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Kelan Reykill saß im Konferenzraum an Bord der V’ager, dem Valdier-Kriegsschiff, das unter seinem Kommando stand. Dank der Modifizierungen, die sein Bruder Trelon ständig vornahm, war es mittlerweile das größte Schiff mit der besten Ausstattung der ganzen Flotte. Stirnrunzelnd studierte er die Berichte, die er erhalten hatte.
Wegen der Berichte über den Planeten unter ihnen machte er sich keine Sorgen. Zoran hatte ihn bereits vor dem primitiven Planeten, auf dem er Zuflucht gesucht hatte, gewarnt und ihnen gesagt, dass sie extrem vorsichtig sein mussten, da die Bewohner dieses Planeten keine Ahnung hatten, dass außerhalb ihrer Galaxie noch andere Lebensformen existierten. Trelon hatte bereits dafür gesorgt, dass sie unentdeckt bleiben würden.
Kelan war nicht einmal besorgt, als er, Trelon und ein paar andere sich dorthin teleportierten. Den Berichten über das Militär auf diesem Planeten zufolge würden sie durchaus in der Lage sein, sich zu verteidigen. Bevor das Militär ihren Besuch überhaupt entdecken würde, wären sie allerdings schon längst wieder aus dem Sonnensystem verschwunden.
Nein, was ihm Sorgen bereitete, war das, was seinem großen Bruder Zoran zugestoßen war. Kelan kochte vor Wut, als er den Bericht über die Gefangenschaft und die Folter seines Bruders las. Er stand ständig mit seinen beiden anderen Brüdern auf Valdier in Kontakt. Mandra und Kreon konnten berichten, dass Zoran von einer Gruppe kurizanischer Krieger gefangen genommen worden war, doch irgendetwas an der Sache war merkwürdig. Zwischen ihnen und ihren ehemaligen Feinden herrschte eigentlich schon seit über einem Jahrhundert Frieden. Es ergab keinen Sinn.
Er kannte die Mitglieder des kurizanischen Königshauses. Ha’ven, der Anführer der Kurizaner, war der engste Freund seines Bruders, Kreon. Nun, sofern man bei Kreon von Freundschaft sprechen konnte. Er wusste, dass Kreon Ha’ven im Krieg das Leben gerettet hatte, was einer der Gründe war, warum der Krieg geendet hatte.
Warum sollten sie Zoran zu einer abgelegenen Militärbasis bringen, die schon seit Urzeiten nicht mehr benutzt wurde? Warum wollten sie Informationen über die symbiontische Beziehung zwischen einem valdierischen Krieger, seinem Drachen und seinem Symbionten? Jeder Versuch den Symbionten eines Kriegers zu entführen hatte doch immer gleich geendet: mit dem Tod des Entführers.
Dieses Wissen hatte den Anführern von Valdier die nötige Macht gegeben, um ihren Planeten vor fast dreihundert Jahren für den Handel zu öffnen. Damals gingen die Drei Kriege zwischen den Sarafinen, den Kurizanern und den Valdierern bereits langsam dem Ende zu.
Handelsabkommen und Friedensverträge wurden unterzeichnet. Im Austausch für potenzielle Gefährtinnen hatten die Valdierer den Kurizanern einige ihrer mächtigsten Kristalle überlassen. Den Sarafinen wurde die erstgeborene Tochter des valdierischen Königs versprochen. Sie sollte sich mit dem erstgeborenen Sohn des sarafinischen Königs vermählen.
Leider hatte Kelans Vater, der diesen Vertrag aufgesetzt und verhandelt hatte, den Sarafinen nicht erzählt, dass Frauen auf Valdier eine Seltenheit waren, vor allem im Königshaus. Der Vertrag war vor über einem Jahrhundert unterzeichnet worden und bis jetzt hatten die Valdierer keine Probleme mit den Sarafinen gehabt. Sein Bruder Trelon flog sogar regelmäßig ihre Weltraumhäfen an und betrieb regen Handel mit ihnen.
Kelan rieb sich verärgert den Bauch. Seit sein Bruder Zoran ihm seine wahre Gefährtin Abby vorgestellt hatte, spielte Kelans Drache verrückt. Kelan hatte sich immer damit gebrüstet, dass er seine animalische Hälfte hervorragend unter Kontrolle hatte, doch seit er das Drachenmal an Abbys Hals gesehen hatte, wurde es zunehmend schwieriger, seinen Drachen zu beruhigen. Er wollte unbedingt auf diesen Planeten und seine Gefährtin suchen.
Wenn es auf diesem primitiven Planeten eine Gefährtin gibt, dann gibt es da bestimmt noch eine. Nämlich meine, knurrte sein Drache verdrießlich. Los jetzt. Such meine Gefährtin.
Lass mich einfach in Ruhe!, knurrte Kelan verärgert zurück. Wir haben Wichtigeres zu tun. Außerdem ist es äußerst unwahrscheinlich, dass wir auf diesem Planeten eine Gefährtin finden. Du weißt doch, wie unser Symbiont ist! Er ist so wählerisch, dass wir nicht einmal s*x mit einer Frau haben können, wenn er im gleichen Raum ist wie wir.
Kelans Symbiont blickte mit einem leisen Knurren zu ihm auf und bleckte die Zähne. Er hatte die Gestalt einer großen Werkatze angenommen, einer Kreatur, die ihre Beute ausweidete und bei lebendigem Leibe verzehrte. Kelans Drache knurrte zurück, er wollte ihnen beiden doch nur etwas Gutes tun.
Der Symbiont konnte durch die Bänder an Kelans Oberarmen sehen, was sein Drache tat. Er schnaubte jedoch nur und senkte den Kopf. Wenn der Symbiont eine Frau als wahre Gefährtin nicht akzeptierte, würde sein Drache sie ebenfalls ablehnen. Und wenn der Symbiont die Frau nicht akzeptierte und der Drache sich weigerte, sein Drachenfeuer in sie hineinzublasen, war Kelan vollkommen geliefert. Nur seine wahre Gefährtin würde von allen dreien akzeptiert werden.
Fauchend warf Kelan den Bericht auf den Tisch. Er hatte jetzt keine Zeit, um sich darüber weiter Gedanken zu machen. Trotz all der Frauen, die er auf Valdier flachgelegt hatte, hatte er immer noch keine Gefährtin gefunden – nicht zu vergessen die auf Kurizan und Sarafin und noch ein paar anderen Planeten, fügte sein Symbiont mit einem Gähnen hinzu. Kelan knurrte ihn laut an.
Sein Symbiont stand langsam auf und schüttelte sich. Dann drehte er sich um und verließ den Raum. Kelan fuhr sich mit seinen Händen durch sein Haar und wünschte sich, er könnte seinen Drachen ebenso einfach loswerden. Er zerfurchte ihn von innen, wie eine Werkatze, die ihre Krallen schärfte. Er musste sich jetzt auf die aktuelle Lage konzentrieren.
Er schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Als er sie wieder öffnete, lag eine eiserne Entschlossenheit in seinem Blick. Das Wichtigste war erst einmal, Zoran und Abby zu holen. Dann würden sie nach Valdier zurückkehren und erfahren, was Mandra und Kreon herausgefunden hatten. Und zum Schluss würden sie die Bösen töten. Ein Lächeln umspielte Kelans Lippen, als er seine Mitte endlich wiedergefunden hatte. Sein Drache sollte einfach eine lange, kalte Dusche nehmen, bis sie fertig waren.