Sieben

1725 Words
Kapitel Sieben — Unheilige Ehe "Mädchen, du siehst einfach umwerfend aus!!", kommentierte Naya, eine von Biancas Freundinnen, ebenfalls ein Model, während sie mit ihren Händen den fantastischen Stoff von Biancas Hochzeitskleid befühlte. Bianca antwortete mit einem zufriedenen Lächeln, ihre Augen fest auf den Spiegel vor ihr gerichtet. Sie trug das exquisiteste Hochzeitskleid, das sie je gesehen hatte – und glauben Sie mir, als Model hatte sie weit mehr gesehen, als sie zählen konnte. Die trägerlose Meerjungfrauen-Silhouette schien wie für sie gemacht zu sein und schmiegte sich an genau den richtigen Stellen an ihre Kurven. Ein Grinsen stahl sich auf ihre Lippen. Andre würde definitiv auf die Knie fallen, wenn er das sah. Zarte, handgestickte Spitzenapplikationen zierten das eng anliegende, verstärkte Oberteil und schimmerten in einem dezenten Champagnerton, der ihre strahlende Haut perfekt ergänzte. Ein gewagter herzförmiger Ausschnitt rahmte ihr Gesicht ein und lenkte die Aufmerksamkeit auf ihr strahlendes Lächeln. "Komm schon, Süße! Zeig uns eine 360-Grad-Drehung!", sprudelte ihre andere Freundin, Aisha, vor Begeisterung. Bianca kicherte und kam der Aufforderung mit einer Drehung nach. Die Rückseite des Kleides besaß eine dramatische, ausgestellte Schleppe, die wie ein Fluss aus Seide hinter ihr herfloss und einen absolut atemberaubenden Effekt erzeugte. Es war aufwendig gestaltet; ein mit Kristallen besetzter Gürtel betonte ihre Taille und hob ihre schlanke Figur hervor. Ein dramatischer, hüfthoher Schlitz verlieh dem Ganzen einen Hauch von Sinnlichkeit und Verlockung, und sie fühlte sich in der Tat wie eine wahre Göttin. Eine, von der sie hoffte, dass Andre ihr hoffnungslos verfallen würde. Mit einem zufriedenen Seufzer strichen Biancas Finger über die Perlenstickerei und die Spitze, während sie das Gewicht und die Qualität des Kleides an sich spürte. Gott sei Dank war sie es gewohnt, etwas schwerere Kleidung zu tragen. "Das ist mehr als ein Hochzeitskleid, Bi. Es ist ein erstaunliches Kunstwerk!", gurrte Naya. Es kam zwar nicht an das heran, das sie bei Jenny gesehen hatte, aber es war zweifellos ein Meisterwerk für sich. "Vielen Dank, Mädels. Ich weiß es wirklich sehr zu schätzen, dass ihr beide so kurzfristig hier seid", sagte Bianca, ohne dass eine Spur von echter Dankbarkeit in ihrem Gesicht zu sehen war. "Schon gut, Bianca", antworteten beide Mädchen wie aus einem Mund, und Bianca ignorierte sie einfach und betrachtete erneut ihren perfekten Look. "Wir sollten langsam los, Naya. Bis später, Süße!", sagte Aisha und zog Naya mit sich aus der Tür. "Mal sehen, ob er sich nach der Hochzeit mit mir noch von irgendetwas ablenken lassen kann", schnaubte Bianca und starrte mit missmutigem Blick in den Spiegel. "Andres Aufmerksamkeit gehört mir und mir allein. Ich werde sie niemals teilen!", sprach sie grimmig, als wäre ihr eigenes Spiegelbild eine Art Konkurrenz. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit und Senator Eastwoods Kopf lugte herein. "Hey, mein Mädchen." Bianca drehte sich um und hielt ihr Kleid hoch, um nicht zu stolpern. "Dad!", sie lächelte ihn breit an. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass du heiratest", lachte der Mann, betrat den Raum ganz und ging auf seine Tochter zu. "Du bist so groß geworden. Ich erkenne dich kaum wieder als den kleinen Engel, der in meinem Garten herumrannte und alles kurz und klein schlug, wenn ich mich weigerte, dir ein neues Barbie-Puppenhaus zu kaufen." Bianca lachte zusammen mit ihrem Vater über diese Bemerkung. "Ich wünschte, sie wäre hier, um dich jetzt zu sehen", sagte er traurig, und Bianca setzte ein wehmütiges Lächeln auf. "Ja, ich auch. Aber wo auch immer sie ist, ich bin sicher, sie schaut herab und lächelt", bekräftigte Bianca, und Senator Eastwood nickte mit einem Grinsen. "Natürlich tut sie das. Ihr kleines Mädchen hat sie stolz gemacht. Das ist Grund genug, glücklich zu sein", sagte der Mann und zog Bianca in eine Umarmung. "Bist du sicher, dass du Andre wirklich liebst? Ich möchte nicht, dass du am Ende alles bereust. Es ist ja bereits klar, dass Eloise dich nicht mag", sprach der Mann besorgt, woraufhin Bianca mit einem Schnauben die Augen rollte. "Wen kümmert es, was die alte Schachtel denkt? Mich nicht. Ich liebe Andre und wir heiraten. Es mag jetzt vielleicht anders wirken, aber er wird lernen, mich als seine Frau zu lieben und zu akzeptieren – schneller, als wir alle denken", sagte Bianca in dem Versuch, ihren Vater zu überzeugen. "Glaubst du das wirklich?", fragte er und löste die Umarmung. "Ich weiß es, Daddy", grinste Bianca. "Na gut. Ich werde deine Entscheidung respektieren", strahlte er seine Tochter an. --- Andre warf sein Sakko ab und setzte sich frustriert hin. "Wo liegt das Problem?", fragte Ryan und setzte sich neben ihn. "Ist das nicht offensichtlich? Ich bin nicht bereit, sie zu heiraten! Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie der Hauptgrund ist, warum sie mich alle zu dieser Hochzeit zwingen. Es ist nicht fair", nörgelte Andre sichtlich frustriert. "Aber früher hattest du nie ein Problem damit, sie zu heiraten. Tatsächlich hast du angefangen, Gefühle für sie zu entwickeln. Was hat sich geändert?", fragte Ryan verwirrt, bis es plötzlich klick machte. "Ahh. Es ist Marissa, oder?", neckte Ryan ihn. "Sie heißt Makisha, du Dummkopf. Und sie ist nicht der Grund, warum ich jetzt gegen die Hochzeit bin. Es ist nur.... Bianca hat sich verändert", brummte Andre. "Und was willst du jetzt tun? So wie es aussieht, hast du keine andere Wahl, als sie zu heiraten", zuckte Ryan mit den Schultern und sprach die harte Wahrheit aus. "Hey, glaubst du, es gibt so etwas wie einen flüchtigen Bräutigam?", fragte Andre plötzlich, und Ryan brach in Gelächter aus. "Alter, du willst mich doch verarschen", sagte Ryan zwischen zwei Lachanfällen. "Klingt das lustig? Ich meine das verdammt ernst. Irgendetwas sagt mir, dass der heutige Tag unter keinem guten Stern steht. Ich will sie wirklich nicht heiraten. Zumindest nicht jetzt. Vielleicht später, irgendwann in der Zukunft", sagte Andre, und Ryans Lachen ebbte langsam ab. "Hör zu, Mann. Die Hochzeit lässt sich nicht stoppen, es sei denn, Bianca will es. Ich würde es an deiner Stelle einfach hinter mich bringen.... denn Senator Eastwood versteht keinen Spaß", stellte Ryan fest, und Andre stöhnte auf. "Verfluchtes Leben. Diese Situation ist zum Sterben nervig", beschwerte er sich. "Keine Sorge, ich bete für dich. Du wirst es überleben", nickte Ryan mit einem stolzen Lächeln. Andre fragte sich unwillkürlich, wo genau er diesen verrückten Kerl als besten Freund herhatte. --- Andre stand am Altar der Kathedrale in seinem perfekt sitzenden Smoking und wartete geduldig auf seine geliebte Braut. Sein Trauzeuge – offensichtlich Ryan – stand neben ihm und neckte den ohnehin schon nervösen Mann ununterbrochen. Seltsamerweise war die Halle trotz der Kurzfristigkeit der Hochzeit völlig überfüllt. Andre hatte nicht einmal mit fünfzehn Gästen gerechnet! Aber was er hier sah.... nun, bei hundertfünfzig hatte er aufgehört zu zählen. Stille legte sich über den Saal wie eine dicke Zuckergussschicht über einen Kuchen. Alle warteten geduldig auf die Ankunft des Stars des Tages, und schließlich war es so weit. Die Klänge sanfter Musik erfüllten die Luft, und alle Gäste wandten sich dem Eingang zu, dessen Türen nun geöffnet wurden. Andre