Kapitel 22: Baum ohne Blätter Der Herbst kam nicht als Jahreszeit. Er kam als Erinnerung an etwas, das nie gewesen war, als Sehnsucht nach etwas, das niemals kommen würde, als die Farbe, die zwischen Grün und Grau lag, zwischen Leben und Erstarren, zwischen dem Atmen, das nicht mehr aufhörte, und dem Stillstand, der kein Ende fand. Esther stand unter der Brücke. Nicht allein. Nicht mit jemandem. Einfach — da. Zwischen der Stadt, die über ihr aufragte, und dem Wasser, das unter ihr floss, zwischen dem Himmel, der keine Farbe hatte, und der Erde, die alle Farben enthielt. Der Baum war gewachsen. Nicht hoch. Nicht breit. Nicht in die Höhe, nicht in die Tiefe. Er war gewachsen in eine Richtung, die keine Richtung war, in eine Dimension, die keine Dimension war, in ein Sein, das kein Werde

