Verrücktester Tag aller Zeiten…

1122 Words
In dem Moment, als meine Füße den Boden berührten, explodierte Schmerz in meinem Kopf. Es war kein dumpfer Schmerz. Es war scharf und gnadenlos, wie eine Klinge, die direkt durch meinen Schädel getrieben wurde, eine brutale Erinnerung daran, dass jede Wärme oder Illusion, an der ich festgehalten hatte, verschwunden war. Die Realität war zurückgekehrt, und sie kannte keine Gnade. Mein Blick schwamm, schwarze Flecken tanzten am Rand meiner Sicht, und ich schwankte, schaffte es gerade noch, den Bettrand zu greifen, bevor ich wieder zurückkippte. Für einen Moment überlegte ich, der Schwindel zu erliegen und mich fallen zu lassen. Alles stoppen zu lassen, aber Schwäche war ein Luxus, den ich mir nicht leisten konnte. Mit einem zitternden Atem zwang ich mich aufzurichten, mein Körper protestierte bei jeder Bewegung. Meine Gelenke fühlten sich steif an, meine Brust eng, mein Herz raste noch immer, als hätte es nicht realisiert, dass der Albtraum vorbei war. Oder vielleicht war er es nicht. Vielleicht hatte der Albtraum einfach nur seine Form geändert. Das Badezimmer schien unendlich weit entfernt, jeder Schritt schwer, als wären meine Füße in unsichtbarem Sand vergraben. Als ich schließlich den Spiegel erreichte und hinaufsah, erkannte ich kaum das Mädchen, das mir entgegenblickte. Meine Augen waren stumpf, überschattet von Erschöpfung und Trauer. Mascara hatte sich unter ihnen wie blaue Flecken verschmiert, und mein Lippenstift war verblasst, rissig und vom unruhigen Schlaf verwischt. Da traf es mich. Ich hatte mit Make-up geschlafen. Ein bitteres Lachen wollte fast meine Lippen verlassen, doch es starb, bevor es entstehen konnte. Selbst meine Gewohnheiten hatten mich verraten. Ich war immer sorgfältig gewesen, immer kontrolliert. Jetzt sah ich aus wie jemand, der eine Schlacht verloren hatte, ohne überhaupt seine Waffe gezogen zu haben. Genervt, erschöpft und emotional zerrüttet. Ich griff nach meinem Handtuch, tränkte es in Gesichtsseife und schrubbte mein Gesicht härter, als nötig, als könnte ich die Erinnerung an letzte Nacht zusammen mit den Farbflecken auslöschen. Meine Haut brannte unter der Reibung, aber ich nahm es hin. Schmerz war leichter zu ertragen als Schuld. Leichter als Herzschmerz. „Verschwinde“, murmelte ich leise, während die Schatten und der Lippenstift endlich verblassten. Danach putzte ich mir die Zähne, spülte wieder und wieder, versuchte die Bitterkeit von meiner Zunge zu waschen. Aber es war nicht nur der Geschmack. Es war Reue. Es war Angst und das Gewicht von Worten, die niemals zurückgenommen werden konnten. Mein Körper brannte immer noch. Nicht vom Training. Nicht von Erschöpfung, sondern von allem, was unausgesprochen geblieben war. Meine Gedanken waren rastlos, wild, weigerten sich zur Ruhe zu kommen. Also füllte ich die Badewanne mit kaltem Wasser, ignorierte, wie meine Hände zitterten, als ich den Wasserhahn aufdrehte. Als ich hineinschlüpfte, raubte der Schock mir den Atem. Die Kälte schnitt durch mich wie Eis, zog mich zurück in mich selbst. Ich keuchte, griff nach dem Porzellan. Lass es weh tun. Lass es mich daran erinnern, dass ich noch lebte. Langsam lehnte ich mich zurück und ließ die Kälte meinen Herzschlag beruhigen, den Sturm in meinem Kopf stillen. Der Silberwolf in mir regte sich, unruhig, aber wachsam, reagierte auf den Schock wie ein Wächter, der aus dem Schlaf erwacht. Erst nachdem das Zittern nachließ, wusch ich mich richtig, ließ das Wasser die letzten Fragmente der Schwäche forttragen. Nur dann atmete ich wieder richtig. Ich putzte mir erneut die Zähne, spülte den Mund, versuchte die Bitterkeit zu vertreiben, die sich auf