Kapitel 7: Erwacht

2109 Words
Langsam kam ich wieder zu Bewusstsein, und der Raum fühlte sich an wie eine Sauna. Es war so warm. Die Kühle Luft strich über meinen Nacken und die verletzte Seite meines Gesichts, während die andere Seite meines Gesichts und die Vorderseite meines Körpers an etwas extrem Warmem lagen. Erst allmählich bemerkte ich, dass ich auf dem Bauch lag und meine Sicht verschwommen war. Vorsichtig bewegte ich mich, und mir wurde klar, worauf ich lag. Mein Gesicht ruhte auf der nackten, warmen, mächtigen Brust eines großen Mannes. Mein Körper war über ihn gebettet, ein Arm lag über seiner Brust, mein Bein über seiner Hüfte. Ich spürte die Ausbuchtung seines erigierten Gliedes an meinem Oberschenkel und biss mir auf die Lippe, während sich unwillkürlich ein Kribbeln in mir ausbreitete. Seine Brust hob und senkte sich langsam. Es war dunkel, und wir lagen in einem unglaublich bequemen Bett. Ich wäre fast wieder eingeschlafen – so warm, gemütlich und aus irgendeinem seltsamen Grund so glücklich. Dann kam ich plötzlich wieder zu mir und versuchte, aus dem Bett zu steigen. Ein Gewicht hielt mich sofort zurück. Ich wendete mich ab, doch der Mann rührte sich nicht. Sein starker, muskulöser Arm war um meinen Rücken geschlungen und drückte mich fest an ihn. Mein Widerstand verstärkte nur seinen Griff, während er weiter im Schlaf lag. Sein anderer Arm, der zunächst ruhig an seiner Seite lag, hob sich und ruhte gedankenverloren in meinen langen Locken, als hätte er sich unbewusst geregt, nur um noch tiefer zu schlafen. Neugierig reckte ich meinen Hals, um einen Blick auf ihn zu werfen, und meine Vermutung wurde bestätigt: Alpha Orion lag tief schlafend da und hielt mich fest in seinen Armen. Er trug nur eine weiche Hose, war barfuß und oberkörperfrei. Sein Duft war so unverkennbar männlich und kraftvoll. Ich atmete ihn ein, fasziniert von seiner majestätischen Erscheinung. Ein unerklärliches Gefühl von Freude überkam mich – völlig unpassend angesichts meiner Lage. Er hatte mich erfolgreich gekauft, und ich wusste, dass die Flucht nun noch schwerer sein würde. Ich sah mich im Raum um und bemerkte, dass ich ein Nachthemd trug, das knapp über die Knie reichte – blumig und mit Puffärmeln verziert. Offenbar hatte mich jemand umgezogen, während ich bewusstlos war. Meine Wangen brannten, und das lag nicht an der heißen Haut des Alphas. Der Raum war beeindruckend groß, mit hohen Decken und deutlich luxuriöser als das Anwesen, in dem ich vorher gewesen war. Ich erinnerte mich daran, dass eine der Schwestern erwähnt hatte, ich würde in eine prachtvollere Villa gebracht werden – und sie hatten nicht übertrieben. Das Bett war riesig und hatte Vorhänge, die jedoch beiseitegeschoben waren, sodass der Raum frei zu sehen war. Ein großer Kamin, ungenutzt, schmückte den Raum, und große Glastüren führten zu einem Balkon. Die bodenlangen Fenster standen offen und ließen eine erfrischende Brise herein, die die Wärme des Alphas neben mir erträglich machte. Ich wusste immer noch nicht genau, was „Alpha“ bedeutete. Vermutlich war es ein Titel für einen Anführer, ein Oberhaupt von … Wolfsmenschen. Werwölfen. Doch das konnte doch unmöglich ernst gemeint sein. Ich erinnerte mich an Perseus, an Herrn Caro und daran, wie ihre Augen sich schwarz verfärbt hatten. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ich zitterte leicht, und Orion bewegte sich, zog mich fester an sich. Ich quietschte und bereute sofort, dieses Geräusch gemacht zu haben. Alpha Orion öffnete die Augen und sein intensiver, blauer Blick traf meine ängstlichen braunen Augen. Sein Blick wurde sanfter, und er hob eine Hand, um sanft die verletzte Seite meines Gesichts mit dem Daumen zu streicheln. Diese zarte Berührung auf meiner empfindlichen Haut fühlte sich erstaunlich wohltuend an. Langsam ließ er den Griff um meinen Körper etwas lockerer werden, und ich richtete mich leicht auf und musterte ihn misstrauisch, während ich mich setzte. Er löste seine Arme von mir, und ich spürte den Verlust seiner Wärme. Eine seltsame Traurigkeit überkam mich, nicht mehr in seiner Umarmung zu sein, doch gleichzeitig ekelte mich der Gedanke an, so heftig auf jemanden zu reagieren, der mich wie ein Objekt für sein Vergnügen gekauft hatte. Ich hatte so viele Fragen und wusste nicht, wo ich beginnen sollte. „Wer bist du?