Chapter 4

1371 Words

Überschrittene Grenzen Skye Emerson stand wie erstarrt am Rand der Stonebridge-Eishalle, ihr Skizzenbuch fest an die Brust gedrückt, während Laurel Danes scharfer Blick sie durchbohrte. Natürlich wusste sie, wer sie war; Maya hatte ihr alles über sie erzählt. Das wissende Grinsen, das Laurels Augen nicht erreichte, verschwand noch nicht. Ihre Augen huschten zwischen Skye und Knox Callahan hin und her, als würde sie jedes Detail für später katalogisieren. „Lustig“, sagte Laurel, ihre Stimme triefte vor zuckersüßer Freundlichkeit, die nicht mit dem Eis in ihrem Blick übereinstimmte. „Ich hatte keine Ahnung, dass diese Spendenaktion mit… Extras kommt.“ Sie neigte den Kopf, ihr Lächeln wurde schärfer, als sie Skye direkt ansah. Knox’ Kiefer zuckte, ein Muskel spannte sich unter der Oberfläche, aber er biss nicht an. „Hast du nicht Cheerleader-Training?“, fragte er beiläufig, während er den Riemen seiner Sporttasche zurechtrückte. Seine Augen ließen Laurel nicht los, aber sie enthielten keine Wärme. Laurels Lächeln wurde breiter, unbeeindruckt. Sie stieß sich von der Bande ab, wo sie stand, und kam auf die beiden zu. „Wir sehen uns, Skye“, rief sie über die Schulter, während sie Richtung Ausgang schlenderte, ihre Worte trugen ein Gewicht, das lange nach ihrem Verschwinden nachhallte. Skyes Magen verkrampfte sich, die unausgesprochene Drohung setzte sich in ihrer Brust fest. Es war seltsam für Skye, dass Laurel keine Szene machte, als sie sie mit Knox sah. Sie versuchte, es abzuschütteln, aber ihr Herz schlug schnell bei dem Gedanken, was sie erwartete. Knox kommentierte es nicht, sein Ausdruck war undurchdringlich, als er sich zum Eis wandte. „Lass uns weitermachen“, sagte er, als wäre der Moment mit Laurel nicht passiert. Skye nickte, ihr Kopf schwirrte noch immer von dem Kuss im Wartungsraum und jetzt dieser neuen Schicht der Spannung. Sie folgte ihm zu einem kleinen Tisch in der Nähe der Tribünen, wo sie ihre Notizen für die in einigen Tagen stattfindende Spendenaktion ausgebreitet hatten. Sie setzten sich in eine Ecke und vertieften sich in die Planung, aber die Atmosphäre zwischen ihnen fühlte sich anders an als zuvor, als sie sich das erste Mal trafen. Skye drängte auf nachhaltige Ideen und skizzierte ein Budget für das Wohltätigkeits-Schlittschuhlaufen und die Kunstauktion. „Wir können lokale Anbieter für das Essen nutzen, die Kosten niedrig halten“, sagte sie und kritzelte Zahlen in ihr Notizbuch. „Und die Kunstauktion kann Arbeiten von Schülern zeigen, meine, andere, was auch immer. Es ist persönlich, das wird den Leuten gefallen.“ Knox lehnte sich zurück, die Arme verschränkt, eine Augenbraue hochgezogen. „Glaubst du wirklich, dass die Leute für ein paar Zeichnungen und billiges Essen kommen?“, sagte er mit einem leicht neckenden Unterton. „Wir brauchen etwas Auffälligeres. Eine große Verlosung, vielleicht signierte Eishockeyausrüstung. Gib ihnen einen Grund, ihre Brieftaschen zu öffnen.“ Skye verdrehte die Augen. „Nicht alles muss ein Spektakel sein, Callahan. Manchmal funktioniert einfach.“ Sie tippte mit ihrem Stift auf den Tisch und hielt seinem Blick stand. Sein Knie stieß unter dem Tisch gegen ihres, verweilte einen Moment zu lange, bevor er sich bewegte, und der Kontakt ließ einen Funken durch sie schießen, ihr Puls beschleunigte sich. Sie stritten hin und her, ihre Stimmen wurden lauter und leiser, bis Knox einen Live-DJ für das Schlittschuh-Event vorschlug. „Ein DJ? Wir veranstalten keine Rave-Party, Knox“, konterte Skye. Er ließ ein Lächeln aufblitzen, ein seltenes, das die scharfen Linien seines Gesichts weicher machte. „Leb ein bisschen. Sieht diese Schule aus wie der Gossenort, wo du lebst, wo die Leute nichts Auffälliges und Elegantes mögen oder sich leisten können?