meiner Zunge festgesetzt hatte. Sie haftete hartnäckig, nicht an meinen Geschmacksknospen, sondern an meiner Brust, schwer und ungelöst. Egal, wie viel Wasser ich benutzte, egal, wie oft ich schluckte und spuckte – das Gefühl blieb. Es war der Geschmack von Reue, von unausgesprochenen Worten und zu schnell getroffenen Entscheidungen. Mein Körper brannte immer noch, nicht von Fieber, sondern von Anspannung. Jeder Muskel fühlte sich angespannt, als hätte ich im Schlaf den Atem angehalten. Meine Gedanken kreisten unregelmäßig, weigerten sich, sich zu beruhigen. Also füllte ich die Badewanne erneut mit kaltem Wasser. Das Geräusch hallte im stillen Badezimmer, scharf und endgültig, wie eine getroffene Entscheidung. Als ich hineinschlüpfte, schockierte die Kälte meine Sinne. Sie raubte mir die Luft, zwang mich zum Keuchen, zog mich in die Gegenwart zurück. Meine Haut prickelte, die Nerven schrien, als protestierten sie gegen die Strafe, aber ich nahm es hin. Schmerz war erdend. Schmerz erinnerte mich daran, dass ich noch hier war, noch lebte, noch fähig, etwas zu fühlen, das kein Herzschmerz war. Ich lehnte mich gegen das Porzellan, ließ die Kälte in meine Knochen ziehen, beruhigte den Sturm in meinem Kopf. Mein Atem verlangsamte sich, mein Puls beruhigte sich, und erst dann erlaubte ich mir, die Augen zu schließen. Für einen Moment war ich nicht mehr die Tochter des Alphas, nicht mehr eine konfliktreiche Beta, nicht mehr das Mädchen, das das Herz eines Mannes zerbrochen hatte. Ich war nur ein Körper im Wasser, schwebend zwischen Stärke und Schwäche. Erst nachdem ich mich richtig gewaschen hatte, atmete ich wieder richtig. Danach zog ich meine Trainingskleidung an – schwarze Pyjamahosen, weiße Sneakers und meine schwarze Kappe. Ein Outfit, das mich daran erinnerte, wer ich war, wenn die Emotionen versuchten, meine Konturen zu verwischen. Ich reinigte meine Suite schnell, aber gründlich. Schmutzige Kleidung landete im Korb. Teller wurden gespült und gestapelt. Der Boden wurde mit gezielten Bewegungen gefegt. Jede Bewegung erdete mich. Jede Handlung erinnerte mich daran, dass die Kontrolle immer noch mir gehörte. Die Leute fragten sich immer, warum ich meine Magd diese Dinge nicht erledigen ließ. Sie dachten, es sei Stolz oder Rebellion. Sie lagen falsch. Dies war meine Disziplin. Ich weigerte mich, eine faule Beta zu werden, behütet durch Privilegien und weichgespült durch Komfort. Stärke musste verdient werden, nicht geerbt. Mein Vater herrschte durch Macht und Angst, aber ich herrschte über mich selbst durch Mühe und Entschlossenheit. Ja, dies war das Palast meines Vaters. Aber für mich war es ein Lager. Ein Ort der Tradition. Hierarchie und stilles Urteil. Und in dieser Welt wurden weibliche Wölfe noch immer als zerbrechlich gesehen. Dekorativ. Ersetzlich. Also arbeitete ich härter, leise und unerbittlich. Ich beklagte mich nie. Ich verlangsamte mich nie. Ich bat nie um Nachsicht. Als ich schließlich meine Suite verließ, zog sich meine Brust zusammen. Der Flur fühlte sich genau wie in meinem Traum an. Das Schicksal hatte wirklich keine Scham. Killian trat gleichzeitig aus seinem Zimmer, als hätte das Universum den Moment sorgfältig getimt, nur um mich zu prüfen. Unsere Blicke trafen sich. Seine Augen waren geschwollen. Rot umrandet und schwer von Trauer. Der Anblick raubte mir die Luft. Für eine Sekunde wartete ich. Ich wartete auf sein vertrautes Lächeln, auf die neckische Krümmung seiner Lippen. Auf diesen warmen Blick, der immer die Welt um mich herum zu erweichen schien. Ich wartete darauf, dass er nach einer Umarmung fragte, so tat, als sei alles normal.
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