Kapitel 3

1239 Worte
Bertha verließ das Gebäude und blieb einen Moment stehen, um in den blauen Himmel zu schauen. Ein unerklärliches Gefühl der Erleichterung breitete sich in ihrem Herzen aus. Sie ging zu Windys Auto hinüber und stieg ein. Als sie sah, wie Windy konzentriert auf ihrem Handy tippte, schwieg sie und setzte sich still hin. „Bist du fertig?“, fragte Windy, nachdem sie ihr Handy ausgeschaltet hatte, und sah Bertha erwartungsvoll an. „Alles ist vorbei.“ Nachdem sie das gesagt hatte, lehnte Bertha den Kopf an und blickte aus dem Autofenster. Sie betrachtete die Blätter auf der Straße, die langsam gelb wurden, und fuhr fort: „Windy, morgen früh gehe ich mit ihm vor Gericht.“ Windys Hand, die das Lenkrad hielt, zitterte leicht. Sie drehte den Kopf und warf Bertha einen Blick zu. Ihre Augen leuchteten auf, als sie sagte: „Ich bin froh, dass du endlich zur Vernunft gekommen bist. Lass uns nach Hause fahren. Ich habe deinem Vater und deiner Stiefmutter von deinem Problem erzählt. Sie waren sehr besorgt um dich, aber auch erleichtert, dass du dich für die Scheidung entschieden hast.“ Ein trauriger Ausdruck huschte über Berthas Gesicht. Sie wusste, dass sie ihren Vater enttäuscht hatte. Damals war in ihrem Herzen nur Derek gewesen – sie war wie eine Närrin, die alles aufgab, um der Liebe hinterherzulaufen. Sie hörte nie auf die Ratschläge anderer. „Ich bedauere, was ich ihnen angetan habe. Jetzt weiß ich, wer Derek wirklich ist. Ich will nichts mehr mit ihm oder seiner Familie zu tun haben.“ Windy bemerkte, dass Bertha still geworden war. Heimlich warf sie ihr einen Blick zu. Sie fürchtete, Bertha würde noch immer an Derek hängen, wenn sie sah, wie Bertha aus dem Fenster blickte. Also wechselte sie schnell das Thema und rief: „Wenn du geschieden bist, gehen wir in Bars, shoppen, reisen – wir leben wieder wie früher, als wir Single waren!“ Die Mundwinkel von Bertha hoben sich leicht, als sie Windys Worte hörte. Sie drehte sich zu ihr und sagte: „Einverstanden, wir werden Spaß haben.“ Als Windy sah, dass Bertha anscheinend nicht mehr an Derek dachte, wurde ihr Lächeln noch breiter. Am nächsten Morgen gingen Bertha und Derek gemeinsam zum Volksgericht. Als Bertha ankam, stand Derek bereits im Eingangsbereich. Bertha trug schlichte Straßenkleidung, während Derek in einem eleganten schwarzen Anzug dastand – ein ungleiches Bild, das die neugierigen Blicke der Umstehenden auf sich zog. Doch Bertha kümmerte das nicht. Sie wollte nur, dass alles schnell vorbei war. Nach nur zehn Minuten war diese schwere Ehe endlich beendet. Als sie auf die Scheidungsurkunde in ihrer Hand blickte, flackerte Panik in Berthas Augen. „Ich hoffe, du wirst von nun an gut leben.“ Die kalte Stimme kam von der Seite. Als Bertha den Kopf hob, war die Gestalt des Mannes schon verschwunden – ohne ein Wort, ohne einen Blick, als hätte es ihn nie gegeben. „So ist es besser“, murmelte sie lächelnd und schüttelte den Kopf. Wenn er so gefühllos war, dann wären sie, sollten sie sich jemals wiedersehen, nur noch Fremde. Jetzt, da sie frei war, würde sie keinen herzlosen Mann wie Derek mehr bemitleiden – und sich erst recht nicht mehr von der Familie Tibble verspotten lassen. Sie schob die Gedanken beiseite und verließ das Gerichtsgebäude. Plötzlich hielt ein schwarzer Bentley, eine limitierte Business-Edition, direkt vor ihr. Die Autotür öffnete sich, und ein mittelalter Mann mit leicht silbernem Haar, umgeben von vier Leibwächtern, kam auf sie zu. Als Bertha ihn erkannte, hob sie leicht das Kinn, und eine natürliche Noblesse ging von ihr aus. „Ich bin gerade geschieden, und jemand holt mich ab? Hat mein Vater dich geschickt?