~ Seraphina ~
Als ich aufwachte, war die Hütte verschwunden. Die raue Decke war etwas unglaublich Weichem gewichen. Ich lag in einem Raum, opulent und seltsam kalt.
Die Klimaanlage summte leise. Schwere, damastene Vorhänge, dunkel und reich, blockierten die Welt.
Das einzige Licht kam von einer einzelnen Stehlampe, warf einen goldenen Schein auf den Mann, der in einem plüschigen Sessel saß.
Alessandro.
Er saß vollkommen still, Augen auf mich gerichtet, dunkel und unergründlich. Das Lampenlicht modellierte die harten Flächen seines Gesichts, ließ ihn weniger wie den ernsten Jungen wirken, den ich erinnerte, und mehr wie ein Wesen aus Schatten und Stahl. Ein Raubtier.
Mein Herz begann wieder sein panisches Trommeln. Ich würde bald ohnmächtig werden, wenn die Spannung nicht nachließ. Ich wusste es.
„Seraphina“, rief er mit einem tiefen Grollen, das mir einen Schauer über den Rücken jagte – einen Schauer, der nichts mit der kalten Luft zu tun hatte. „Du bist endlich wach.“
Ich schlug die Decke zurück und schaute an mir herunter. Neues Nachthemd. Kein Slip, kein BH.
Er sah die Verwirrung in meinem Gesicht und sprach. „Ich habe dich nicht angezogen. Das haben die Zimmermädchen für mich erledigt“, sagte er.
Ich starrte ihn an, mein Kopf drehte sich, versuchte, den siebzehnjährigen Jungen, der nie mehr als ein Lächeln gesagt hatte, mit dem gewaltigen Mann vor mir in Einklang zu bringen. „Alessandro?“
„Der einzig Wahre“, bestätigte er, ein kaum wahrnehmbares, fast unsichtbares Lächeln spielte um seine Lippen. Es war kein freundliches Lächeln. Es war ein besitzergreifendes. „Hat lange genug gedauert, bis du mich erkannt hast. Obwohl ich annehme, du hast einiges durchgemacht.“
„Warum bin ich hier? Was willst du?“ Meine Stimme zitterte vor Trotz, und plötzlich stand ich auf.
Er beugte sich vor, Ellbogen auf den Knien. „Ich wollte dich damals retten, erinnerst du dich? Auf diesem verdammten Schulhof. Aber damals war ich nicht die Macht auf dem Campus. Dino war es. Mein Großvater lebte noch, und ich war nur ein Junge, ein Schatten des Mannes, der ich jetzt bin. Machtlos. Aber ich habe mir geschworen, damals und dort, dass ich, wenn ich je die Chance bekäme, wenn du je wieder gerettet werden müsstest… ich zurückkommen würde. Und jetzt bin ich zurück. Um dich zu holen.“
Seine Worte wickelten sich um mich wie ein seidener Strick, der sich mit jedem Wort enger zog. Er sprach nicht nur davon, mich vor Mark zu retten. Er sprach davon, mich für sich selbst zu retten.
„Mark… mein Freund… er wird nach mir suchen.“
Er wedelte abweisend mit der Hand. „Er ist weg. Entfernt. Und mach dir deinen hübschen kleinen Kopf nicht um ihn.“ Seine Augen glänzten. „Ich habe ihm einen Brief dagelassen. Unsere… Vereinbarung erklärt. Und ich habe deinen Eltern Geld geschickt, eine beträchtliche Summe. Mehr, als du ihnen je gegeben hättest. Einen Brief für sie auch, dass du eine Weile weg bist. Ein wohlverdienter Urlaub, oder nennen wir es ein Jobangebot?“ Er hielt inne, ließ die Worte schwer in der Luft hängen, voller unausgesprochener Bedeutung.
„Bist du verrückt?“, sagte ich zu ihm. Ich hatte keine Angst. Wer oder was er auch war.
„Heb nicht deine verdammte Stimme gegen mich!“, bellte er.
„Oh…“, sagte ich und beugte mich nah zu ihm. „Jetzt kann er reden?“
Er stand auf. Vor mir.
Ich sah ihn klar. Größer. Viermal so groß wie beim letzten Mal. Massiv. Geschmeidig. Hervortretende Brust. Flacher Bauch mit Sixpack, das durch seinen Torso schnitt. Dickere Bizeps und Trizeps, die seinen Armen diese Breite gaben, die in seine Schultern mündete.
„Ich bin jetzt der Anführer des Hauses Torricelli und allem, was damit verbunden ist. Du wirst nicht auf mich herabsehen“, sagte er.
„Oder was?“, fragte ich.
Er starrte zurück.
