Maya stieg aus dem alten Toyota ihrer Mutter und atmete tief die salzige Luft ein. Der Geruch von Meer, Tang und feuchtem Asphalt schlug ihr entgegen wie eine alte, halb vergessene Umarmung. Der kleine Küstenort an der Nordsee hatte sich kaum verändert – dieselben grauen Häuser mit den roten Ziegeldächern, dieselben engen Gassen, die vom Hafen hinauf zum Marktplatz führten, dieselben Möwen, die kreischend über den Dächern kreisten. Und doch fühlte sich alles fremd an. Oder vielleicht war sie die Fremde geworden. Sie zog den Reißverschluss ihrer abgewetzten Regenjacke höher. Anfang Oktober, der Wind hatte schon Zähne. Der Parkplatz vor dem „Edeka Meyer“ war halb leer; nur ein paar Fahrräder lehnten schief an der Mauer, und ein rostiger Pick-up mit Angelausrüstung auf der Ladefläche stand q

