Der Anruf kam kurz vor Sonnenaufgang. Iris hatte nicht geschlafen. Sie saß am Fenster, die Stadt in stahlgraues Licht getaucht, und umklammerte Sandras Strickjacke wie eine Reliquie. Ihr Körper war ausgehöhlt, doch ihr Verstand hörte nicht auf zu kreisen und trieb sie immer wieder durch Worst-Case-Szenarien, bis ihre Brust sich anfühlte, als würde sie zerspringen. Das Telefon klingelte. Die Nummer war unterdrückt. Ihr Magen verkrampfte sich, ihre Hand zitterte, als sie sie ans Ohr hob. „Guten Morgen, kleine Iris“, schnurrte Ruben mit vor Zufriedenheit öliger Stimme. „Wie fühlt es sich an? Zu wissen, dass deine Schwester lebt, aber nur, weil ich es zulasse?“ Iris stockte der Atem. „Bitte – tu ihr nicht weh. Sag mir, was du willst.“ Er kicherte. „Direkt zur Sache. Das gefällt mir. Sehr