„Du musst mich gehen lassen! Du kannst mich nicht einfach… entführen! Du kannst mich nicht nehmen und erwarten, dass ich dich respektiere. Lass mich frei, Alessandro! Lass mich zurück in mein Leben!“
Er starrte mich einfach nur an. „Dein Leben, Seraphina? War dieses erbärmliche Dasein am Strand, mit diesem Schwein, wirklich dein Leben? Um Reste von Würde betteln? f**k nein! Das war kein Leben. Das war ein langsamer Tod. Und du, meine schöne, zerbrechliche Blume, bist für so viel mehr bestimmt.“ Er trat näher an mich heran. Er ging zum Fenster, zog eine Ecke des schweren Vorhangs gerade so weit zurück, dass ein Streifen grelles Tageslicht auf sein Gesicht fiel und die harte Realität meiner Lage beleuchtete.
Ich sah sein Gesicht klar. Er war es, aber eine rauere Version. Seine braunen Augen jetzt Feuer.
„Es liegt in meinem freien Willen. Und ich werde diese Freiheit nicht gegen diesen…“ Ich deutete auf seine Prahlerei. „Käfig eintauschen.“
„Dann bleibst du hier, bis du dich in mich verliebst“, sagte er.
Genug, um mir ein Schnauben zu entlocken. „Mich in dich verlieben? Warum sollte das irgendjemand tun? Warum sollte ich das tun? Du hast mich entführt!“, bellte ich.
„Ich habe dich aufgenommen“, schrie er und packte meine Schulter.
Er beugte sich auch vor. So nah, dass eine winzige Bewegung seine Lippen streifen würde. Ich spürte seinen heißen Atem.
Seine Lippen bewegten sich. Seine Augen blitzten. Er roch an mir. Seine Lippen streiften schließlich meine. Er wollte mich küssen.
Wollte er mich küssen? Mein Herz begann zu rasen.
„Ich höre deinen Herzschlag. Du bist dem Grab nah, Sera. Lebe dein Leben mit mir in Frieden, und ich verspreche dir, du wirst nicht mehr ohnmächtig werden.“
„Lass mich gehen!“, flüsterte ich.
Er stieß mich so hart, dass ich aufs Bett fiel. Meine Beine spreizten sich, das Nachthemd rutschte zur Seite und enthüllte meine p***y. Als mir das klar wurde, presste ich die Beine zusammen.
Er hatte es gesehen. Ich wusste es.
Er presste die Lippen zusammen.
Was? Mein Kopf drehte sich. Erst jetzt drangen seine Worte richtig zu mir durch. Er wollte, dass ich mich in ihn verliebe? Er liebte mich?
„Ich wusste, es würde schwer werden“, begann er. „Jetzt hast du 365 Tage, um dich in den Mann zu verlieben, der dir wahre Hingabe, wahre Leidenschaft zeigen wird. Den Mann, der dich vor jeder Vulgarität, jedem Verrat beschützen wird. Den Mann, der auf dich gewartet hat, seit du damals auf dem kalten, unbarmherzigen Schulhof in meine Arme ohnmächtig geworden bist.“ Er drehte sich um, seine Augen brannten in meine.
„Du träumst!“, sagte ich zu ihm.
„365 Tage. Wenn dein Herz mich bis dahin nicht gewählt hat… an deinem nächsten Geburtstag bist du frei. Zurück in diese erbärmliche Welt. Aber ich versichere dir, Seraphina, du wirst nicht wollen.“ Seine Stimme war Versprechen und Drohung zugleich. „Sobald der Vertrag besiegelt ist. Gehörst du mir.“
Ich stand auf dem Bett. Jetzt ein bisschen größer als er. Er hob die Augen zu mir. „365 Tage? Das ist zu wenig. Ein Jahrzehnt oder ein Jahrhundert würde reichen, und ich werde mich nicht in dich verlieben. Du Brutalo!“
Sein Gesicht verhärtete sich. Brauen zogen sich zusammen. Er war wütend.
„365 Tage, Seraphina. Wenn du mich bis zu deinem nächsten Geburtstag nicht liebst – wirklich, wahnsinnig, tief – dann lasse ich dich gehen.“
„Wir werden sehen“, sagte ich zu ihm.
Er drehte sich um. Ich dachte, er würde gehen. Ich wollte ihm folgen. Verhindern, eingesperrt zu werden. Aber er nahm ein Papier vom Hocker neben dem Sessel und reichte es mir. Darauf lag ein Stift.
Ich las es. Die Bedingungen waren klar.
365 Tage! Wenn bis dahin keine Liebe, frei!
Er würde mich nicht ohne meine Erlaubnis anfassen. Wenn doch, konnte ich frei gehen.
Ich würde ihm gehorchen und ihn nicht herausfordern und als Mitglied des Hauses Torricelli leben.
Eine Idee schwamm in meinen Kopf. Ich sah Lust in seinen Augen. Lust von einem Mann, der wirklich in mich verliebt war. Er würde mich anfassen. Wenn nicht, würde ich ihn verführen. Ich würde gewinnen, sagte ich zu mir selbst.
Ich unterschrieb und gab ihm das Papier zurück.
Er lächelte.
„In einer Stunde, bereit zum Aufbruch“, sagte er, während er sich umdrehte, um zu gehen.
„Aufbruch? Wohin?“, fragte ich.
„Nach Hause, Mexiko!“, antwortete er.
Die Tür knallte zu.