KAPITEL 2

1905 Worte
Durch einen Zufall oder vielleicht die Ironie des Lebens sind Emma und die Geliebte ihres Mannes in benachbarten Zimmern untergebracht. Emma hat gerade die Augen geschlossen, als sie die Schritte von jemandem hört, der dann den Raum betritt. Langsam öffnet sie die Augen und sieht Matías, der gerade angekommen ist. „Matías“, sagt sie etwas überrascht. Sie kann nicht glauben, dass er sie im Krankenhaus besucht. Doch dann erinnert sie sich an die Szene des Unfalls und daran, wie er sie ignorierte, um bei seiner Geliebten zu sein. „Ich hoffe, du bist zufrieden mit dem, was du getan hast“, sagt er eiskalt. „Was meinst du damit?“, erwidert sie verwirrt. „Tu nicht so, als wüsstest du nicht, worüber ich rede. Es ist mehr als offensichtlich, dass du, nachdem du uns beide zusammen im Büro erwischt hast, beschlossen hast, auf den richtigen Moment zu warten, um dich an uns zu rächen. Als der passende Moment dann gekommen war, hast du sie absichtlich vor ein Auto gestoßen. Dabei ist aber leider etwas schiefgegangen und du hast auch selbst etwas abgekriegt, nicht wahr?“ „Bist du verrückt geworden?“, sagt sie und ist beleidigt von seinen Anschuldigungen. „Ich will dich nur warnen: Wenn ihr etwas passiert und sie meinen Sohn verliert, werde ich dir das nie verzeihen“, sagt er und geht zur Tür hinaus, während Emma überrascht im Raum zurückbleibt. Es dauert nicht lange, bis ihr die Tränen in die Augen schießen und über beide Wangen hinunterlaufen. Emma entfernt den Tropf, an dem sie angeschlossen war, und geht in das Zimmer nebenan. Dort trifft sie zu ihrer Überraschung auf ihre Schwiegermutter, die sich gerade um die Frau kümmert, mit der ihr geliebter Sohn Emma betrügt. „Was willst du hier?“, sagt Sofia, Matías' Mutter, und wirft Emma einen verächtlichen Blick zu. „Ich wurde auch in dieses Krankenhaus eingeliefert.“ „Ich kann wirklich nicht glauben, dass du noch den Mut hast, in dieses Zimmer zu kommen! Nach allem, was du Silvia angetan hast! Schämst du dich denn gar nicht?“ „Ich habe nichts getan! Und deshalb bin ich jetzt auch hier.“ „Willst du etwa sagen, dass ich lüge?“, sagt Silvia und tut so, als würde sie weinen. „Du warst doch diejenige, die versucht hat, mir wehzutun. Jetzt tust du hier so, als wäre ich die Schuldige“, sagt Emma und versucht, die Situation zu klären. Doch anstatt auf Emma einzugehen, verpasst Sofia ihr plötzlich eine schallende Ohrfeige. Emma hält sich sofort ihre schmerzende Wange und muss dabei zusehen, wie Silvia auch noch über ihr Unglück lacht. Plötzlich nähern sich Schritte dem Zimmer und ein wütender Matías tritt ein. „Warum bist du hier?“ „Mati, Schatz! Bitte sag ihr, sie soll gehen! Sie hasst mich und ist gekommen, um sich über mich lustig zu machen“, jammert Silvia, während sie so tut, als würde sie weinen. „Emma, verschwinde von hier und halte dich in Zukunft von Silvia fern!“, sagt er in einem kalten Ton. Emma starrt ihn nur schweigend an. „Ja, hau ab! Du machst nur Ärger“, fügt Sofia hinzu. „Ich dachte immer, ich hätte einen tollen Mann geheiratet, aber anscheinend habe ich einen großen Fehler gemacht, für den ich jetzt die Konsequenzen tragen muss. Es ist es nicht wert, um deine Liebe zu kämpfen“, sagt Emma voller Wut und Hilflosigkeit. „Sorry, dass ich nicht der war, für den du mich gehalten hast.