Carens Sicht Das Morgenlicht drang in fahlen, gleichmäßigen Linien durch die Jalousien. Die Wohnung war still, wie es in teuren Wohnungen üblich ist – abgeschirmt, kontrolliert. Ich polierte gerade die Kante des Konsolentisches, als mein Handy in meiner Schürzentasche vibrierte. Unbekannte Nummer. Ich hätte während meiner Dienstzeit nicht rangehen sollen. Tat es aber trotzdem. „Hallo?“, fragte ich leise. Eine Pause. Dann ein raues Flüstern. „Caren … dein Bruder ist frei.“ Das Tuch glitt mir aus der Hand. Einen Moment lang dachte ich, ich hätte mich verhört. Jahre des Wartens hatten mich gelehrt, gute Nachrichten nicht zu schnell zu glauben. „Was hast du gesagt?“ „Er ist draußen. Aber du musst dich beeilen.“ „Wo ist er?“, fragte ich eindringlich. „Du bekommst den Standort. Sei

