Der Montagmorgen war da, schneller als ich erwartet hatte. Das Wochenende mit meinen Freunden und besonders mit Noah hatte sich wie ein Traum angefühlt, ein kleiner Ausbruch aus der Realität. Aber jetzt war ich wieder hier, zurück in meinem Alltag, und die Nervosität kroch mir bereits beim Aufwachen unter die Haut.
Ich lag noch eine Weile in meinem Bett und starrte an die Decke, während mein Herz ein wenig schneller schlug. Wie würde Noah in der Schule auf mich reagieren? Würde er mich anders behandeln, jetzt, wo wir uns nähergekommen waren? Ich konnte nicht aufhören, mir all diese Fragen zu stellen, bis mein Wecker mich aus meinen Gedanken riss.
Nach einer schnellen Dusche zog ich mir mein typisches Outfit an: eine bequeme Jeans und einen Pullover, in dem ich mich einigermaßen wohl fühlte. Im Spiegel betrachtete ich mich für einen Moment. Mein Gesicht wirkte rosiger als sonst, meine Augen lebendiger. Ob das an Noah lag? Ich konnte es nicht leugnen – allein der Gedanke an ihn brachte mein Herz zum Hüpfen.
In der Küche saß bereits mein Vater mit einer Tasse Kaffee in der Hand. „Guten Morgen, Jules,“ sagte er mit einem Lächeln, das fast ein wenig verschlafen wirkte.
„Guten Morgen,“ murmelte ich und machte mir ein schnelles Frühstück. Jenny war heute Morgen nicht da, was irgendwie ungewohnt war. Sie war in den letzten Wochen ein ständiger Teil unseres Alltags geworden, und ihre Abwesenheit fühlte sich fast wie eine kleine Lücke an.
„Jenny hat gesagt, dass sie heute spät von der Arbeit kommt,“ sagte mein Vater, als hätte er meine Gedanken gelesen. Ich nickte nur und konzentrierte mich darauf, meinen Toast zu essen, während mein Kopf schon in der Schule war.
Der Weg zur Schule war wie immer. Dieselben Straßen, dieselben Geräusche der Stadt. Aber in mir brodelte eine Mischung aus Aufregung und Nervosität. Als ich das Schulgebäude betrat, sah ich schon von Weitem Hannah, die mir wie immer mit ihrem strahlenden Lächeln entgegenkam.
„Na, Jules! Wie war dein Wochenende?“ fragte sie, während sie mich in eine schnelle Umarmung zog. Ihre Energie war ansteckend, und ich konnte nicht anders, als zurückzulächeln.
„Es war echt schön,“ antwortete ich, spürte aber, wie mein Gesicht rot wurde. „Ich hab viel mit den anderen unternommen und … na ja, ich war mit Noah unterwegs.“
Hannahs Augen weiteten sich vor Begeisterung. „Oh mein Gott, erzähl mir alles! Wie war es? Hat er irgendwas gesagt? Wie läuft es zwischen euch?“
Ich lachte leise über ihre Neugier und erzählte ihr in groben Zügen von unserem Treffen. Natürlich ließ ich die intimeren Details aus, aber allein das Reden darüber ließ mein Herz schneller schlagen. Hannah war wie immer total begeistert und bestärkte mich darin, den Kontakt zu Noah weiter auszubauen.
Der Unterricht begann bald, und ich versuchte, mich auf die Themen zu konzentrieren. Doch immer wieder drifteten meine Gedanken ab. In meinem Kopf spielte ich die Gespräche mit Noah vom Wochenende noch einmal durch, erinnerte mich an sein Lächeln, an die Art, wie er mich ansah. Es war schwer, nicht die ganze Zeit an ihn zu denken.
In der ersten Pause stand ich mit Hannah am Schulhof, als ich plötzlich eine vertraute Stimme hinter mir hörte. „Hey, Jules.“
Ich drehte mich um und sah Noah, der direkt auf mich zukam. Mein Herz setzte für einen Moment aus, aber ich zwang mich, ruhig zu bleiben.
„Hey, Noah,“ antwortete ich und spürte, wie meine Wangen warm wurden. „Wie geht’s dir?“
„Gut, danke. Und dir?“ Seine Augen suchten meinen Blick, und für einen Moment schien die Welt um uns herum stillzustehen.
„Auch gut,“ sagte ich und bemerkte, dass ich lächelte. Wir unterhielten uns eine Weile über das Wochenende, über die lustigen Momente und darüber, wie viel Spaß wir zusammen hatten. Es war ein lockeres, ungezwungenes Gespräch, aber in mir schien jedes Wort eine tiefere Bedeutung zu haben.
Der Rest des Schultags verlief ohne große Besonderheiten, aber eine Sache ließ mich nicht los: die Abschlussprüfungen. Es war fast erschreckend, wie schnell das Schuljahr seinem Ende entgegenging. Ich hatte so viel Zeit damit verbracht, mich mit meinen eigenen Gefühlen und Herausforderungen auseinanderzusetzen, dass ich kaum darüber nachgedacht hatte, was danach kommen würde.
In einer ruhigen Minute fragte ich Noah nach seinen Plänen. „Was willst du eigentlich nach der Schule machen?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich bin mir noch nicht sicher. Vielleicht ein Studium anfangen, vielleicht auch ein Auslandsjahr. Ich will einfach erstmal rausfinden, was ich wirklich will.“
Seine Antwort brachte mich zum Nachdenken. Was wollte ich eigentlich? Bislang hatte ich mir kaum Gedanken über meine Zukunft gemacht, aber jetzt, wo das Ende der Schulzeit so nah war, fühlte es sich plötzlich so dringend an. Es war, als wäre ich auf einer Straße unterwegs, die plötzlich mehrere Abzweigungen hatte, und ich wusste nicht, welche ich nehmen sollte.
Nach der Schule ging ich nach Hause, mein Kopf war voller Gedanken. Ich dachte an Noah, an die Abschlussprüfungen, an die Zukunft. Als ich die Tür öffnete, erwartete ich, meinen Vater allein vorzufinden, aber als ich das Wohnzimmer betrat, erstarrte ich.
Da war jemand. Ein Gast. Jemand, den ich nicht erwartet hatte.
„Hallo, Jules,“ sagte mein Vater, aber seine Stimme klang angespannt. Der Gast – eine Frau, die ich auf den ersten Blick nicht erkannte – drehte sich zu mir um und musterte mich mit einem undefinierbaren Blick. Mein Herz begann schneller zu schlagen, und eine Welle der Panik überrollte mich.
Wer war sie? Und warum fühlte sich ihre Anwesenheit so bedrohlich an?
Das Kapitel endet hier. Doch etwas in mir sagte, dass das, was kommen würde, alles verändern könnte.