Die Uhr an der Wand tickte, ihr Geräusch wurde mit jeder Sekunde lauter. Iris saß zusammengerollt auf der Sofakante, Sandras Strickjacke lag auf ihrem Schoß. Sie hatte sie ein Dutzend Mal gefaltet und wieder zusammengefaltet und an ihre Brust gedrückt, als könnte der Stoff noch immer die Wärme ihrer Schwester tragen. Doch in der Wohnung blieb es still. Zu still. Sie hatte sich schon hundert Ausreden einfallen lassen. Vielleicht war die Dialyse zu spät dran. Vielleicht war Sandra in der Apotheke. Vielleicht ruhte sie sich im Krankenhaus aus, zu schwach, um nach Hause zu kommen. Doch jede Ausrede löste sich mit jedem unbeantworteten Anruf, jedem hohlen Klingelton auf der Mailbox auf. Um Mitternacht war die Panik voll ausgebrochen, wild und erstickend. Sie rief zuerst im Krankenhaus an, m