“ „Ich will, dass wir uns so schnell wie möglich scheiden lassen“, antwortet Emma und verlässt dann ohne zurückzublicken den Raum. Sie hat bereits resigniert und ist nun fest entschlossen, sich von dem Mann und seiner Familie zu distanzieren, weil sie Emma so sehr verachten. Als sie auf den Ausgang zugeht, stößt sie mit jemandem zusammen, der gerade das Krankenhaus betritt. „Oh, Entschuldigung“, sagt der Mann. „Entschuldigung“, sagt sie fast gleichzeitig. Vor ihr steht der gutaussehende Mann mit den grauen Augen, der ihr während des Unfalls geholfen hatte. „Du schon wieder“, sagt sie überrascht. „Geht es dir schon wieder gut?“, fragt er, als ihm klar wird, dass sie auf dem Weg ist, das Krankenhaus zu verlassen, obwohl ihr Arm immer noch in einem schlechten Zustand ist und nicht verbunden wurde. „Ich habe beschlossen zu gehen. Ich habe hier noch nichts unterschrieben und werde mir woanders medizinische Hilfe suchen.“ „Möchtest du, dass ich dich begleite?“, fragt er besorgt. Er befürchtet, dass ihr unterwegs etwas zustoßen könnte. „Nicht nötig. Ich werde meine Familie anrufen, damit sie mich abholt. Danke trotzdem“, sagt sie und verabschiedet sich von ihm. Dann verlässt Emma das Krankenhaus so schnell wie möglich und nimmt ein Taxi. Während der Fahrt klagt sie über ihr Leid und weint hemmungslos. „Geht es Ihnen gut?“, fragt der Fahrer besorgt. „Ja, es geht schon. Bringen Sie mich einfach zu dieser Adresse“, sagt sie und reicht ihm einen Zettel. Emma vergießt ihre letzten Tränen. Ihr einziger Wunsch ist es jetzt, sich von Matías scheiden zu lassen und sich für immer von seiner Familie zu distanzieren. Der Taxifahrer fährt fast eine Stunde, bevor er bei einem riesigen Anwesen ankommt. „Ich glaube, wir sind da“, sagt er und klingt unsicher, ob dies der richtige Ort ist. „Gut“, antwortet sie, kurbelt das Fenster herunter und lehnt sich hinaus, um mit dem Sicherheitsmann am Tor zu sprechen. „Hallo, Max.“ „Hallo. Es ist eine Freude, Sie hier wiederzusehen.“ „Danke. Bitte öffne das Tor für mich.“ „Natürlich.“ Das Taxi fährt auf das Gelände der Villa und nachdem Emma den Fahrer bezahlt hat, steigt sie aus und geht zur Eingangstür. Sie klingelt und der Butler der Familie öffnet die Tür. „Willkommen zurück! Bitte kommen Sie herein“, sagt er und hält die Tür für sie auf. Sie betritt das Haus und geht ins Wohnzimmer, wo sie ihren Bruder Christian am Telefon vorfindet. „Hallo, Christian“, sagt sie. Er sieht sie überrascht an, da er sie seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. „Emma, du bist zurück!“, sagt er mit einem Lächeln und erinnert sich an den Tag zurück, an dem sie das Haus verlassen hatte. An jenem Tag hatte sie ihm gesagt, dass sie nur zurückkehren würde, wenn ihre Familie ihren Ehepartner akzeptierte. Aber hier war sie nun. „Bitte sag mir, dass du zurück bist, um zu bleiben.“ „Ja, ich bin wieder zurück. Ich habe beschlossen, mich scheiden zu lassen und zu meiner Familie zurückzukehren.“ „Das wollte ich schon lange hören. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin, dich wieder hier zu haben“, sagt er, geht auf sie zu und umarmt sie fest. „Aua!“, schreit sie vor Schmerz auf. Ihr Bruder hat unabsichtlich ihren Arm verletzt, als er sie umarmte. „Geht es dir gut?“, fragt er besorgt. „Ich habe eine Verletzung am Arm. Aber mach dir keine Sorgen, es wird schon gehen“, sagt sie und versucht, ihn zu beruhigen. Sie möchte nicht, dass er das volle Ausmaß dessen erfährt, was passiert ist. Das würde ihn nur dazu verleiten, nach Rache zu suchen. „Komm, lass uns in dein Zimmer gehen, damit du dich ausruhen kannst. Ich werde unseren Arzt rufen, damit er nach dir sieht“, sagt er immer noch besorgt. „Ok, lass uns gehen!