KAPITEL ZWEI
LIAM
Liam hörte ein Klopfen an seiner Tür. Er streckte sich und spürte Schmerzen überall in seinem Körper.
Es war schon ein Monat vergangen, und er hatte immer noch nicht genug Geld gespart, um sich eine richtige Matratze zum Schlafen zu leisten.
Er sparte von dem kleinen Einkommen, das er als Hausmeister im Krankenhaus erhielt.
Aber die Ausgaben wuchsen wie ein Elefant, während sein Einkommen wie eine Ameise war.
Er musste weiterhin mit den wenigen Mitteln zurechtkommen, die ihm zur Verfügung standen.
Als er sich widerwillig der Tür näherte, weiteten sich seine Augen vor Schock: Vor ihm stand seine Prinzessin, so elegant, mit Haut so weiß wie Milch.
„Ist etwas passiert?“, fragte er besorgt, während in ihrer Stimme die Sorge mitschwang.
Sie konnte nicht sprechen, Tränen liefen über ihr Gesicht.
Er blickte nach unten und sah Aria, deren Taschen gepackt neben ihr standen.
Er ließ sie zuerst herein, damit sie sich setzen konnte, bevor sie sprechen und erklären konnte, was passiert war.
„Setz dich“, sagte er und fühlte sich für sein Zuhause beschämt.
Er war so beeindruckt, als er in ihre Villa eingeladen wurde.
Er konnte nicht leugnen, dass ihre Eltern nicht gerade den Eindruck gemacht hatten, ihn zu schätzen, aber es störte ihn nicht. Er wusste, was er für ihre Tochter fühlte, und war bereit, ihr ein besseres und glückliches Leben zu schenken.
Er kam mit einem Glas Wasser zurück und reichte es Aria.
Sie nahm es, trank einen kleinen Schluck und schuf damit Raum, um sich ausdrücken zu können.
„Lass uns durchbrennen!“, ließ sie die Bombe platzen.
Er hatte gedacht, er würde sich freuen, doch Liams Reaktion brachte alles zum Stillstand.
„Nein, das geht nicht. Deine Eltern sind mächtig, und egal, wohin wir gehen, sie werden uns finden.“
Aria konnte ihre Verzweiflung nicht verbergen, die sich deutlich in ihrem Gesicht zeigte.
Sie hatte nicht erwartet, dass er sich ihrem Willen widersetzte.
„Liebst du mich wirklich?“, fragte sie.
Er hielt ihre Hände sanft. „Du weißt, dass ich es tue“, antwortete er.
„Warum akzeptierst du dann nicht meinen Vorschlag?“
Liam hatte es ihr gerade erklärt, aber sie schien nicht überzeugt zu sein.
„Ich werde versuchen, ihnen zu zeigen, dass ich ein würdiger Schwiegersohn bin“, sagte er.
Sie wusste, dass er es ernst meinte, aber wie sollte er es beweisen, wenn er arm und mittellos war?
„Du verstehst es nicht“, murmelte sie.
Doch Liam war überzeugt, dass es etwas gab, das er tun konnte, um ihre Meinung zu ändern.
„Ich werde mich morgen mit deinen Eltern treffen, direkt bei ihnen zu Hause. Ich werde stark sein und für die Liebe kämpfen, die ich für dich empfinde.“
Aria versuchte nicht weiter, ihn zu überreden. Sie ließ ihn mit seinen Gedanken zurück. Vielleicht würden ihre Eltern ihre Meinung ändern, wenn sie merkten, dass er es wirklich ernst mit ihrer Tochter meinte.
Am nächsten Tag erschien Liam in der Fedrick-Villa.
Ihr Vater war auf dem Weg zu einem Geschäftstermin, doch als er den Mann sah, den er so sehr nie in der Nähe seiner Tochter haben wollte,
rief er an und verschob das Treffen.
Liam atmete tief durch. Er hatte unzählige Male geübt, was er Mr. Federick sagen wollte.
Als er den Mund öffnete, kamen die Worte perfekt koordiniert heraus.
„Danke, Sir, dass Sie ein so wunderbares Mädchen wie Aria großgezogen haben. Ich verspreche, immer an ihrer Seite zu bleiben und sie mit größtem Respekt und Fürsorge zu behandeln. Ich brauche wirklich Ihren Segen.“
Mr. Federick fixierte ihn mit seinem Blick. Er war seit vielen Jahren an der Macht und wusste genau, wie man hungrige Menschen wie ihn handhabt.
Er entschuldigte sich, ging nach oben in sein Zimmer, kam mit einem Aktenkoffer zurück und öffnete ihn vor Liam.
Liams Augen weiteten sich schockiert.
„Nimm das und lass meine Tochter in Ruhe.“
Liams Gedanken rasten: Tausend und eine Möglichkeiten, was er mit dem Geld anfangen könnte.
Er musste seine Miete bezahlen, die in zwei Wochen fällig war. Er hatte keine richtige Mahlzeit gehabt.
Gott sei Dank hatten Arias Eltern ihn an dem Tag, als er zu ihnen kam, wenigstens etwas essen lassen.
Mr. Federick lächelte. Er konnte sehen, wie Liam zwischen Gier und Loyalität hin- und hergerissen war.
Er wusste, wie solche Situationen enden, und wartete geduldig, bis Liam sich entschieden hatte.
Doch er überraschte ihn mit seiner Antwort:
„Vielen Dank, Sir, für dieses riesige Geldgeschenk, aber die Liebe, die ich für Ihre Tochter empfinde, kann durch nichts ersetzt werden.“
Mr. Federick stand schockiert auf und schrie: „Das ist lächerlich! Liebe bezahlt keine Rechnungen, das musst du verstehen!“
Liam wusste nicht, woher er den Mut nahm, ihm zu antworten: „Aber sie überwindet alles.“
Mr. Federick fixierte ihn noch einmal und sagte ihm dann, er solle das Haus verlassen.
„Er glaubt, er kann sich in ihr Leben schleichen, aber ich werde dafür sorgen, dass er die Hölle erlebt, wenn er zwischen mich und meine Tochter tritt. Was dieses undankbare Kind betrifft…“, er nahm sein Handy und sperrte ihre Black Card.
„Mal sehen, wie sie ihre Bedürfnisse decken soll. Schon bald wird sie zurückkriechen, wenn er nicht für sie sorgen kann.“
Liam kam nach Hause zurück. Aria ging auf ihn zu.
„Wie ist es gelaufen?“
Liam schwieg die ersten Minuten. Er war noch immer schockiert von dem, was vorhin passiert war.
„Ich habe dich unterschätzt, Dad“, sprach er schließlich aus. „Ich kann nicht glauben, dass er dachte, er könnte mich mit Geld kaufen.“
„Ich verstehe nicht.“
„Nun, nachdem ich ihm mein Herz ausgeschüttet hatte, ist dein Vater einfach nach oben gegangen und kam mit einem Aktenkoffer voller Geld zurück.“
„Und was hast du getan?“
„Ich habe ihm gesagt, dass ich meine Liebe zu dir nicht eintauschen kann.“
Aria lächelte tief beeindruckt.
„Jetzt verstehst du, wenn ich sage, dass sie so schnell nicht nachgeben werden.“
Liam ließ sich verzweifelt fallen. Er war nicht bereit, Aria um nichts auf der Welt zu verlieren.