Nicht nur die Leute von Vanguard Global Enterprises wirkten unbehaglich, auch Isabellas Team schien etwas verlegen. Die Assistentin zog leise unter dem Tisch an Elizas Ärmel.
Eliza hingegen hob weiterhin das Kinn, ihr Gesichtsausdruck blieb nahezu unverändert.
„Heißt das also, Chairman Hawthorne interessiert sich nur für Profit und legt keinen Wert auf alte Beziehungen?“ fragte ich ruhig, auch wenn in mir ein Anflug von Wut aufstieg.
Elizas Miene verhärtete sich leicht. „Das habe ich nicht gemeint.“
In diesem Moment öffnete sich die Tür des privaten Raumes, und Alexander trat gemeinsam mit Isabella ein.
Er wirkte wie immer elegant und faszinierend – seine markanten Züge und seine außergewöhnliche Ausstrahlung waren unmöglich zu übersehen. Isabella hingegen war wie ein strahlender Stern – charmant und erfolgreich. Zusammen boten sie einen wahrhaft beneidenswerten Anblick.
Der Produktmanager beugte sich leise zu mir und flüsterte: „Boss, Mr. Hawthorne und Miss Blackwood passen wirklich perfekt zusammen. Sieht so aus, als hätten wir bald eine neue Herrin des Hauses.“
Diese Worte trafen mich wie ein scharfes Messer direkt ins Herz. Mein Gesicht wurde leicht blass, doch ich zwang mich zu einem Lächeln und stand auf, um sie zu begrüßen.
„Mr. Hawthorne, es ist uns eine Ehre. Isabella, bitte setzen Sie sich hier neben Mr. Hawthorne“, sagte Eliza und sorgte schnell dafür, dass die beiden nebeneinander Platz nahmen.
Auch die anderen standen auf, um sie zu begrüßen.
„Bitte, setzen Sie sich alle“, sagte Alexander, woraufhin sich alle wieder hinsetzten.
Die Atmosphäre wirkte harmonisch, doch in meinem Inneren tobte ein Sturm.
Während des Essens bemühten sich Eliza und die anderen um Gespräche und machten immer wieder Komplimente an Alexander und Isabella, wodurch sich die Stimmung etwas lockerte.
Alexander blieb zurückhaltend, sprach wenig, hinterließ jedoch mit seinen prägnanten Worten stets Eindruck.
Ich hingegen war ungewöhnlich still.
Zwischen seinem Blick und Isabellas Lächeln fühlte ich mich, als wäre ich unsichtbar geworden.
Als das Gespräch das Thema wechselte, bemerkte Eliza Isabellas Teller und erinnerte sie plötzlich: „Isabella, achte auf deine Portionen.“
Stars müssen schließlich stets auf ihre Figur achten.
„Ich weiß…“ Isabella verzog leicht schmollend die Lippen, legte dann ein Stück Rindfleisch auf Alexanders Teller und sagte: „Alexander, das ist zu scharf. Kannst du es für mich essen?“
Alexander hatte einen empfindlichen Magen und bevorzugte immer milde Speisen.
Ich wollte ihn gerade daran erinnern, doch bevor ich etwas sagen konnte, sah ich, wie er ruhig das Fleisch aufnahm und ohne zu zögern aß.
Kein Zeichen von Unbehagen.
Meine Worte blieben mir im Hals stecken.
Wenn etwas von der Person kommt, die man liebt, erscheint selbst Gift süß – wie viel mehr dann ein wenig Schärfe.
Ein Teil von mir war sogar erleichtert. Hätte ich etwas gesagt, hätte ich mich nur selbst in Verlegenheit gebracht.
Das Essen ging weiter, und nach mehreren Runden Getränken wurde die Stimmung lockerer.
Plötzlich lenkte Eliza das Gespräch auf mich und fragte beiläufig: „Ich habe gehört, Direktorin Vivienne ist CEO Hawthornes Schwester und arbeitet unter ihm. Sie stehen sich bestimmt sehr nahe, oder?“
Alexander hob kurz den Blick zu mir, sah dann zu Isabella und antwortete kühl:
„Aus Respekt vor Großvater kümmere ich mich ein wenig um sie.“
Seine Worte klangen beiläufig, doch sie trafen mich wie ein Donnerschlag.
Vielleicht bemerkten die anderen nichts.
Doch ich wusste—
Versuchte er, sich vor Isabella von mir zu distanzieren?
Oder war das wirklich seine Sicht?
Mein Herz war voller Fragen.
Vielleicht war es beides.
In drei Jahren Ehe hatte ich sein Herz nie erreichen können.
Seine sogenannte Fürsorge galt mir nur wegen Großvater.
Ich zwang mich zu einem Lächeln.
„Ich bin nur eine Angestellte von CEO Hawthorne. Von besonderer Nähe kann keine Rede sein. Aber Sie scheinen sich sehr für mich zu interessieren?“
Eliza lächelte spielerisch. „Wir werden bald zusammenarbeiten, da ist Neugier ganz natürlich. Bitte nehmen Sie mir das nicht übel, Direktorin Vivienne.“
Das Abendessen dauerte über zwei Stunden und endete schließlich mit dem Feierabend.
Ich ließ alle zuerst gehen und kehrte dann in mein Büro zurück, um weiterzuarbeiten.
