Kapitel 4

1175 Worte
Mrs. Victoria war überglücklich, als ihr Sohn sich von Bertha scheiden ließ. Sie war der Meinung, dass Bertha ihren Platz nicht kannte – ein Waisenmädchen wie sie konnte doch niemals zu ihrem außergewöhnlichen Sohn passen. Derek jedoch presste die Lippen zusammen, seine Stimmung stand im völligen Gegensatz zur Begeisterung seiner Mutter. Er fühlte sich unwohl – und verspürte ein unerklärliches Schuldgefühl. Zuvor hatte er gedacht, Bertha würde sich nicht so leicht auf eine Scheidung einlassen. Deshalb hatte er drei Millionen Dollar und eine Villa als Entschädigung vorbereitet. Doch dieses Mal war sie es, die die Scheidung eingereicht hatte – und sie verlangte keinen einzigen Cent.Nach der Scheidung würde sie ohne Geld, ohne Familie dastehen. Wie sollte sie in Zukunft leben? Derek nahm an, sie sei eine Waise, denn sie hatte nie über ihre Verwandten gesprochen. Er lockerte traurig seine Krawatte, und in seinem Inneren tauchten Berthas Augen auf – kalt wie Eis –, so wie sie ihn beim Abschied angesehen hatte. Oft hatte er sie schlecht behandelt, und dennoch hatte sie alles schweigend ertragen. Aber dieses Mal... warum war sie so entschlossen, zu gehen? Und dann tat sie auch noch so, als wäre sie stark, als bräuchte sie kein Geld. Glaubte sie wirklich, sie könne ohne Geld überleben? Er wollte sich eigentlich nicht mehr um ihr Leben kümmern, doch eine unerklärliche Enge stieg in seiner Brust auf. Von Anfang bis Ende hatte er dieses seltsame, unausgesprochene Gefühl von Zorn und Unruhe. Derek griff zum Telefon und sagte zu Cadell:„Finde Bertha. Sobald du etwas über sie erfährst, melde dich sofort bei mir.“Dann legte er auf. Bertha suchte im Internet nach der Adresse der Angle Group. Mit ihrem Gepäck machte sie sich auf den Weg und nahm ein Taxi dorthin. Wenn sie das Unternehmen übernehmen sollte, dann wollte sie zuerst die Situation vor Ort verstehen – und dann so schnell wie möglich die Leitung übernehmen. Als sie die Empfangshalle des Unternehmens betrat, ging sie direkt zum Empfang und sagte:„Bitte informieren Sie den derzeitigen Präsidenten, dass ich ihn sprechen möchte.“ Der Gesichtsausdruck der Empfangsdame erstarrte sofort. Sie musterte Bertha von Kopf bis Fuß. Obwohl Bertha ein hübsches Gesicht hatte, waren ihre Kleider schlicht und altmodisch. Und gleich zu Beginn zu verlangen, den Präsidenten zu sprechen – das war wirklich dreist. „Haben Sie einen Termin?“ Bertha schüttelte den Kopf. „Nein.“ Die Empfangsdame lachte spöttisch. „Sehen Sie sich mal an. Woher kommen Sie, dass Sie glauben, Sie könnten einfach so mit dem Präsidenten sprechen?“ Ihre Worte ließen Bertha die Stirn runzeln. „Ist das die Art, wie Sie normalerweise Besucher empfangen?“ Die Empfangsdame musterte sie erneut und war sich nun sicher, dass Bertha keine vornehme Dame, sondern höchstens eine Frau war, die auf ihr Aussehen setzte, um Geld zu verdienen. „Eine Besucherin? Sie? Wissen Sie überhaupt, dass unser Präsident über hundert Millionen wert ist? Glauben Sie, eine wie Sie dürfte ihm überhaupt nahekommen?“ Bertha wurde wütend. Wenn es um Rang und Vermögen ging, konnte sie mit Leichtigkeit über den Direktor dieser Firma hinausgehen. Doch sie hielt ihren Zorn zurück und sagte ruhig: „Stellen Sie bitte eine Verbindung zu Ihrem Vorgesetzten her und sagen Sie ihm, dass ich angekommen bin. Wenn er mich nicht empfängt, übernehme ich die volle Verantwortung für die Folgen.“ Die Empfangsdame wollte schon wieder spötteln, doch Berthas kalter, scharfer Blick ließ sie verstummen. „Na schön. Wie Sie wünschen.