Kapitel 69 – Ruhe vor dem Sturm

3115 Worte

Der Morgen brach sanft und golden über den Weinberg – zu sanft, zu still. Die Luft roch nach feuchter Erde und zerdrückten Trauben, Sonnenlicht tropfte wie Honig durch die Blätter. Es war ein Morgen, der so tat, als würde die Welt nicht gleich untergehen. Emma stand am Fenster des Kinderzimmers und sah ihrem schlafenden Sohn zu. Eine leichte Brise bewegte die Vorhänge und trug den Duft von Lavendel aus dem Garten herüber. Zum ersten Mal seit Wochen atmete sie ohne zu zucken. Seine Brust hob und senkte sich in kleinen, gleichmäßigen Bewegungen. Dieser Rhythmus – sein Rhythmus – war die einzige Wahrheit, an die sie glauben musste. Matthias trat leise ein, noch halb vom Schlaf umhüllt. Die weiche Baumwolle seines Hemdes klebte an seinen Schultern; sein Haar war zerzaust, sein Gesicht unges

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