“ Sie gehen die Treppe hinauf zu Emmas Zimmer, das trotz ihrer langen Abwesenheit ordentlich und sauber gehalten wurde. Im Zimmer angekommen, legt sich Emma direkt auf ihr Bett. „Es tut gut, wieder hier zu sein“, sagt sie und fühlt sich getröstet von ihrer vertrauten Umgebung. „Du hättest niemals weggehen sollen. Ich frage mich, was du in diesem Kerl gesehen hast, das dich dazu gebracht hat, ihn deiner Familie vorzuziehen.“ „Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Aber du weißt auch, dass ich nur ein Mensch bin und Fehler passieren einfach. Jetzt zählt nur, dass ich wieder hier bin.“ „Da hast du recht. Wir sollten die Rückkehr meiner lieben Schwester gebührend feiern. Ich rufe jetzt aber erstmal den Arzt an. Bleib einfach hier, bis er kommt und nach dir sieht. In der Zwischenzeit lasse ich etwas zu essen bringen.“ „Danke“, antwortet sie. Christian verlässt das Zimmer und lässt sie allein. Auf ihrem Bett liegend schließt Emma die Augen und versucht, die Schmerzen in ihrem Arm zu verdrängen. Während sie sich ausruht, denkt sie an Matías und fragt sich, was er jetzt wohl macht, da sie nicht mehr in seinem Leben ist. In der Zwischenzeit hat Matías viel Zeit im Krankenhaus mit Silvia und seiner Mutter verbracht. Im Gegensatz zu Emma versteht sich Silvia ausgezeichnet mit seiner Mutter. Emma hingegen lag ständig im Streit mit ihrer Schwiegermutter und die beiden hatten oft Auseinandersetzungen. Nun ist er auf dem Weg nach Hause, um seine Scheidung zu besprechen. Sein Fahrer ist gerade angekommen, um ihn abzuholen. „Carlos, ich möchte, dass du mich nach Hause fährst“, sagt er und bemerkt ein Paket auf dem Boden. „Was ist das?“, fragt er, während er das Paket aufhebt. „Es ist etwas, das ihre Frau gekauft hat. Sie war ganz aufgeregt, weil sie etwas Besonderes für sie beide geplant hatte. Zumindest soweit ich das verstanden habe“, antwortet Carlos. Bei seinen Worten verspürt Matías einen Stich in seiner Brust. Er fühlt sich schuldig, als er sich an ihr Gespräch vorhin erinnert. „Weißt du zufällig, was heute auf dem Firmenparkplatz passiert ist?“ „Ich habe gehört, dass ihre Frau zusammen mit einer anderen Frau angefahren wurde. Ich hoffe, es geht ihr gut. Sie ist solch eine liebenswerte Person“, sagt Carlos und Matías schaut ihn überrascht an. Nie zuvor hat Matías Beschwerden über sie vom Personal gehört. Im Gegenteil, alle reden nur positiv über sie und sie kommt gut mit allen zurecht. Er beschließt, keine weiteren Fragen zu stellen und schweigt, bis sie am Haus ankommen. Matías betritt das Haus und geht in Emmas Zimmer, um in Ruhe mit ihr zu sprechen. Aber zu seiner Überraschung ist sie nicht da. Als er sich an ihre Worte erinnert, überprüft er sofort ihren Kleiderschrank, um zu sehen, ob sie wirklich gegangen ist und all ihre Sachen mitgenommen hat. Aber alles scheint an Ort und Stelle zu sein. Also beschließt er, das Haus nach ihr abzusuchen, findet sie aber nicht. Dann geht er nach draußen und ruft seinen Fahrer. „Was kann ich für Sie tun?“ „Hast du meine Frau heute irgendwohin gefahren?“ „Nein, aber ich erinnere mich, dass ich sie in ein Taxi steigen sah“, antwortet Carlos. „Wo könnte sie hingefahren sein?“, fragt Matías zunehmend besorgt. Er nimmt sich sein Handy und versucht immer wieder, sie zu erreichen. Aber sie antwortet nicht. Dann hallt Emmas Stimme in seinem Kopf wider, die ihm wieder und wieder sagt, dass sie sich scheiden lassen will. „Hat sie mich wirklich verlassen?“, fragt er sich und fühlt plötzlich eine tiefe Leere in seinem Herzen.
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