KAPITEL 1
Emma Taylor ist auf dem Weg zum Büro ihres Mannes, Matías White, den sie vor zwei Jahren geheiratet hat. Leider stellte er sich nicht gerade als der perfekte Ehemann heraus. Ihr Leben ist chaotisch und ihre Ehe ist ein komplettes Desaster. Als Emma Matías damals heiratete, war sie tief verliebt in den Mann, den sie für perfekt hielt. Doch in der Hochzeitsnacht musste sie die bittere Realität erkennen, als er sie allein ließ und ihr sagte, sie sei die widerlichste Frau, die er je getroffen habe, und dass er nie etwas mit ihr zu tun haben wolle. Ihre Ehe kam nur zustande, weil Matías' Großvater ihn auf dem Sterbebett gebeten hatte, Emma zu heiraten. Denn sie war die Frau, die er sich als Ehefrau für seinen geliebten Enkel wünschte. Um seinem Großvater diesen letzten Wunsch zu erfüllen, heiratete Matías Emma schnellstmöglich, damit sein Großvater die Hochzeit noch erleben konnte, bevor er starb.
Nun sind sie bereits zwei Jahre lang verheiratet und Emma ist auf dem Weg zu Matías' Firma. Wie jede verliebte Frau möchte sie unbedingt dafür sorgen, dass ihre Ehe gut läuft. Aber tief im Inneren ist sie sich nicht sicher, ob sie jemals in der Lage sein wird, die Aufmerksamkeit ihres Mannes zu gewinnen. Denn in den zwei Jahren Ehe hat Matías sie nie berührt, nicht ein einziges Mal.
Emma steigt aus dem Aufzug und geht auf das Büro von Matías zu. Sie möchte ihn überraschen und ihn fragen, ob sie heute Abend ein romantisches Abendessen haben können. Emma hat es satt, darauf zu warten, dass Matías sich endlich entscheidet, mit ihr intim werden zu wollen. Also hat sie beschlossen, ihn heute Abend zu verführen und endlich das zu bekommen, wonach sie sich seit ihrer Hochzeitsnacht sehnt. Ihre Ehe ist in einem schlechten Zustand und es lief auch nie wirklich gut. Aber eigentlich will Emma nur, dass es zwischen ihnen beiden funktioniert.
Als sie am Schreibtisch der Sekretärin ihres Mannes ankommt, schreckt diese mit einem überraschten Ausdruck auf, was Emma sofort seltsam vorkommt.
„Guten Morgen. Ähm, wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt die Sekretärin etwas nervös.
„Ach, es ist nichts Besonderes. Ich möchte nur meinen Mann sehen“, antwortet Emma.
„Verstehe. Ich informiere Herrn White sofort, dass Sie hier sind“, sagt die Sekretärin, während sie schnell zum Telefon greift, um Matías über Emmas Ankunft zu informieren.
„Sparen Sie sich die Mühe. Ich möchte ihn überraschen“, sagt Emma und hindert die Sekretärin daran, Matías über ihre Ankunft zu informieren. Unsicher, was sie tun soll, legt die Sekretärin den Hörer auf und bleibt dann stumm.
Aufgeregt und voller Vorfreude verschwendet Emma keine Zeit mehr und betritt ohne zu klopfen das Büro. Doch sobald sie eintritt, verschwindet das Lächeln auf ihrem Gesicht. Ihre Aufregung verfliegt, als sie ihren Mann in den Armen einer anderen Frau sieht.
Sie steht einfach wie angewurzelt da und starrt die beiden, ohne ein Wort zu sagen, an.
„Emma!“, sagt Matías überrascht und wischt sich schnell den Lippenstift von seinem Mund. „Was machst du denn hier?“, fragt er und klingt fast beleidigt über ihr unangekündigtes Erscheinen. Aber Emma starrt ihn weiterhin einfach nur an. Sie ist zwar schockiert, aber nicht völlig überrascht, da sie schon seit einiger Zeit vermutete, dass er sie betrügt.
