Lea Ich brauchte etwas Reines. Nach allem – den Enthüllungen über Lukas’ Schwester, der Last der Verschwörungstheorien, der ständigen Anspannung, in einem Haus voller Feinde zu leben – brauchte ich eine Erinnerung daran, dass nicht alles verdorben war. Dass es irgendwo noch Unschuld gab. Also suchte ich Finn auf. Er war in seinem Zimmer im ersten Stock des Herrenhauses, dem hellen Raum, den Petra in Blau- und Grüntönen eingerichtet hatte, voll mit Spielzeug, mit dem er kaum spielte, und Büchern, die er wirklich liebte. Als ich an seine Tür klopfte, hörte ich seine kleine Stimme rufen: „Herein!“, ohne die Misstrauen, die alle anderen in diesem Haus zu befallen schien. „Tante Lea!“ Er sprang von seinem Bett, wo er Bilderbücher angeschaut hatte, und rannte auf mich zu, um mich zu umarmen

