Gebrochene Spiegel

278 Words
Die Wochen vergingen, und ihre Dynamik wurde immer destruktiver. Daniel hatte begonnen, Sophie stärker zu testen, ihre Grenzen auszudehnen. Doch es war nicht nur das körperliche Spiel, das sie erschütterte – es war das emotionale Netz, das er um sie spann. „Du kannst mich nicht verlassen, Ayla", sagte er eines Abends, als sie ihre Zweifel aussprach. „Du würdest es nicht überleben. Und ich auch nicht." Es war keine Drohung, sondern ein Versprechen, das tief in ihr widerhallte. Sie hasste sich dafür, dass er Recht hatte. Er war in ihr Leben eingedrungen, hatte jeden Aspekt davon durchdrungen, bis sie nicht mehr wusste, wo sie endete und er begann. Daniel war ihr sicherer Hafen und gleichzeitig der Sturm, der sie zu verschlingen drohte. Der Preis der Nähe Sophie begann zu bemerken, wie ihre Welt sich verkleinerte. Ihre Freunde meldeten sich kaum noch, weil sie jeden Kontakt abbrach, den Daniel als Bedrohung ansah. Ihre Arbeit litt, weil ihre Gedanken ständig bei ihm waren. Doch immer, wenn sie daran dachte, ihn zu verlassen, spürte sie die schreckliche Leere, die er hinterlassen würde. Es war, als hätte er einen Teil von ihr genommen, den sie niemals zurückbekommen würde. „Ich könnte gehen", sagte sie eines Nachts, als sie in seiner Wohnung auf dem kalten Boden saß. Er blickte sie an, als hätte sie gerade die absurdeste Aussage getroffen, die er je gehört hatte. „Du könntest es versuchen", sagte er ruhig. „Aber du würdest immer wieder zurückkommen." „Weil du willst, dass ich schwach bin?" Daniel kniete sich vor sie, nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Nein, Ayla. Weil du weißt, dass du ohne mich nicht du selbst bist."
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