Ohne ein Wort zu sagen und von einem Gefühl der Würde und Selbstachtung getrieben, dreht sie sich um und verlässt das Büro, das sich jetzt bedrückend und erdrückend anfühlt.
In einer solchen Situation könnte man erwarten, dass der Ehepartner einem nachläuft, sich entschuldigt oder zumindest versucht, etwas zu erklären. Aber nicht Matías. Er folgt ihr nicht und versucht auch nicht einmal, irgendeine Erklärung anzubieten.
Wütend und mit gebrochenem Herzen verlässt Emma das Gebäude. Sie ist verzweifelt und will sich einfach nur noch so weit wie möglich von der Situation entfernen. Dieser Moment ist ein vernichtender Schlag für sie. Zwei Jahre lang hat sie alles versucht, um ihre Ehe zum Laufen zu bringen, aber jetzt scheint es unmöglicher denn je.
Emma ist am Boden zerstört und beschließt, in ein nahegelegenes Café zu gehen. Sie setzt sich an einen Tisch am Fenster und blickt hinaus auf die Straße. Sie beobachtet die Welt draußen vor dem Fenster, während sie versucht, die schmerzhafte Wahrheit zu realisieren, die sie nicht länger leugnen kann.
Sie hatte immer vermutet, dass Matías ihr fremdging, aber sie klammerte sich an die Hoffnung, dass es nur ihre Einbildung war und dass sie sich irrte. Leider kennt sie nun die Wahrheit: Sie hatte die ganze Zeit recht!
Während Emma im Café sitzt und die vorbeigehenden Menschen beobachtet, versucht sie, ihre Gedanken zu ordnen. Nach etwa einer Stunde hat sie sich wieder etwas beruhigt und beschließt, dass es Zeit ist, diesen Ort zu verlassen und nach Hause zurückzukehren.
Aber als sie sich dem Parkplatz nähert, wo ihr Fahrer mit dem Auto wartet, trifft sie auf eine unwillkommene Überraschung. Ausgerechnet die Frau, mit der ihr Mann eine Affäre hat, kommt direkt auf sie zu.
Emma versucht, sie zu ignorieren und geht an ihr vorbei, ohne ihr auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken.
„Emma!“, ruft die Frau und bringt sie dazu, stehen zu bleiben und sich umzudrehen. Es ist klar, dass die Geliebte ihres Mannes diese Gelegenheit sie zu provozieren nicht verstreichen lassen will.
„Was willst du?“, fragt Emma genervt, denn ihre Geduld ist wirklich am Ende.
„Ich wollte nur dein Gesicht sehen, während ich dir erzähle, wie sehr ich die Küsse deines Mannes genossen habe. Und lass mich dir sagen, im Bett ist er ein absolutes Biest“, sagt die Frau mit einem selbstgefälligen Lächeln. Ihre Worte triefen nur so vor Bosheit und zielen eindeutig darauf ab, Emma wütend zu machen.
Emma atmet tief durch. Sie ist fest entschlossen, nicht auf die Provokationen dieser Frau einzugehen.
„Ich freue mich, dass du deinen Spaß hast. Schließlich bist du nur die Geliebte und ich bin die Ehefrau“, antwortet sie mit einem ruhigen Lächeln.
Der Gesichtsausdruck der Frau ändert sich schlagartig und die Zornesröte steigt ihr ins Gesicht. Wütend stürmt sie auf Emma zu, packt ihren Arm und schüttelt sie heftig.
„Lass mich los!“, schreit Emma und kämpft darum, sich aus dem Griff der Frau zu befreien. Doch gerade als die Situation außer Kontrolle gerät, geschieht etwas Unerwartetes. Ein Auto rast unkontrolliert auf den Parkplatz und fährt die beiden Frauen an.