“ Butler Smith verneigte sich leicht und sprach dann: „Ja, Miss. Miss Windy hat dem Chef alles erzählt. Die vereinbarte Frist von drei Jahren zwischen Ihnen und dem Chef ist nun abgelaufen.“ Er machte eine kurze Pause, warf einen Blick auf die Scheidungsurkunde in Berthas Hand und sagte bedauernd: „Es scheint, Sie konnten Derek nicht dazu bringen, Sie zu lieben. In diesem Fall sollten Sie Ihr Versprechen halten und nach Stadt Y zurückkehren, um das Familienunternehmen zu übernehmen.“ Bertha runzelte die Stirn und schwieg lange. Drei Jahre zuvor war sie auf einer Reise in Stadt X gewesen, hatte Derek zufällig kennengelernt und sich in ihn verliebt. Sie hatte beschlossen, ihn zu heiraten – um jeden Preis. Daher hatte sie mit ihrem Vater vereinbart: Wenn sie Derek innerhalb von drei Jahren nicht dazu bringen konnte, sie zu lieben, würde sie als Erbin der Familie Griselda zurückkehren. Rückblickend waren diese drei Jahre, wegen eines Mannes, der sie nicht liebte, reine Verschwendung. „Der Chef vermisst Sie sehr, Miss. Bitte kommen Sie mit mir. Machen Sie ihn nicht länger wütend...“, sagte Mr. Smith. Bertha unterbrach ihn, ihre Stimme wurde kälter. „Abgesehen von ihm gibt es auch noch diese Frau. In der Familie Griselda mangelt es nicht an Menschen – ich bin überflüssig. Es gibt genug Arbeit in Stadt X, ich werde nicht zurückkehren.“ Bertha wollte nicht zurück, vor allem, um ihrer Stiefmutter nicht zu begegnen – diese hatte sie nie gemocht. Mr. Smith seufzte. „Der Chef hat es geahnt – dass Sie nicht so leicht zurückkehren würden.“ Dann griff er in seine Tasche und zog eine schwarze Diamantkarte hervor. „Hier ist Ihre Karte, darauf befinden sich drei Milliarden Dollar.“ Er gab ein Zeichen an den Leibwächter hinter sich. Der brachte schnell einen Vertrag und legte ihn Bertha in die Hand. Mr. Smith sagte: „Ihr Vater meinte, wenn Sie nicht zurückkehren, sollen Sie die Leitung der Angle Group, einer Tochtergesellschaft der Griselda Group in Stadt X, übernehmen und den Gewinn des Unternehmens in diesem Jahr verfünffachen.“ Da Bertha nicht nach Hause wollte, um ihrer Stiefmutter zu begegnen, nahm sie das Angebot ihres Vaters an. Sie nahm den Stift, unterschrieb den Vertrag und erhielt die mächtige Karte mit einem Guthaben von drei Milliarden Dollar. Sie betrachtete die Kreditkarte, lachte leise und schüttelte den Kopf. Noch vor wenigen Minuten hatte sie weniger als zehn Dollar in der Tasche – nicht einmal genug für ein Taxi – und musste bei Windy mitfahren. Jetzt hielt sie eine Karte in der Hand, auf der Milliarden lagen. Welch ein Glück. Aufgrund der früheren Vereinbarung mit ihrem Vater war ihr Konto eingefroren, und sie musste ihre wahre Identität verbergen – sonst wäre das als Vertragsbruch gewertet worden. Die Familie Tibble hatte sie verachtet, sogar die Hausangestellten. Wenn sie wüssten, dass sie die einzige Tochter der Griselda-Familie war – Bertha Griselda – eine Milliardärin, eine der reichsten Frauen des Landes... was würden sie wohl denken? Sie erinnerte sich noch an die Tage im Hause Tibble, als sie einst vor ihrer Schwiegermutter auf den Knien lag und sie um Geld bat, um einer Freundin zu helfen. Mrs. Victoria hatte hochnäsig eine Platin-Karte hervorgezogen – nicht, um sie ihr zu geben, sondern um zu prahlen:„Rate mal, wie viel Geld hier drauf ist? Hundert Millionen Dollar! So viel wirst du in deinem ganzen Leben nie sehen.“ „Ich würde dieses Geld lieber für Hundefutter ausgeben, als es dir zu leihen. Denn in meinen Augen ist deine Freundin nicht einmal so viel wert wie ein Hund.“ Bertha ballte die Faust, und ein Anflug von Spott huschte über ihre Augen. Wenn sich die Gelegenheit ergab, würde sie all jene bestrafen, die sie gedemütigt hatten.
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