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DAS MAL DES VERRATS

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Rache
dunkel
knallharte Heldin
Mythologie
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Kurzbeschreibung: Das Mal des Verrats

„Alles hinterlässt ein Mal. Aber nicht alles zerbricht.“

In einer Welt, in der das Schicksal als dunkle, unsichtbare Linie auf der Haut der Menschen geschrieben steht, besitzt die junge Ira Vance eine gefährliche Gabe: Sie kann die Male der anderen sehen. Als ihre Mutter von den Jägern des Königs verschleppt wird, beginnt für Ira eine lebenslange Flucht – gejagt von der Angst vor dem Verrat und der Last ihres eigenen Erbes.

An der Seite von Kian, einem Krieger ohne Mal, der ihr als Einziger bedingungslos vertraut, begibt sich Ira auf eine gefährliche Reise durch ein zerrüttetes Land. Ihr Ziel: Das Heiligtum Esperanza, ein legendärer Zufluchtsort für jene, deren Schicksal vom König verdammt wurde. Doch je näher sie ihrem Ziel kommt, desto deutlicher erkennt Ira, dass die Male nicht nur Warnungen vor dem Verrat sind – sie sind Tore.

Das Mal des Verrats ist eine bildgewaltige Reise durch Schmerz, Vergebung und die Erkenntnis, dass die Wahrheit oft schwerer wiegt als die Lüge. Es ist die Geschichte einer Frau, die lernt, dass man das Schicksal nicht nur erdulden, sondern mit eigenem Blut neu zeichnen kann.

Eine Erzählung darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein, wenn die Welt dich als Makel brandmarkt.

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Kapitel 1 – Das erste Mal
Die Male sind unsichtbar, bis sie sich nicht mehr verbergen lassen. Das hat meine Mutter mir beigebracht, wenn auch nicht mit Worten. Sie hat es mir mit der Hand gezeigt, die sie auf meinen Rücken legte, wenn wir durch den Wald gingen, und mit der Stille, die sie zwischen den Worten ließ, wenn ich nach meinem Vater fragte. „Alles hinterlässt ein Mal, meine Tochter. Aber nicht alles zerbricht“, pflegte sie zu sagen. Das erste Mal, das ich sah, war an ihrem Arm. Ich war sieben Jahre alt. Ich pustete die Kerzen auf einem Kuchen aus, den sie mit Honig und gestohlenem Mehl gebacken hatte. Das Licht flackerte in ihrem Gesicht, und da sah ich es: eine schwarze Linie, fein wie ein Haar, die sich von ihrem Handgelenk bis zum Ellbogen zog. Ich wusste nicht, was es war. Ich wusste nur, dass sich mein Magen zusammenzog und der Kuchen mir aus der Hand fiel. „Was ist los, Kleine?“, fragte sie und hob die Stücke auf. „Dein Arm“, sagte ich und zeigte darauf. „Du hast da etwas Schwarzes.“ Sie hielt inne. Sie sah mich mit Augen an, die ich nie zuvor bei ihr gesehen hatte: nackte Angst. „Siehst du noch mehr?“, fragte sie mit brüchiger Stimme. „Nein. Nur das.“ „Hör mir zu, Ira.“ Sie nahm meine Hände. „Sag niemals jemandem, dass du diese Dinge siehst. Weder deinem Freund noch dem Bäcker, noch dem König. Verstehst du?“ Ich verstand. Ich verstand, dass das, was ich sah, nicht normal war. Ich verstand, dass meine Mutter Angst vor mir hatte. Drei Tage später schlugen die Jäger die Tür ein. In jener Nacht steckte mich meine Mutter in den Kleiderschrank mit den Wolldecken und sagte: „Was auch geschieht, komm nicht heraus.“ Sie schloss die Tür. Ich hörte, wie sie den Tisch zerbrachen, wie sie ihren Namen schrien, wie sie weinte. Aber ich hörte auch etwas, das ich nie zuvor gehört hatte: die Stille zwischen ihren Schreien. Sie schrie nicht vor Schmerz. Sie schrie, um mich abzulenken, damit ich nicht hörte, wonach sie sie fragten. Ich weiß nicht, wie lange ich im Schrank war. Als ich herauskam, war das Haus leer. Nur ihr Anhänger lag auf dem Boden. Und in dem Anhänger spiegelte sich mein eigenes Gesicht. Ich war kein Kind mehr. Ich war jemand, der Male sah.

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