biss sich auf die Unterlippe und bat Gott im Stillen, ihm zu helfen, dies hinter sich zu bringen. "Wow. Mann, sie ist so hübsch", gaffte Ryan, und Andre rieb sich die Handflächen aneinander. "Ja, erzähl mir was Neues", murmelte er. "Das tue ich doch gerade. Wie kannst du ein Problem damit haben, so ein heißes Paket wie sie zu heiraten? Gott weiß, ich hätte mein Glück versucht, wenn sie nicht auch meine beste Freundin wäre", grinste Ryan und starrte Bianca an, deren Gesicht von einem durchsichtigen Schleier bedeckt war. "Kannst du mal den Mund halten? Du lenkst mich ab, okay!", zischte Andre leise zurück. Die Gäste erhoben sich in dem Moment, als sie ihren eleganten Gang begann; Lächeln und Tränen füllten die Gesichter der verschiedenen Menschen. Senator Eastwood, der furchteinflößende, aber hochangesehene Mann, geleitete sie den Gang entlang, Stolz und Glück schimmerten in seinen Augen. Schließlich erreichte sie den vorderen Teil der Kathedrale, und Ryan, der Trauzeuge, trat vor, nahm Biancas Hand von ihrem Vater entgegen und legte sie behutsam in die des Bräutigams. "Ich verbinde euch beide im heiligen Stand der Ehe", flüsterte er spielerisch, woraufhin Bianca ihm einen scherzhaften, strengen Blick zuwarf, der Ryan zum Kichern brachte, während er zurücktrat. Der Priester räusperte sich und begann mit einem warmen Lächeln die Zeremonie. "Geliebte Gemeinde, wir sind heute hier versammelt, um Zeuge der Vereinigung von Bianca Eastwood und Andre Richard in der Ehe zu werden. Dies ist ein freudiger Anlass, der die Liebe und Hingabe feiert, die diese beiden Individuen füreinander empfinden." Der Priester hielt inne und lächelte Braut und Bräutigam an. "Bianca Eastwood und Andre Richard sind heute vor uns getreten, um öffentlich das Besondere zu erklären, das sie miteinander teilen. Sie haben sich entschieden, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, einander zu unterstützen, einander zu lieben und zu ehren." Bianca konnte das stolze Gefühl nicht unterdrücken. Nur noch wenige Minuten, und er würde endlich ihr gehören. Sie konnte es kaum erwarten! "Bianca Eastwood, nimmst du Andre Richard zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehemann, um ihn zu lieben, zu ehren und ihm treu zu sein, solange ihr beide lebt?" Das war der Moment! "Ja.... ich will", Biancas Stimme war klar und fest, als sie ihre selbstbewusste Antwort gab. Der Priester wandte sich Andre zu, der einen ausdruckslosen Blick im Gesicht hatte. Er brachte es nicht einmal über sich, ein Lächeln vorzutäuschen. "Andre Richard, nimmst du Bianca Eastwood zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau, um sie zu lieben, zu ehren und ihr treu zu sein, solange ihr beide lebt?" Andre stellte sich sofort das Chaos vor, das wahrscheinlich entstehen würde, wenn er Nein sagte. Den Schmerz, den Bianca wahrscheinlich empfinden würde. In der Entscheidung, dass alles, was geschah, zum Besten sei, gab er seine Antwort. "Ich will." "Meine lieben Freunde, bevor wir mit dem abschließenden Segen fortfahren, muss ich fragen: Wenn jemand anwesend ist, der einen Grund kennt, warum diese Ehe nicht geschlossen werden darf, so spreche er jetzt oder schweige für immer." Stille legte sich über die Kathedrale; die Gäste sahen sich gegenseitig an und warteten darauf, dass jemand sprach. Eine Minute verging.... Zwei Minuten..... Niemand. "Ich frage zum letzten Mal. Gibt es jemanden, der gegen den heiligen Bund dieser beiden ist....", der Priester sprach noch, als die Tür mit einem Knall aufgestoßen wurde. "Ich bin dagegen!! Ich bin gegen diese unheilige Ehe!", hallte eine Frauenstimme durch die Kirche, und aller Augen weiteten sich.
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