“ Sie griff zum Telefon und rief ihren Manager an, während sie Bertha mit überheblichem Blick ansah.Innerlich konnte sie es kaum erwarten, zu sehen, wie Bertha gleich von der Security hinausgeworfen würde. Doch dann... Das Lächeln auf ihrem Gesicht gefror. Sie starrte Bertha fassungslos an – mit einem Ausdruck ungläubiger Überraschung. Bertha sah ihren Blick und ahnte, was am anderen Ende der Leitung gesagt worden war. „Welches Stockwerk?“, fragte sie mit einem leisen Lächeln. „27. Stock.“ Nachdem sie die Nummer erfahren hatte, nahm Bertha ihr Gepäck und ging direkt zum Aufzug. Die Empfangsdame starrte ihr hinterher, wie versteinert. Was für einen Hintergrund hatte diese Frau, dass Alex, der persönliche Assistent des Präsidenten, so respektvoll mit ihr sprach? War sie etwa... die Geliebte des Präsidenten? Innerhalb weniger Minuten verbreitete sich das Gerücht im ganzen Unternehmen. Bertha erreichte ohne Schwierigkeiten das oberste Stockwerk. Sie stieß die große Tür zum Büro des Präsidenten auf – und der Mann, der auf dem Ledersofa saß, erhob sich sofort und kam auf sie zu. Er trug einen blauen Anzug, strahlte natürliche Autorität aus und sah Bertha mit einem warmen, leuchtenden Lächeln an. „Kleines Mädchen, lange nicht gesehen. Glückwunsch zur Scheidung.“ Seine Stimme war tief, mit einem Anflug von Zuneigung. „Großer Bruder?“ Die Ecken von Berthas Augen wurden rot. Sie war völlig überrascht – sie hatte nicht erwartet, dass der aktuelle Präsident der Angle Group ihr dritter Bruder Venn war. Sie ließ ihr Gepäck fallen und lief auf ihn zu, um ihn fest zu umarmen. „Großer Bruder, ich habe dich so vermisst!“ Sie legte ihren Kopf an seine Brust. Drei Jahre waren vergangen, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte – und doch war sie immer noch dieselbe verwöhnte kleine Schwester wie früher. Venn lächelte und strich ihr sanft über das Haar. Für seine kleine Schwester wollte er immer nur das Beste. „Diesmal ist deine Rückkehr eine gute Sache, meine kleine Prinzessin. Die Familie Tibble hat dich schlecht behandelt – darum werde ich mich kümmern.“ Als sie den kalten Ausdruck in seinem Gesicht bemerkte, wechselte sie rasch das Thema. „Bruder, Vater und ich haben eine Vereinbarung getroffen. Vater will, dass ich die Gewinne der Angle Group innerhalb eines Jahres verfünffache. Du musst mir helfen.“ Venn führte sie zum Sofa und sagte: „Für dich ist das nicht unmöglich, aber Vater hat mir ausdrücklich verboten, dir einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Ich darf dich unterstützen, aber die Entscheidungen musst du selbst treffen.“ Berthas Gesichtsausdruck wurde sofort trüb. Ihr Bruder war einer der mächtigsten Männer der Unterhaltungsbranche – ein einziger Wink von ihm konnte das gesamte Geschäft erschüttern. Seine Medienimperien reichten längst über die Landesgrenzen hinaus. Ein einziger Anruf von ihm könnte den Wert der Angle Group sofort verzehnfachen. Aber Vater befürchtete, sie würde schummeln. Venn sah ihren niedergeschlagenen Ausdruck, lächelte, zwickte sanft in ihre Wange und sagte:„Dumme kleine Schwester, das ist eine gute Übung für dich. Außerdem bin ich froh, dass ich den Posten des Interimspräsidenten endlich abgeben kann.“ „Kündige nicht so schnell!“, rief Bertha und hielt ihn zurück. Venn sah sie verwundert an. „Warum?“ Bertha legte nachdenklich eine Hand an ihr Kinn. Nach einem Moment blinzelte sie schelmisch zu ihm. „Ich habe ein sehr verlockendes Angebot – hör es dir an.“ Venn betrachtete den listigen, fuchsartigen Ausdruck in ihrem Gesicht. Eine Stunde später hatten sie eine Einigung erzielt. Weniger als fünf Minuten danach erhielten alle Mitarbeiter der Angle Group eine dringende Mitteilung: Bald wird eine neue, geheimnisvolle Geschäftsleiterin ihr Amt antreten.
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