Lea Die Beichtkabine wirkte kleiner als zuvor, beklemmender. Der einzelne Stuhl war wie ein Richterthron zur Kamera ausgerichtet. Die Linse war dunkel und starr, ein mechanisches Auge, das jede Mikroexpression, jedes Zittern meiner Stimme, jedes Anzeichen von Schwäche aufzeichnen würde. Die sanfte Beleuchtung sollte eine Illusion von Intimität erzeugen – warme Töne, weiche Schatten –, während sie in Wirklichkeit die perfekten Bedingungen für Überwachung und Ausbeutung schuf. Ich ließ mich auf den Stuhl sinken und blickte in die Linse, wohl wissend, dass alles, was ich in den nächsten Minuten sagte, von Millionen Menschen in ganz Deutschland ausgestrahlt werden würde. Es würde seziert, analysiert und von Fremden beurteilt werden, die glaubten, mich zu kennen, weil sie zusammengeschnitten

