RINS POV
„Herein.”
Jemand antwortete von drinnen. Nick richtete meine Krawatte zum dritten Mal.
„Sag nichts, außer er spricht dich an.” sagte er zu mir gewandt und machte eine Schweige-Geste mit dem Finger auf den Lippen.
„Warum?” fragte ich.
„Weil ich gerne meine Miete bezahle” antwortete er, immer noch mit dem Zurechtrücken seines Hemdes beschäftigt.
„Du übertreibst.”
„Du warst letzten Monat nicht hier.” Nick wischte sich den Schweiß von den Händen, bevor er die Tür öffnete.
Ich rollte den Wagen mit dem Wein in den Raum, senkte den Kopf und stellte mich zur Seite. Nick nahm die Weinflasche und goss sie ins erste Glas.
„Geh.”
Nani… (was). Wie ist er hierhergekommen? Ich hatte nicht mal seine Schritte gehört. Nick zuckte zusammen, stellte aber das andere Glas ab, bereit, den Wein einzuschenken.
„Nicht du… er.” hörte ich ihn wieder sagen. Er zeigte auf Nick, der wie Espenlaub zitterte, während er den Drink eingoss. Er verbeugte sich, bevor er ging, und warf mir einen Blick zu, der zu sagen schien: Jetzt bist du auf dich allein gestellt. Ich nahm die Flasche und begann, den Wein einzuschenken.
„Nimm sie ab,” ich hielt kurz inne, als ich ihn das sagen hörte, machte dann aber weiter.
„Die Maske,” befahl er. Ich stellte die Weinflasche zurück in den Eiskübel und blickte zu ihm auf.
„Nein.” Ich meine, ich verstehe schon das ganze Ich-bin-reich-Ding, aber ich nehme meine Maske nicht ab, nur weil irgendein reicher Schnösel das sagt. Mein Blick fiel auf das Mädchen auf dem Bett. Sie ist schon ohnmächtig…? Ich ließ meinen Blick über seinen Körper wandern, mein Blick verweilte einen Moment. Dieser Typ trägt nur Boxershorts. Was zum… Ich holte meinen Blick zurück und traf seinen.
„Siehst du etwas, das dir gefällt?” fragte er, davon amüsiert.
„Koitsu, nani baka na koto itterunda…? (Was redet dieser Typ für einen Blödsinn?)” sagte ich.
Er sah mich an, als würde er versuchen, etwas herauszufinden. „Was war das?” fragte er und kniff die Augen zu mir zusammen.
„Nichts,” antwortete ich wieder. „Ich werde mich jetzt zurückziehen, Sir” sagte ich, verbeugte mich, bevor ich zur Tür rannte. Diese Situation wird jede Sekunde seltsamer. Ich konnte ihn etwas sagen hören, war mir aber nicht sicher, was es war.
Moment, bin ich das nur, oder sieht er aus wie… ach, egal.
Als ich im Mitarbeiterbereich ankam, stürzte Nick sofort auf mich zu. „Du lebst noch?”
„…Sollte ich nicht?” Ich blinzelte.
Nick packte meine Schultern. „Hat er dich angeschrien?”
„…Nein.” Was soll das mit den komischen Fragen.
„Gefeuert?”
„Nick…” das ist einfach lächerlich.
Der Manager, der uns mitgehört zu haben schien, klatschte in die Hände. „Genug geredet. Box Neun braucht noch eine Flasche.”
Ich ging aus dem Raum zur Bar, griff mir eine Flasche und machte mich auf den Weg zu meinem nächsten Tisch.
Ich trug das Tablett und war nicht weit gekommen, als mir jemand in den Weg trat.
Kyle.
Ich wusste genau, dass er sich absichtlich in meinen Weg gestellt hatte — und was zum Teufel macht er überhaupt hier?
„Nun… wenn das nicht North Ridges kleiner Eisprinz ist.”
Ich seufzte. „Aus dem Weg.”
„Wusste nicht, dass Eiskunstläufer von einer der elitärsten Schulen hier arbeiten.” Kyle grinste überheblich.
„Ich meine, was erwartet man schon von einer Stipendiaten-Ratte?” fuhr er mit seinem dummen Gerede fort.
Mein Gott, das wird langweilig. Ich ging um ihn herum, ohne ihm Beachtung zu schenken. Ich hatte Tische zu bedienen und keine Zeit für diesen Mist. Ich ging zu einer Gruppe von Jungs und Mädchen, die sich unterhielten. Ich schenkte den Drink ein und füllte ihre Gläser.
„Moment mal…” sagte einer zu dem mit der Brille.
„Was?” antwortete der mit der Brille, ohne sich die Mühe zu machen, den Kopf zu heben.
„Ich hab dich schon mal gesehen.” Hä, was redet der da? Ich erstarrte für eine halbe Sekunde, als ich mir das Gesicht der Person ansah und merkte, dass wir uns schon im Flur begegnet waren. Aber das werde ich jetzt nicht zugeben.
„Falsche Person, Sir.”
„…Ich sag’s dir, ich hab dieses Gesicht schon mal gesehen.” fuhr er fort. Ich stellte die Weinflasche auf den Tisch und ging, bevor das zu etwas wurde, das ich bereuen würde.