einherging. Seufzend erhob ich mich vom Bett und wickelte den Bademantel fest um meinen Körper. Vielleicht wäre es eine gute Idee, nach ihm zu sehen. Ich war mir nicht sicher, wo er hingegangen war, aber wenn ich genau genug suchte, sollte ich ihn finden können. Ich schauderte, als meine Füße den kalten Boden berührten, und zog den Bademantel noch fester um mich. Glücklicherweise fand ich eine Magd, die das Durcheinander aufräumte, das die Gäste, die Hunter eingeladen hatte, hinterlassen hatten. Sie neigte sofort ihren Kopf, als sie mich sah. „Könnten Sie mir bitte sagen, wo ich Hunter finden kann?“ Ihre Augen weiteten sich. „Ist er nicht bei Ihnen, gnädige Frau?“ Ich schüttelte den Kopf. „Er war es ... aber er ist irgendwie in Eile gegangen, und ich weiß nicht, wo ich nach ihm suchen soll.“ „Oh.“ Sie flüsterte, tief in Gedanken. „Ich denke, es wäre eine gute Idee, ihn in seinem Arbeitszimmer zu suchen. Er geht dort oft hin.“ Ich lächelte. „Vielen Dank.“ Das junge Mädchen errötete und nickte. „Es war mir eine Freude.“ Ich folgte ihren Anweisungen und fand die Tür, von der sie gesprochen hatte. Sie war bereits einen Spalt weit geöffnet, was mich glauben ließ, dass er tatsächlich dort war. Ich hielt am Türrahmen inne, unsicher, was ich sagen würde, falls ich ihn dort drinnen fände. Ich wusste, dass ich mein Mitgefühl anbieten wollte. Ich könnte fragen, ob er darüber reden wollte. Manchmal war es gut, über die Dinge zu sprechen, die einen quälten. Wenn ich weiter an all diese Dinge dachte, würde ich nie wirklich hineingehen. Ich spähte in den Raum, in der Hoffnung, ihn zu sehen. Alle Gedanken flogen mir aus dem Kopf, als ich das Nächste sah. Alice hatte ihre Arme um Hunter geschlungen, und es sah so aus, als würde auch er sie festhalten. Ich lehnte mich mit meiner Hand über der Brust gegen die Wand. War das der Grund, warum er unser Zimmer so schnell verlassen hatte? Um hierher zu kommen und bei seiner Geliebten zu sein? Wut durchflutete meine Adern. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so wütend über etwas gewesen war. Wie dumm war ich, zu glauben, dass er litt und in Schmerz war? Warum wollte ich überhaupt hierher kommen, um ihn zu trösten? Es schien, als ginge es ihm bestens mit seiner verdammten Geliebten. Ich zuckte zusammen, als die Tür ins Schloss fiel und Alice hinausging. Ihre Augen fanden mich, und ein spöttisches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ich wollte ihr diesen Ausdruck am liebsten aus dem Gesicht schlagen. „Was machst du hier?“, fragte sie. „Das sollte ich dich eigentlich fragen“, schnappte ich zurück. Sie lachte. „Ich sehe, du hast noch das letzte Stück unserer Show gesehen.“ Ich verengte die Augen. „Was zum Teufel soll das heißen?“ Sie richtete sich auf und spielte mit ihren Haaren. „Lass uns einfach sagen, ich konnte deinen Mann befriedigen, als du es nicht konntest.“ Die Wut in mir intensivierte sich bei ihren Worten. „Ich habe dir schon gesagt, Isabella. Du kannst mich nicht ersetzen. Er wird immer zu mir zurücklaufen. Er hat es schon seit dem Tod seiner ersten Frau getan“, verspottete sie. Ich konnte hier nicht bleiben und noch mehr davon hören. Ich hörte Alice hinter mir lachen, während ich zurück ins Zimmer ging. Ich war so wütend, dass ich kaum noch etwas vor mir sehen konnte, die Wut trübte meinen Blick und mein Herz. Wenn Hunter und seine Geliebte dieses gefährliche Spiel spielen wollten, dann konnte ich das auch. Ich würde nicht ruhen, bis ich mich für heute Nacht an Hunter rächte. Nicht ruhen...
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