Die Palastbibliothek roch nach altem Leder, Staub und Geheimnissen. Hohe Regale erstreckten sich in die Schatten, nur beleuchtet von niedrigen Gaslampen, die wie sterbende Sterne flackerten. Seraphina war nach dem Abendessen hierhergekommen, um ein letztes Nachschlagewerk über Winterblumenarrangements zu holen – etwas Harmloses, um den Schein zu wahren –, doch sobald sie durch den Bogen trat, hörte sie Stimmen. Tief. Intim. Gefährlich. Sie erstarrte hinter einer Reihe alter Folianten über Rudelgenealogie, Herz hämmerte. Die Hitze simmerte noch unter ihrer Haut, ließ jeden Atemzug zu laut wirken, jedes Rascheln von Stoff zu verräterisch. Sie drückte sich gegen das Regal und lauschte. „…sie fickt meine Prinzen.“ Lianas Stimme – scharf, giftig. „Diese Omega-Schlampe denkt, sie kann nehmen,

