Lea Das formelle Esszimmer hatte sich seit meiner Kindheit nicht verändert. Derselbe Mahagonitisch, an dem zwanzig Personen Platz fanden, der aber für unsere familiären Egos immer zu klein wirkte. Derselbe Kristalllüster, dessen Licht wie gefrorene Tränen streute. Dieselben schweren Vorhänge, die die Münchner Skyline verdeckten und uns in unserer Dysfunktionalität gefangen hielten. Ich nahm meinen üblichen Platz ein, den am weitesten von Papa entfernten, und beobachtete, wie sich meine Familie wie Schauspieler auf ihre Positionen versammelte. Petra kam als Erste herein, elegant in einer cremefarbenen Seidenbluse und Perlenkette, jedes Haar perfekt gestylt. Sie küsste Papas Wange, bevor sie sich an ihren Stuhl am Fußende des Tisches setzte. Thomas kam als Nächster mit Sabine, beide sahen