***
Emma spürt einen scharfen, stechenden Schmerz, der sie überwältigt und es ihr schwer macht, sich zu bewegen. Ihr Herz schlägt heftig, während sie versucht, die Augen zu öffnen. Aber die Anstrengung ist fast unerträglich. Der Lärm der Menschen um sie herum ist ohrenbetäubend und verursacht einen intensiven Kopfschmerz, der ihr Elend nur noch verstärkt.
„Hören Sie mir zu! Können Sie mich hören?“, ruft jemand und versucht, sie durch den Nebel des Schmerzes zu erreichen.
„Mmm“, stöhnt sie nur. Denn sie ist kaum in der Lage zu antworten.
„Alles ist in Ordnung. Kommen Sie! Ich helfe Ihnen auf“, hört sie einen Mann mit sanfter aber bestimmter Stimme sagen. Dann hilft er ihr, sich aufrecht auf dem Boden hinzusetzen, auf dem sie eben noch lag.
„Was ist passiert?“, fragt Emma, während sie vor Schmerz das Gesicht verzieht. Wenigstens gelingt es ihr endlich, ihre Augen zu öffnen. Sie ist überrascht, als sie in das Gesicht eines gutaussehenden Mannes mit braunen Haaren und auffallend grauen Augen blickt.
„Sie hatten gerade einen Unfall“, erklärt er. Sofort kommen die Erinnerungen zurück und Emma schaut panisch um sich. Sie sieht, wie die Frau, mit der sie gerade noch gestritten hatte, von anderen versorgt wird. „Das Auto hat Sie beide nicht allzu hart getroffen. Ihnen beiden wird es gut gehen“, beruhigt der Mann sie.
Ohne zu antworten versucht Emma aufzustehen und stützt sich mit den Händen auf dem Boden ab. Aber ein scharfer Schmerz schießt durch ihren linken Arm.
„Aua!“, schreit sie auf. Der Schmerz ist intensiv und plötzlich.
„Es sieht so aus, als hätten Sie sich den Arm ausgerenkt“, sagt der Mann, während er ihr sanft auf die Beine hilft.
Genau in diesem Moment taucht Matías auf. Er wirft Emma einen kurzen Blick zu, wendet seine Aufmerksamkeit dann aber schnell seiner Geliebten zu. Dabei ignoriert er völlig, dass seine Frau ebenfalls verletzt ist.
Tränen steigen Emma in die Augen und während der Schmerz in ihrem Arm immer schlimmer wird, fühlt sie sich noch elender. Sowohl körperlich als auch emotional.
Plötzlich durchbricht der Klang einer Krankenwagensirene das Chaos. Sanitäter kommen herbeigeeilt, um den beiden Frauen zu helfen. Nach einer kurzen Untersuchung entscheiden sie, sie zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus zu bringen.
Matías schenkt Emma immer noch keine Beachtung, seine Sorge gilt allein der anderen Frau.
„Danke für deine Hilfe. Du brauchst mich nicht zu siezen“, sagt Emma leise zu dem Fremden, der die ganze Zeit an ihrer Seite geblieben ist. Seine Anwesenheit ist ein stiller Trost in dem ganzen Tumult.
„Dafür brauchst du mir doch nicht zu danken“, antwortet er mit aufrichtiger Besorgnis. „Wenn du möchtest, kann ich dich auch noch ins Krankenhaus begleiten. Vor allem, wenn sonst niemand mit dir dorthin fährt.“
„Ich will dir keine Umstände machen. Mach dir keine Sorgen um mich, es wird schon irgendwie gehen“, antwortet Emma etwas verlegen. Sie ist sich schmerzlich bewusst, dass ihr Mann die ganze Zeit nur ein paar Meter von ihr entfernt stand und nicht einmal gefragt hat, ob es ihr gut geht.
Dann heben die Sanitäter Emma auf die Trage und die beiden Frauen werden ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht.