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1222 Words
Das Abendessen verlief quälend still. Das einzige Geräusch war das Klirren des Bestecks auf den Tellern, während die drei Geschwister schweigend aßen. Nicole warf Matteo einen Blick zu. Er wirkte ungewöhnlich angespannt. Es schien, als laste etwas Schweres auf seinem Herzen. „Matteo?“, sagte Nicole leise. Er hob den Blick von seinem Teller. „Ja?“ „Ich weiß, dass wir uns vorhin ziemlich danebenbenommen haben. Es tut mir leid.“ Nicole wandte sich Letty zu, die gleichgültig wirkte. „Letty ...“ „Schon gut“, grummelte Letty. „Tut mir leid.“ Matteo verstand, warum Letty so wütend war. Ihre Ehe war wegen Romilda zerbrochen. Und nun hatte Matteo zugestimmt, Romilda zu heiraten. Wie hätte Letty darüber nicht wütend sein sollen? Für sie musste es so aussehen, als wäre Matteo ihr Schmerz völlig egal. Doch Matteo hatte an Letty gedacht. An Nicole. Sogar an ihre Mutter Anais. Er sorgte sich aufrichtig um sie alle. Er versuchte lediglich, die Familie zusammenzuhalten. Ob es ihnen gefiel oder nicht – die Verantwortung lag auf seinen Schultern. Wenn er Romilda nicht heiratete, würden Außenstehende die Kontrolle über das gesamte Firmenimperium übernehmen, das Caesar aufgebaut hatte. Es war grausam. Fast so, als würde Caesar seine Frau und seine Kinder für eine Sünde bestrafen, von der sie nicht einmal wussten, dass sie begangen worden war. „Schon gut“, sagte Matteo schließlich. „Ich möchte nicht mehr darüber nachdenken. Wir müssen nur noch eine Weile durchhalten ... damit wir endlich in Frieden leben können.“ Er machte eine kurze Pause. „Ohne Romilda.“ „Sie wird niemals aufhören, uns nachzustellen, Matteo“, sagte Letty und legte ihr Besteck hin. „Sie wird alles tun, um uns alles wegzunehmen.“ „Denkst du wirklich nur ans Geld?“, fuhr Matteo sie an. „Was haben wir denn sonst? Glaubst du ernsthaft, Romilda träumt von einem glücklichen Familienleben mit dir? Mach dich nicht lächerlich.“ Matteo schwieg einen Moment. „Ihre Mutter ist krank. Ich glaube nicht, dass sie so schlimm ist. Sie versucht nur, ihrer Mutter zu helfen, Letty.“ Letty und Nicole verstummten. Verwirrt sahen sie Matteo an. „Hat sie dir das erzählt? Und du glaubst ihr?“, fragte Nicole. „Nein. Ich habe es zufällig gehört. In ihrem Zimmer.“ „Romilda ist eine verdammt gute Schauspielerin, Matteo“, spottete Letty. „Glaubst du wirklich, sie würde in diesem Haus ihr wahres Gesicht zeigen?“ „Falle bloß nicht auch noch auf ihre Tricks herein! Wie viele Männer waren schon dumm genug, Romilda zu vertrauen? Einschließlich unseres Vaters“, fügte Nicole bitter hinzu. Sie stand auf und verließ wortlos das Esszimmer. Kurz darauf folgte Letty ihr. Matteo blieb allein zurück. Die Stille drückte schwer auf ihn. „Oh Gott ...“, flüsterte er. Er hatte die wahre Romilda einmal gekannt. Damals war sie ein zerbrechliches Mädchen gewesen, das Schmerz und Traurigkeit in sich getragen hatte. Sie hatte nie vorgegeben, jemand anderes zu sein. Matteo erinnerte sich daran, wie nahe sie sich einst gestanden hatten. Und wie süß sich ihre erste Liebe als Jugendliche angefühlt hatte. Doch nachdem alles geendet hatte – weil Matteo sich von ihr distanziert hatte –, hatte Romilda sich verändert. Alles, was sie danach getan hatte, wirkte wie eine verdrehte Form der Rache. Und das ließ Matteo sich noch schuldiger fühlen. War das Mädchen, das er einst geliebt hatte, wirklich verschwunden? War aus ihr tatsächlich ein Dämon geworden, der die Familie Cavanaugh bis an ihr Lebensende quälen wollte? Plötzlich hörte Matteo Schritte auf dem Flur. Eine Frau eilte am Esszimmer vorbei, ohne ihn auch nur anzusehen. „Romilda?“, murmelte Matteo. Er stand auf und folgte ihr. Seine Schritte stoppten an der Tür zur Küche, gerade als er sah, wie „Romilda“ durch die Hintertür verschwand. Wohin wollte sie um diese Uhrzeit? Vor allem nachdem sie gerade erst von der Hütte zurückgekehrt waren. „Wohin geht sie?“, murmelte er. Von Neugier getrieben beschloss er, ihr zu folgen. * Währenddessen eilte Rose ins Krankenhaus, ohne zu wissen, dass Matteo ihr folgte. Sie winkte ein Taxi heran und stieg hastig ein. Während der gesamten Fahrt betete sie für die Sicherheit ihrer Mutter. Das Krankenhaus hatte erneut angerufen. Der Zustand ihrer Mutter hatte sich plötzlich verschlechtert. Die Nachricht hatte Rose in Panik versetzt. Sobald sie ankam, rannte sie den Flur entlang zum Zimmer ihrer Mutter. Doch als sie die Tür aufstieß, erstarrte sie. Romilda war bereits dort. Sie stand mit kalter Miene neben ihrer bewusstlosen Mutter. „Was hast du mit Mama gemacht?“, fragte Rose vorwurfsvoll. „Gar nichts“, antwortete Romilda gelassen. Rose stürzte an das Bett ihrer Mutter und brach in Tränen aus. Ihr Zustand hatte sich doch verbessert. Warum wurde er plötzlich wieder schlechter? Nichts ergab Sinn. Rose drehte sich scharf zu Romilda um. „Was hast du mit ihr gemacht?“, fragte sie erneut. „Ich habe für die Behandlung deiner Mutter bezahlt“, sagte Romilda und tat beleidigt. „Ach komm schon, Rose. Glaubst du wirklich, ich würde so viel Geld ausgeben, nur damit sie stirbt? Welchen Sinn hätte das?“ „Warum geht es ihr dann so schlecht?“ Romilda zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Frag sie, wenn sie aufwacht.“ Vor Wut gepackt stürzte Rose auf Romilda zu und packte sie am Kragen. „Du abscheuliche Frau! Du hast mich in den Albtraum namens Familie Cavanaugh hineingezogen! Bist du verrückt? Affären hier, Affären dort?“ Ihre Stimme zitterte vor Zorn. „Oh, also haben sie es dir erzählt?“, fragte Romilda grinsend. „Wer denn?“ „Das spielt keine Rolle! Du bist widerlich! Du hattest Affären mit Matteos Vater und mit dem Ex-Mann seiner Schwester!“ Romilda hob eine Augenbraue. „Nein, hatte ich nicht. Genau deshalb musst du meinen Namen reinwaschen.“ Rose stieß sie gegen die Wand. Ihre Brust hob und senkte sich heftig. „Deinen Namen reinwaschen? Glaubst du wirklich, das wäre so einfach?“ Romilda schenkte ihr ein selbstgefälliges Lächeln. „Was willst du tun? Mich schlagen?“ „Das könnte ich! Das wäre sogar sehr einfach!“ „Aber es würde deine Mutter nicht retten.“ Romilda schob Roses Hand von sich weg. Egal wie stark oder mutig Rose war – wenn ihrer Mutter etwas zustieß, würde sie zerbrechen. „Ich weiß, du bist ein guter Mensch. Du bist unabhängig und hast Prinzipien.“ Romildas Sarkasmus tropfte wie Gift. „Aber was bringen dir Prinzipien ohne Macht oder Geld?“ Rose schluckte schwer und ballte die Fäuste. „Wenn du mir etwas antust, verlierst du, Rose. Sieh dir deine Mutter an. Sie ist wieder hilflos. Wie viel Geld wirst du noch bezahlen müssen? Ich wette, du kannst es dir nicht einmal leisten.“ Tränen brannten in Roses Augen. Doch sie zwang sich, sie zurückzuhalten. „Du wirst also mit mir kooperieren, nicht wahr, Rose? Vergiss einfach deine Moral. Was hat sie dir jemals gebracht?“ Bevor Rose antworten konnte, klopfte es an der Tür. Beide Frauen erstarrten. Sie tauschten einen Blick aus. Rose eilte zur Tür und legte ihr Ohr dagegen. „Wer ist da?“, fragte sie heiser. „Romilda? Ich bin's, Matteo.“ Rose und Romilda wurden gleichzeitig blass. Warum war Matteo im Krankenhaus?
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