“, fragte ich. Ich kannte seinen Namen, aber über den Mann selbst wusste ich kaum etwas. Ein leichtes Schmunzeln zog über seine Lippen. „Ich bin Alpha Orion, aber du, meine kleine Luna, darfst mich einfach Orion nennen. Ich bin der Alpha des Cold Moon Rudels, des größten Werwolfrudels, das existiert. Mein Bruder, den du zuerst getroffen hast, ist Alpha Perseus vom Snow Moon Rudel, dem zweitgrößten. Zusammen, als Brüder, herrschen wir über ein Königreich der Werwölfe.“ Schweigend ließ ich seine Worte auf mich wirken. Wieder diese Geschichte mit den Werwölfen. „Wenn du wirklich ein Werwolf bist, dann verwandle dich jetzt einfach in einen Wolf, zeig es mir!“, forderte ich ihn heraus, so selbstbewusst wie ich konnte. Alpha Orion lachte. Sein ganzer Körper bebte dabei; ein tiefes, donnerndes Lachen erfüllte den Raum. „Mmm, ich glaube nicht, Orchid, es tut mir leid, dir das zu verwehren“, flüsterte er und streichelte meine Unterlippe. „Woher weißt du, wer ich bin? Woher wusstest du überhaupt, dass ich existiere? Hast du diesen Mann geschickt, um mich zu entführen?“, platzte es aus mir heraus, mein Körper zitterte. „Schh, mein kleines Luna“, sagte er und strich über meine Lippen. Es fühlte sich so gut an. Ich hasste mich dafür, so von ihm angezogen zu sein. „Ich habe dich, meine Gefährtin, jahrelang gesucht. Ich habe dich eines Nachts auf dem Heimweg von deinem Arbeitsplatz gerochen. Das menschliche Krankenhaus. Du sahst erschöpft aus und hattest Angst, weil es spät war. Ein Mann verfolgte dich – ein abscheulicher Kerl“, sagte Orion mit einem düsteren Ausdruck, seine Augen verengten sich und ein Knurren vibrierte in seiner Stimme. Ich erinnerte mich an diese Nacht. Der Mann hatte mich verfolgt, und ich war in Panik davon gelaufen. Doch als ich zurückblickte, war er plötzlich verschwunden, was keinen Sinn ergab, da ich keine schnelle Läuferin bin. „Ich habe ihn getötet, leise, damit du es nicht bemerkst. Ich habe dich nach Hause gehen sehen. Ich wusste, dass du mir gehörst, wegen deines Geruchs und des Gefühls der Vollständigkeit, das ich hatte, als ich dich ansah. Mein innerer Wolf heulte vor Freude. Er wollte dich sofort beanspruchen, in dein kleines Apartment schleichen und dich besitzen“, sagte Orion, seine Stimme heiser, seine Augen voller Lust, als er mich anstarrte. Ich errötete. Mein Atem wurde ungleichmäßig. Seine Augen wanderten über mein Gesicht und meinen Körper. Er zog an einer meiner Locken und beobachtete, wie sie wieder in Form sprang. Er setzte seine Geschichte fort: „Ich habe es meinem inneren Wolf nicht erlaubt, dich sofort zu beanspruchen. Ich habe mit der Familie Caro, einer einflussreichen Heiratsvermittlerfamilie, arrangiert. Ich bin ein viel beschäftigter Mann wie alle Alphas. Der Caro-Bruder und seine Schwestern wachen über die Gefährtinnen der Rudelführer, solange es nötig ist, bevor sie aus ihrem Leben gerissen und zu ihren Käufern gebracht werden können. Ich ließ Rose zur gleichen Zeit zu uns bringen. Mein Bruder hatte kurz vor mir seine Gefährtin gefunden. Wäre mir klar gewesen, dass der Entführer, den ich beauftragt hatte, eine so grausame Ader gegenüber Wesen wie dir hatte, hätte ich euch beide selbst abgeholt.“ Orion sah mich an, seine Augen flehten stumm um Vergebung. Der Impuls, mich auf ihn zu stürzen, loderte in mir auf, doch ich verdrängte meine lüsternen Gedanken. „Wie viel hast du für mich bezahlt?“, flüsterte ich. Vielleicht könnte ich das Geld aufbringen und mich selbst freikaufen. Orion kicherte. „Millionen“, antwortete er nüchtern. „Ich hätte aber alles gegeben, mein ganzes Vermögen, wenn nötig. Ich könnte es wieder erwirtschaften. Doch du bist unersetzlich“, sagte er und setzte sich in einer langsamen, aber fließenden Bewegung auf. Er bewegte sich wie ein Tiger, oder vielleicht, wie ein Wolf. Ich holte tief Luft. Ich könnte das niemals zurückzahlen. Dann erinnerte ich mich an etwas. „Ich habe so viele Schulden aus Studienkrediten und ich muss zurück zur Arbeit, um sie abzuzahlen! Meine Familie kann diese Last nicht tragen. Sie werden älter … “ „Schh, schh, mein kleines Luna“, murmelte er und strich mit seinen Fingern sanft über meine Lippen. „Alles ist geregelt. Deine Schulden sind beglichen, ebenso wie die Spielschulden deines Vaters.