Heute ist der Geburtstag von Berthas Ehemann Derek – sie war einkaufen und plant, eine Überraschungsparty für ihn zu organisieren, in der Hoffnung, dass er ihre aufrichtigen Gefühle verstehen wird.
Als Bertha das Wohnzimmer betrat, war niemand da. Sie ging in die Küche und fragte eine der Dienstmädchen, wo ihr Ehemann sei. Doch das Mädchen lächelte nur spöttisch.
Bertha war es gewohnt, dass niemand antwortete, wenn sie etwas fragte. Denn alle Dienstmädchen der Familie Tibble kümmerten sich nicht um sie.
Bertha ging in ihr Schlafzimmer. Als sie sich der Tür näherte, hörte sie plötzlich undeutliche Geräusche aus dem Inneren. Zuerst dachte sie, sie hätte sich verhört, aber nein – das Geräusch war deutlich.
Mit gerunzelter Stirn drehte Bertha langsam den Türknauf und öffnete die Tür. Da sie hinter der Tür stand, konnte sie nicht sofort sehen, ob Derek da war oder nicht – doch als sie sich dem Bett zuwandte, erstarrte sie.
Bertha wusste nicht, ob sie träumte oder wirklich wach war, aber sie sah ihren Ehemann mit einer anderen Frau im Bett. Beide trugen nichts, ihre Körper waren nur von der Decke bedeckt – der Decke, die sie selbst immer benutzt hatte. Ihr Ehemann hatte in ihrem eigenen Bett eine Affäre.
Ihr Brustkorb krampfte sich zusammen, ihr Atem wurde schwer. Bertha wusste nicht, wie sie reagieren sollte. War das ein Scherz? Auch wenn Derek sie nicht liebte, durfte er sie nicht so behandeln. Ihre Hände zitterten, Tränen liefen über ihre Wangen.
„Hmm.“
Das Stöhnen der Frau schnitt Bertha wie ein Messer ins Herz. Sie fühlte sich, als würde ihr die Luft ausgehen. Sie biss sich auf die Lippe und erstarrte.
Die Frau im Zimmer war Dereks Ex-Freundin – Laura – und der Mann, den sie mit ganzem Herzen liebte.
Bertha ließ die Einkaufstüte aus der Hand fallen. Sie fiel zu Boden und verursachte ein lautes Geräusch, das die beiden im Bett erschrecken ließ.
„Bertha!“, schrie Laura in gespielter Panik.
Derek drehte den Kopf, runzelte die Stirn und sah Bertha kalt an. Seine dünnen Lippen waren fest zusammengepresst, er schwieg.
Die Szene vor ihren Augen ließ Bertha sprachlos zurück. Sie hatte die beiden inflagranti erwischt, doch Derek blieb ruhig und gleichgültig – als wäre das völlig normal. Was hielt er eigentlich von ihr? Warum beleidigte er sie so schamlos?
„Ihr zwei… warum tut ihr das – ausgerechnet in unserem Zimmer?“ stammelte Bertha.
„Unser Zimmer?“ Derek lachte höhnisch. „Das ist mein Zimmer. Was ich hier tue, geht nur mich etwas an.“ Er stieg aus dem Bett und zog sich an. „Da du es gesehen hast, gibt es nichts mehr zu sagen. Das hätte sowieso nicht ewig geheim bleiben können.“
Bertha starrte ihn trotzig an, sie wollte nicht als Verliererin dastehen.
Derek ballte die Fäuste. Seine dunklen Augen funkelten, als wollten sie sie verbrennen.
„Derek?“ Eine sanfte Stimme unterbrach die Stille zwischen ihnen.
Bertha sah zu Laura, die auf Derek zuging. „Ich weiß, dass es falsch war, aber ich kann einfach nicht aufhören, dich zu lieben.“
Berthas Augen verdunkelten sich. Sie verstand nichts mehr.
Was dachte sich Laura? Spielte sie hier die Verletzte, um Dereks Mitleid zu gewinnen und ihn zurückzubekommen? Doch Laura war schlauer, als Bertha dachte – sie wollte Derek, um sich das Vermögen der Familie Tibble zu sichern.
„Laura.“ Derek wandte sich ihr zu, und sein Blick wurde sofort weich. Er strich ihr über das Haar und sagte: „Mach dir keine Sorgen. Wir haben nichts Falsches getan.“
Laura kam oft in Dereks Villa und wurde von Mrs. Victoria begünstigt.
Derek bekannte sich offen zu Laura. Doch Bertha war seine rechtmäßige Ehefrau. Die geheime Affäre zwischen Derek und Laura dauerte fast ein Jahr, ohne dass Bertha etwas ahnte.
Sogar die Dienstmädchen in der Villa schienen ihre Liebesgeschichte zu unterstützen. Sie mochten Bertha nie. Sie freuten sich, dass ihr Herr jede Nacht eine andere Frau im Bett hatte.
Derek und Laura waren früher ein Paar gewesen, hatten sich aber getrennt. Danach hatte Derek zugestimmt, Bertha zu heiraten – ein Waisenmädchen, wie man glaubte.
Einige Monate nach der Hochzeit trennte sich Laura von ihrem Freund und wollte zu ihrer ersten Liebe zurückkehren.
Obwohl sie Derek einst betrogen hatte, fiel er – aus Schwäche und alter Zuneigung – erneut in ihre Arme.
Bertha atmete tief durch und sah Derek an. „Lass uns scheiden.“ Sie hatte genug. Es war Zeit, diese grausame Ehe loszulassen.
Derek war überrascht. Er hätte nie gedacht, dass sie das sagen würde – er wusste, wie sehr sie ihn liebte.
Ohne auf eine Antwort zu warten, verließ Bertha das Zimmer.
Trotz des Schmerzes hielt sie den Kopf hoch, ging mit geradem Rücken und ohne Angst. In ihrem Zimmer schrieb sie ihrer Freundin Windy eine Nachricht und bat sie, sie in ein paar Minuten abzuholen.
Bertha setzte sich auf das Bett und packte ihre Sachen. Nach drei Jahren im Haus der Familie Tibble besaß sie nicht viel.
Mit dem Koffer in der Hand öffnete sie die Tür – genau in dem Moment, als Derek hereinstolperte. Sie sah ihn nicht an; mit kaltem Gesichtsausdruck ging sie an ihm vorbei und langsam die Treppe hinunter.
Ohne andere Wahl musste Bertha Dereks Haus verlassen – einen Ort voller schmerzhafter Erinnerungen. Niemand sagte etwas, niemand hielt sie auf.
Sie setzte sich auf einen Stuhl vor dem Tor und wartete darauf, dass Windy sie abholte.
Schließlich kam Windy an. Als sie Berthas blasses Gesicht sah, wurde sie sehr besorgt.
„Bertha, was ist passiert?“ fragte Windy und setzte sich neben sie. Als sie das Blut an Berthas Bein sah, liefen ihr die Tränen. „Wo ist Derek?“
Bertha wollte etwas sagen, aber sie war zu erschöpft. Ihre Augen fielen zu, und sie verlor das Bewusstsein. Windy stützte sie schnell und legte eine Hand auf ihre Stirn – Bertha hatte Fieber.
„Warum kümmert sich Derek nicht um dich, wenn du so krank bist?“ murmelte Windy wütend. Sie hatte keine Zeit, ihn zur Rede zu stellen.
Windy half Bertha auf den Rücksitz und stellte das Gepäck in den Kofferraum. Dann sah sie noch einmal auf das riesige Haus, schüttelte den Kopf voller Frustration, stieg ins Auto und fuhr direkt ins Krankenhaus.