Kapitel Zwei
»Du musst ja nicht mitkommen«, wiederholte ich zum fünften Mal und warf Jay einen verärgerten Blick zu. Ich hatte den Fehler gemacht, ihm eine SMS mit meinen Plänen zu schreiben, und er tauchte zwanzig Minuten später vor meiner Haustür auf, gekleidet für den Klub, aber mit dem Ziel, mich vom Dahingehen abzubringen.
»Wenn du gehst, gehe ich auch«, entgegnete er hartnäckig. »Ich denke zwar nicht, dass einer von uns beiden das tun sollte, aber, Kleine, du bist verrückt, wenn du glaubst, dass ich dich alleine gehen lasse.«
»Du willst doch nur, dass dein Name unter dem Artikel steht«, scherzte ich und schwang meinen Kopf mit dem schulterlangen Haar nach unten, um Styling-Mousse einzuarbeiten. Meine rotblonden Haare waren von Natur aus fein und glatt, aber wenn ich genug festigende Produkte benutzte, konnte ich ein paar sexy Wellen hineinkneten. Sexy war kein Look, den ich normalerweise wollte, aber in diesem Fall war er wichtig. Die Krinar sahen nicht einfach nur menschenähnlich aus, sondern waren geradezu umwerfend … und nach dem, was ich online gelesen hatte, wollten sie, dass ihre menschlichen Sexualpartner fast so gut aussahen wie sie.
Ich war mir ziemlich sicher, dass ich dieses Kriterium nicht erfüllte, aber ich hoffte, dass ich mit genügend Make-up und Kontaktlinsen statt Brille hübsch genug aussehen würde, um in den Klub hineingelassen zu werden.
»Unsere Namen werden die Geschichte sein«, sagte Jay dunkel. »Ich kann es schon jetzt sehen: Zwei vermisste Journalisten, zuletzt gesehen bei der Jagd auf Außerirdische im Meatpacking District.«
»Ach, bitte.« Ich richtete mich auf und begann, Wimperntusche auf meine langen braunen Wimpern aufzutragen. »Seit wann hast du Angst, in einen Klub zu gehen? Du machst die ganze Zeit verrückte Sachen …«
»Ja, aber ich tue es aus Spaß, und nicht, um mich vor unserem idiotischen Boss zu beweisen. Und kein Trinken oder Feiern, egal wie heftig, ist vergleichbar mit dem Versuch, einen Sexklub von Außerirdischen auszuspionieren. Du kannst den Unterschied zwischen zur Entspannung ein bisschen Gras rauchen und dem hier auch sehen, oder nicht?«
»Ja, ja, ja«, murmelte ich und trug Rouge auf meine blassen Wangen auf. »Wie ich dir schon sagte, habe ich dir nur eine Nachricht geschickt, damit jemand weiß, wo ich bin. Du musst nicht mitkommen.«
»Doch, das muss ich.« Jay warf mir einen Komm-mal-klar-Blick zu. »Du bist mein einziger weiblicher Freund. Denkst du, ich würde dich auf einem Raumschiff entführen lassen?«
»Sie leben in Siedlungen auf der Erde, Dummerchen.« Ich grinste ihn im Spiegel an. »Warum sollten sie mich auf einem Raumschiff mitnehmen?«
»Wer weiß?«, sagte er und ließ sich auf meine Couch fallen. »Vielleicht mögen sie süße, grünäugige Blondinen, die eine Brille tragen, um klüger zu wirken.«
»Mmm, ja. Dann bin ich genau ihr Typ.« Lachend fuhr ich mit meinen Händen an meinem blauen, körperbetonten Kleid hinunter. Mit meinen ausladenden Hüften war ich nicht gerade ein Modeltyp, obwohl ich mit meiner Figur im Allgemeinen zufrieden war. Es half, dass meine Ex-Freunde einen runderen Po sehr gemocht hatten; einer von ihnen behauptete sogar, es sei sein Lieblingsteil meines Körpers.
»Man kann nie wissen«, beharrte Jay. »Ernsthaft, Amy, ich wünschte, du würdest es dir noch einmal überlegen. Ist dir klar, dass sie in diesem Klub absolut alles mit dir machen können, ohne dass irgendjemand sie daran hindert? Unsere Gesetze gelten für sie nicht. Sie können dich töten, und niemand würde auch nur blinzeln, Vertrag hin oder her. Das verstehst du, oder?«
»Natürlich tue ich das.« Ich hatte langsam genug von diesem Gespräch. Manchmal konnte Jay wie ein Hund mit seinem Knochen sein. »Ich bin doch nicht von gestern. Ich weiß, wie gefährlich die Krinar sein können. Ich habe diese Videos gesehen, in denen Menschen in Stücke gerissen wurden, und ich habe die Augenzeugenberichte gelesen. Aber wir sind Journalisten. Wir sollten Dinge erforschen, wichtige Wahrheiten aufdecken und ans Licht bringen, auch wenn damit ein Risiko verbunden ist. Wir haben diesen Beruf nicht gewählt, damit wir über Welpenzwillinge oder gesellschaftliche Hochzeiten schreiben oder was auch immer Gable uns zuweist. Wir müssen echte Berichterstattung machen, Jay – und das ist unsere Chance.«
Ich hielt inne und sah ihn ruhig an. »Ich mache das – und du kannst entweder mitkommen oder nach Hause gehen.«