Kapitel 70 – Letzte Jagd

3188 Worte

Es hatte schon vor Sonnenaufgang angefangen zu regnen. Zunächst war es still – ein feiner, silbriger Nebel, der durch die Reben zog und die Ränder des Anwesens verwischte –, dann verdichtete er sich zu einem Platzregen, der die Hügel vollständig verschlang. Scheinwerfer schnitten blasse Tunnel durch den Nebel und beleuchteten das geisterhafte Schwanken der Weinreben. Jeder Schatten wirkte lebendig. Matthias hatte nicht geschlafen. Er hatte nicht einmal sein Hemd vom Vorabend gewechselt. Die Karte des Anwesens lag auf dem Operationstisch ausgebreitet, Regenwasser tropfte von seinen Haaren, während er mit dem Finger die Baumgrenze entlang der Nordstraße nachzeichnete. „Er kam von hier“, sagte er. Seine Stimme war fest, aber sein Kiefermuskel zuckte ständig. „Er wusste, wo die toten Winkel

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