“ Ich schnappte nach Luft. Wie konnte er so viel über mich wissen? „Ich werde deiner Familie weiterhin monatlich Geld überweisen, so wie du es früher getan hast“, sagte er gelassen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Sie werden versorgt“, fügte er hinzu und ließ sich dann zurücksinken, die Augen fest auf mich gerichtet. „Warum nennen mich die Leute so? Luna? Bedeutet das ‚Mond‘?“, fragte ich. „Die Gefährtin des Alphas ist die ‚Luna‘. Die weiblichen Anführer des Rudels, wie eine Königin, eine Prinzessin, was auch immer du willst.“ Er sagte, lachend. „Orion“, murmelte ich und sprach seinen Namen zum ersten Mal aus. Sein Gesicht leuchtete auf. „Ja, Schatz?“, murmelte er erfreut, seine tiefe Stimme grollend. „Du hast Boris getötet“, sagte ich. Orion knurrte bei der Erwähnung dieses Namens. Ich ignorierte es und bemühte mich, mich an die Eigenheiten dieser Leute zu gewöhnen. „Aber du hast ihn geschickt, um mich überhaupt erst zu entführen. Das ist heuchlerisch“, sagte ich kühn. „Du denkst, was du willst“, sagte Orion kalt. Ich zuckte zusammen. Das war das erste Mal, dass er hart zu mir sprach. „Ich weiß, dass dieser Mann mehr Gewalt angewendet hat, als nötig war. Das ist ein uralter Brauch. Du bist nicht die Erste und sie kommen normalerweise nicht in diesem Zustand an“, sagte er und berührte meinen blauen Fleck. „Du hast also andere“, flüsterte ich erschrocken. „Andere Gefährtinnen.“ Mein Herz tat plötzlich so weh. Orion warf den Kopf zurück und lachte schallend. Es ließ mich zusammenzucken. „Nein, kleine Ärztin, ich rede von den Gefährtinnen anderer in meinem Rudel. Jeder Wolf hat nur eine Gefährtin. Wölfe binden sich fürs Leben“, erklärte er und sah mich an. Plötzlich spürte ich die Kälte des Raumes. Seine intensive Körperwärme hatte mich die kühle Nachtluft völlig vergessen lassen. „Wo sind wir?“, fragte ich. „Bei mir zu Hause“, sagte er. „Wo ist das? Wie weit sind wir von meinem Zuhause entfernt? Wo sind Rose und dein Bruder? Sind sie hier? Ich möchte sie sehen … “ „Ruhe!“, sagte er abrupt, wurde ungeduldig mit meinen Fragen und zog mich wieder an seine Brust. „Das reicht jetzt mit dem Reden. Es ist mitten in der Nacht. Schlaf.“ Er strich mit einer Hand sanft über mein Haar und meinen Rücken, während er mich mit der anderen fest an sich drückte. Eine heiße Röte überkam mich, und mein Herz schlug schneller. Seine Haut fühlte sich an wie die eines lebendigen Schmelzofens. Ich konnte mich kaum bewegen wegen seines festen Griffs. Ein leises Wimmern entfuhr mir, was ihn dazu brachte, seinen Griff zu lockern – er dachte wohl, er würde mir wehtun, obwohl ich nur überhitzt war. Mein Atem beruhigte sich allmählich, während er mich weiterhin sanft streichelte. Er hatte mir zwar das Fragen untersagt, aber eine Sache musste ich unbedingt wissen. „Perseus wird doch sanft zu Rose sein, oder? So wie du es gerade mit mir bist?“, fragte ich mit Sorge um meine Freundin, obwohl ich selbst den Bruder hatte, der den Mörder spielte. „Ja, natürlich“, sagte er lächelnd. Er küsste sanft meine Stirn. Gänsehaut überzog meinen ganzen Körper. Ich schmiegte mich an. Ich würde entsprechend mitspielen und morgen versuchen zu entkommen. Es schien nicht, als hätte er vor, mich heute Nacht zu „paaren“ oder zu „markieren“. Ich wusste, was Gefährtin bedeutete. Ich wusste nicht, was er mit ‚markieren‘ meinte, dachte aber an das Brandmarken mit einem heißen Eisen. Ich schauderte vor Angst bei dem Bild, das in meinem Kopf auftauchte, und Orion verstärkte seinen Griff erneut und zog die Decke über uns. Wärme umhüllte mich. Seine Hände massierten meinen Rücken in sanften Bewegungen, was mich einerseits beruhigte und gleichzeitig in Aufruhr versetzte. Unbewusst bewegte ich meine Hüften leicht gegen seine Taille, und als mir mein Tun bewusst wurde, erstarrte ich. Orion kicherte. Als sich sein Brustkorb beruhigte, glitt ich langsam in den Schlaf.
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