Kapitel Drei
»Okay, das ist das Restaurant«, sagte ich, als unser Taxi vor einem schick aussehenden Hotel stehenblieb. Laut Google befand sich das Restaurant auf dem Dach des Gebäudes. »Was jetzt?«
»Jetzt gehen wir in ein paar echte Nachtklubs und vergessen diesen Wahnsinn«, sagte Jay, stieg aus dem Taxi und öffnete die Tür für mich. »Du hast dich ja bereits in Schale geworfen, es ist also perfekt. Wir werden einen Riesenspaß haben, genau wie letztes Wochenende.«
Ich stieß einen verärgerten Atemzug aus. »Ich werde das letzte Wochenende für lange Zeit nicht wiederholen. Das habe ich dir schon gesagt. Und wir sind nicht hier, um zu feiern, wir sind hier, um zu beobachten.«
»Richtig, natürlich.« Jay klang mürrisch. »Wir werden nur einige Außerirdische beobachten, denen es nichts ausmacht, dass wir ihre Geheimnisse veröffentlichen wollen.«
Ich ignorierte ihn und versuchte herauszufinden, wo der Klub »gegenüber, auf der anderen Straßenseite« sein könnte. Um mich herum wimmelte es von schönen Menschen. Meatpacking war das Klubviertel von Manhattan. Models, Prominente, Wall Streeters und alle anderen vermischten sich auf den Kopfsteinpflasterstraßen und in angesagten Klub-Lounges und versuchten, sich mit Designertaschen und -kleidung gegenseitig zu übertreffen. Musik dröhnte aus mehreren offenen Türen, und betrunkene Mädchen stolperten in himmelhohen Absätzen herum, kicherten und flirteten mit jedem Mann in Sichtweite.
Ich musste zugeben, dass die Krinar clever waren, ihren Klub hier anzusiedeln; bei all den glitzernden Menschenmassen konnte sogar ein Krinar unbemerkt bleiben.
Während ich das Gebäude auf der anderen Straßenseite betrachtete, sah ich eine Gruppe großer, langbeiniger Frauen, die sich einer bescheidenen braunen Tür näherten. Es gab kein Schild über ihr, nichts, was verriet, um welche Art von Einrichtung es sich handelte. Eine der Frauen klopfte an, und die Tür schwang auf, um die Gruppe hereinzulassen. Dann schloss sich die Tür sofort wieder.
Meine Große-Story-Instinkte wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. »Da«, sagte ich, packte Jays Arm und schleifte ihn praktisch über die belebte Straße.
»Woher weißt du das?« Seine Stimme hatte einen ängstlichen Unterton. »Hast du einen von ihnen gesehen?«
»Nein.« Ich ignorierte das Hupen von Taxis, als ich vor mehrere Autos lief, die bremsen mussten. »Aber ich glaube, ich habe ein paar Frauen gesehen, die ihr Typ sein könnten.«
»Ihr Typ?«
»Krinarartig«, erklärte ich und schlängelte mich durch die Menschenmassen auf dem Bürgersteig. »Groß, wunderschön … wie Supermodels.«
»Das hat nichts zu bedeuten …«
»Wir probieren das einfach mal«, unterbrach ich ihn und blieb vor der braunen Tür stehen. Ich wandte mich Jay zu und fragte: »Bereit?«
»Nein«, sagte er mürrisch, aber ich klopfte schon an die Tür.
Ein paar Sekunden lang passierte nichts. Dann öffnete sich die Tür leise und gab den Weg in einen schmalen Flur frei.
»Okay, weiter geht’s«, flüsterte ich Jay zu und trat ein.
Er folgte mir ohne ein weiteres Wort.
Als wir leise durch den Flur gingen, spürte ich, wie mein Herzschlag schneller wurde. War es möglich, dass ich sie tatsächlich persönlich treffen würde? Die Eindringlinge, die ich bisher nur im Fernsehen gesehen hatte?
Der Flur endete vor einer weiteren Tür – einer in einer metallisch grauen Farbe. Sie war verschlossen, also klopfte ich wieder an, da ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte.
Dann wartete ich.
Und wartete.
Und wartete.
»Ich glaube nicht, dass sie uns reinlassen werden«, flüsterte Jay nach einer Minute. »Vielleicht sollten wir gehen.«
»Noch nicht«, flüsterte ich zurück. Ich wollte es nicht zugeben, aber jetzt, da wir hier waren, wurde ich auch langsam nervös. Das volle Ausmaß dessen, was wir taten, fing langsam an, mir zu dämmern. Wenn dies tatsächlich der X-Klub war, von dem ich gehört hatte, dann waren auf der anderen Seite dieser Tür Wesen von einem anderen Planeten – von einer alten Zivilisation, die angeblich das Leben auf der Erde gesät hatte.
Mein Herz pochte jetzt in meinem Hals.
Ich sammelte meinen ganzen Mut, klopfte wieder an und rief: »Hallo?«
Jay schluckte hörbar neben mir, und sein Gesicht erblasste.
»Hallo?«, rief ich noch einmal, diesmal lauter. Nervös oder nicht, ich wollte nicht gehen, bis ich alles versucht hatte.
»Amy, lass uns gehen …«
Die Tür glitt leise auf.
Ein Mann stand da, und seine große, breitschultrige Gestalt nahm den größten Teil der Tür ein. Im schlechten Licht konnte ich von seinem Gesicht nur hohe Wangenknochen und einen Kiefer sehen, der aussah, als sei er aus Granit geschnitzt. Seine Augen glitzerten dunkel unter dicken Augenbrauen, und seine Kleidung war hell, fast weiß.
Überwältigt starrte ich ihn an. Könnte es sein …? Könnte er …?
Der Mann lächelte, und seine Zähne blitzten in seinem gebräunten Gesicht weiß auf. »Willkommen«, sagte er leise, trat beiseite und bedeutete uns mit einer Handbewegung, einzutreten.