Um acht Uhr schaltete ich meinen Computer aus und machte mich bereit zu gehen.
Die gesamte Etage war ruhig geworden.
Nur im Büro des CEOs brannte noch Licht.
Ich zögerte einen Moment auf dem Flur, ging dann aber zur vertrauten Tür und klopfte leise.
Ich hörte Alexanders Stimme von drinnen, öffnete die Tür und trat ein.
„Hast du heute Abend noch etwas vor?“ fragte ich.
„Nein“, antwortete er, lehnte sich zurück und rieb sich die Stirn. Dann schaltete er den Computer aus und stand auf. „Gehen wir.“
Zu Hause war das Abendessen bereits vorbereitet.
Ich aß ein wenig, während Alexander sich in die Bibliothek zurückzog, um weiterzuarbeiten.
Ich saß im Wohnzimmer, blätterte durch die Fernsehsender, goss mir ein Glas warmes Wasser ein und nahm heimlich eine Tablette.
„Du nimmst Medikamente? Was ist los? Geht es dir nicht gut?“
Plötzlich hörte ich Alexanders Stimme hinter mir.
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
Ich drehte mich um und versuchte, gelassen zu wirken.
„Ich habe in letzter Zeit ein paar Magenprobleme.“
Alexander trat näher und schenkte sich Wasser ein.
„Warst du beim Arzt?“
Er wirkte nicht misstrauisch.
Ich hatte schließlich schon beim Mittagessen dieselbe Ausrede benutzt.
„Ja.“
„Gut. Du solltest besser auf dich achten“, sagte er mit einem Hauch von Sorge.
Ich nickte, doch innerlich breitete sich Traurigkeit in mir aus.
Am nächsten Morgen wurde ich vom Klingeln meines Handys geweckt.
Verschlafen griff ich danach.
„Hallo?“
Es war meine Assistentin, ihre Stimme panisch:
„Direktorin Vivienne, etwas ist passiert! Sie müssen sofort die Trending Topics überprüfen!“
„Was ist los?“
Ich griff nach meinem iPad, und die Nachricht sprang mir sofort ins Auge:
„CEO Hawthorne und Miss Blackwood wurden gemeinsam gesehen.“
Ich klickte darauf und sah ein Foto von Alexander und Isabella, wie sie gemeinsam ein Restaurant betraten und verließen.
Die Klatschseiten überschlugen sich bereits mit Spekulationen.
Ich atmete tief durch.
„Kontaktieren Sie Isabellas Team. Reagieren Sie noch nicht. Warten Sie im Büro auf mich.“
„Verstanden.“
Bevor meine Assistentin auflegte, hielt ich sie auf:
„Sie haben doch noch die Gruppenfotos von gestern, oder? Suchen Sie eines heraus, auf dem Alexander und Isabella nicht zu nah wirken.“
„Wird erledigt.“
Nachdem ich aufgelegt hatte, machte ich mich schnell fertig und ging ins Büro.
Im Aufzug fragte ich:
„Haben Sie Isabellas Team erreicht?“
Die Assistentin zögerte.
„CEO Hawthorne hat die Angelegenheit an CCPR übergeben.“
Ich presste die Lippen zusammen und sagte nichts.
Als sich die Aufzugtüren öffneten, traf ich auf Olivia.
Ein spöttisches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Oh, Direktorin Vivienne. Haben Sie gestern gesehen, wie Miss Blackwood und CEO Hawthorne zusammen waren? Manche versuchen wirklich, sich an ihn heranzumachen. Aber der Boss selbst hat gesagt, dass er zu gewissen Personen keine enge Beziehung hat. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich mich schämen, hier überhaupt noch zu arbeiten.“
Die Assistentin wurde vor Wut rot.
Ich jedoch ging einfach weiter, als hätte ich nichts gehört.
Olivia wurde noch überheblicher.
„Vivienne Sinclair, willst du nicht wissen, wie CEO Hawthorne möchte, dass ich die Trending Topics behandle?“
Ich blieb stehen.
Olivia kam näher und lächelte kalt.
„Er hat mir gesagt, ich soll den Klatschseiten stecken, dass er und Miss Blackwood früher ein Paar waren. Weißt du, was das bedeutet?“
In diesem Moment durchfuhr mich eine eisige Kälte.
Mein Herz schien stehen zu bleiben.
Ich ging wie betäubt zurück in mein Büro.
Als ich erneut die Trending Topics öffnete, hatte sich die Richtung der Kommentare komplett verändert.
Aus Spekulationen über eine geschäftliche Zusammenarbeit waren nun Gerüchte über eine Liebesbeziehung geworden.
Für Isabella, die gerade erst zurückgekehrt war, war das ein harter Schlag.
Die Klatschseiten hatten bereits alte Fotos ausgegraben—
Alexander und Isabella als College-Paar.
Damals wurden sie als das „Traumpaar des Campus“ bezeichnet.
Und jetzt?
Jetzt deutete alles darauf hin, dass ihre Liebe neu entfacht wurde.
Noch überraschender war, dass die Markenbotschafterin von Vanguard Global ursprünglich Lena Ashford gewesen war—
doch plötzlich durch Isabella Blackwood ersetzt wurde.
Die Öffentlichkeit begann, die Zusammenhänge zu erkennen.
Und zog ihre eigenen Schlüsse.