„Ugh... geh weg...“, stöhnte Eva und vergrub ihr Gesicht unter einem Kissen, während ein weiteres hartnäckiges Klopfen den Türrahmen klapperte.
„Eva! Es ist drei Uhr! Du wirst dich verspäten!“ Die schrille Stimme ihrer Mutter schnitt durch die Luft wie Nägel auf einer Tafel. In diesem Moment fühlte sich der Drang, auszuziehen, weniger wie ein Traum als wie ein Überlebensinstinkt.
„Gut!“ Eva knurrte, ihre Stimme wurde von der Bettwäsche gedämpft, als sich das Klopfen verstärkte. "Scheiße! Mama! Ich bin schon wach!“
"Sprache, junge Dame!" Ihre Mutter schoss hochmütig aus dem Flur zurück. Eva verdrehte die Augen, warf die Decken zurück und stolperte auf ihr Badezimmer zu.
Sie trat ins Badezimmer, vermied ihre Reflexion und schaltete die Dusche ein, bis sich der Raum mit einem dicken, beruhigenden Dampf füllte. Sie zog ihren Pyjama aus, entwirrte ihr Haar mit einer schnellen Bürste und trat in den Stall. Zwanzig Minuten lang war das heiße Wasser das Einzige, was zählte, und nahm ihren Stress weg, bevor die Nacht wirklich begann.
Als sie endlich auftauchte, in ein flauschiges Handtuch gewickelt, holte sie tief Luft und fuhr mit der Hand über den beschlagenen Spiegel, um den Schaden zu beurteilen.
*Scheiße,* dachte sie und starrte auf ihr Spiegelbild. *Das wird etwas ernsthaftes Make-up brauchen. *
Eine Woche hintereinander Nachtschichten hatte dunkle Ringe unter ihren Augen hinterlassen, die eher wie blaue Flecken aussahen. Mit einem Seufzer schmierte sie sich mit Feuchtigkeitscreme und zog sich in ihren begehbaren Kleiderschrank zurück. Sie umging ihre übliche weite Kleidung für ihre Arbeitsuniform: ein glitzernd schwarzes ärmelloses Oberteil, eine rote heiße Hose und ihre liebsten schwarzen Vans. Es war die perfekte Balance - sexy genug, um die Spitzen hochzutreiben, aber praktisch genug, um ihre Füße davon abzuhalten, bis Mitternacht nachzugeben.
Zurück in ihrer Eitelkeit legte sie die Werkzeuge ihres Handels aus. Grundierung, Concealer, Kontur, Foundation - das Wesentliche für die nächtliche Metamorphose. Dies war der Prozess, Eva Gale, die zwanzigjährige Jungfrau, die zu Hause lebt, in Tracy Winket zu verwandeln: die feurige, kluge Barkeeperin bei Onyx.
Während Eva triste und unsicher war, war Tracy heftig. Tracy war zuversichtlich. Tracy wusste genau, wie man einen Raum arbeitet.
Sie trocknete ihr langes braunes Haar und fügte es in fette heiße Rollen, bevor sie ihr Make-up akribisch auftrug. Barkeeper war anstrengende Arbeit, und sie wusste, dass ihr "Gesicht" innerhalb einer Stunde nach dem Auftreffen auf den Boden geschmolzen sein würde, wenn sie ihre Produkte nicht richtig schichte und mit einer starken Dosis Fixierspray fertig war.
Sobald die Rollen herauskamen, steckte sie ihren Pony zurück und band ein rotes Bandana um ihren Kopf, die Schleife saß perfekt oben. Es passte zu ihren Shorts und würde ihr die Haare vom Hals halten, sobald der Club anfing, sich aufzuheizen. Sie schnappte sich ihre Arbeitstasche, ihr Telefon und ihre Schlüssel, verabschiedete sich kurz von ihrer Mutter und fuhr in Richtung Stadt.
Der Ansturm am Samstagabend war bereits sichtbar, als sie an der Vorderseite des Clubs vorbeifuhr. Eine Linie erstreckte sich um den Block und vibrierte vor Vorfreude. Eva parkte in der Tiefgarage und holte ein paar Mal Luft, bevor sie zum Aufzug ging.
Als sich die Türen zum Personalraum öffneten, traf sie der Bass der Musik so hart, dass es sich anfühlte, als würde ihr Gehirn klappern. Sie nahm präventiv zwei Excedrin, versteckte ihre Tasche in ihrem Spind und ging zur Treppe.
Die VIP-Lounge war ihr Zufluchtsort. Sie hatte ein Jahr damit verbracht, sich im Erdgeschoss den Arsch aufzurechen, um sich diesen Platz zu verdienen. Zwischen dem automatischen fünfzehn-prozentigen Trinkgeld für Tabs und den großzügigen Trinkgeldern zahlte sich ein Wochenende hier oben mehr aus als eine ganze Woche unten. Dies war ihr Ticket aus dem Haus ihrer Eltern und ihr Sprungbrett zu einem Job bei Bliss.
„Hey Tracy! Wie geht es dir, Mama?" Yanni, der riesige Türsteher, begrüßte sie mit einem Grinsen.
„Mir geht es gut, Yanni. Beschäftigte Nacht!“ Sie rief zurück. Sie blies ihm einen Kuss zu und eilte zur Bar, wo ihre Kollegin Laura bereits überschwemmt war.
"Oh, Gott sei Dank bist du hier!" Laura schrie über die Musik. "Das ist verrückt!"
Tracy zögerte nicht. Sie machte eine schnelle Bestandsaufnahme und bellte Bestellungen in den Barback. „Tristan! Bringen Sie mir zwei Kisten bleilos, eine Kiste Blei, zwei Kisten Ultra und eine weitere Flasche Jack! Dann bringt zwei Eimer Eis hoch!“
Während Tristan sich bemühte zu helfen, tauchte Tracy ein, mischte Getränke für die Kellnerinnen und stellte Shots für einen rauflusten Junggesellenabschied auf. Die ersten zwei Stunden verschwanden in einer Unschärfe von Bewegung und rhythmischem Tanzen hinter der Bar. Ihre Taschen wölbten sich bereits mit Bargeld, und die Energie der Menge war elektrisch.
Dann ging er hoch.
Tracy schaute direkt auf den Mann, der sich gerade ihrem Abschnitt genähert hatte. Sie hat fast die Flasche in ihrer Hand gefummelt. Er war leicht sechs Fuß fünf groß, gebaut wie ein Profisportler, mit einem scharfen Verblassen und einer geformten Kieferlinie, die mit Stoppeln bestäubt war. Aber es waren seine Augen - ein intensives, hypnotisierendes Grün - die sie überraschten.
"Was kann ich für dich besorgen, Schatz?" Rief sie und versuchte, ihre "Tracy"-Persönlichkeit aufrechtzuerhalten, während ihre innere "Eva" vor Wertschätzung schrie.
Der Mann beugte sich vor und grinste, das ihr Herz zum Hinsen schlagen ließ. „Deine Nummer, meine Schöne.“