“ Skyes Ausdruck veränderte sich aus irgendeinem Grund, er lachte und sagte ein paar Worte. „War nur ein Scherz.“ Seine Augen funkelten vor Schalk, und für einen Moment ertappte sich Skye dabei, wie sie lächelte. Sie hasste, wie sehr sie diese Seite an ihm mochte. Es war entwaffnend, und sie war sich nicht sicher, ob ihr gefiel, was es mit den sorgfältig errichteten Mauern um ihr Leben und ihren Lebensstil anstellte. Der Moment wurde unterbrochen, als Maya auftauchte, einen dampfenden Becher Kakao balancierend, während ihre andere Hand und ihre Aufmerksamkeit auf ihrem Handy lagen. Sie warf kaum einen Blick in Skyes Richtung. „Dachte, du könntest eine Pause gebrauchen“, sagte sie und stellte den Becher auf den Tisch, als sie plötzlich den Kopf hob und ihre Augen zwischen Skye und Knox hin und her huschten, ein kalter Glanz in ihrem Ausdruck in Richtung Knox, aber sie kommentierte es nicht. „Arbeite nicht zu hart“, sagte sie zu Skye. „Danke“, murmelte Skye, ihr Fokus schon wieder auf den Papieren vor ihr. Skye griff nach ihrem Becher, und dabei streifte Knox’ Hand ihr Handgelenk, die Berührung ließ Schauer über ihren Rücken laufen, als sie zu ihm aufsah. Er beugte sich leicht vor, seine Stimme so leise, dass Maya, die sich bereits zurückzog, es nicht hören würde. „Sei vorsichtig“, sagte er, die Worte sanft, aber mit einem Gewicht, das ihr Herz einen Schlag aussetzen ließ. Sie war sich nicht sicher, ob er die Spendenaktion, Laurel oder etwas ganz anderes meinte. Skye zog ihre Hand zurück, ihre Haut kribbelte dort, wo seine Finger gewesen waren. „Du machst mir Angst“, sagte sie. Knox’ Lippen zuckten, aber er antwortete nicht und wandte sich wieder ihren Notizen zu. Als der Nachmittag voranschritt, wurde der Schnee draußen dichter und hüllte die Welt in eine sanfte Stille. Sie zogen in den Lagerraum, um Materialien für die Spendenaktion zu sortieren – Banner, Dekorationen, alles, was sie wiederverwenden konnten. Der Raum war klein, die Luft erfüllt vom Geruch alter Papiere. Regale ragten über ihnen auf, gestapelt mit Pappkartons. Skye griff nach einer Kiste mit der Aufschrift „Winterfest“, aber sie war gerade außer Reichweite, ihre Finger streiften den Rand. Ihre Größe von 1,52 m reichte nicht aus. „Du hast ein scharfes Mundwerk, aber nie genug Größe“, platzte Knox heraus, als er hinter sie trat, seine Brust streifte ihren Rücken, während er die Kiste herunterholte. Die plötzliche Nähe ließ ihren Atem stocken, die Wärme seines Körpers sandte Schauer durch sie, während sie sich davon abhielt, ihn anzuschnauzen. Sie liebte dieses Gefühl. Er stellte die Kiste ab, trat aber nicht zurück, seine Präsenz ragte noch über ihr auf, als sie sich umdrehte, um ihm gegenüberzustehen. Sie waren zu nah, rissen den Blickkontakt nicht ab. Seine grünen Augen hielten ihre fest, intensiv. Skyes Herz schlug lauter, aber sie zog sich nicht zurück. Stattdessen schloss sie die Lücke, ihre Lippen trafen seine in einem Kuss, der mutiger war als der im Wartungsraum. Seine Hände glitten zu ihren Hüften, zogen sie dicht an sich, während ihr Puls raste. Der Kuss vertiefte sich, ihre Finger krallten sich in die Rückseite seiner Jacke, während die Welt sich auf sie beide reduzierte. Plötzlich zersplitterte ein scharfes Klopfen den Moment und riss sie auseinander. „Callahan, ich brauche dich auf dem Eis“, bellte die raue Stimme von Coach Keller durch die Tür. „Jetzt.“ Er fügte hinzu. Coach Brent Keller war 45 Jahre alt. Seine Persönlichkeit war intensiv, altmodisch, manipulativ, machtgierig, und er war ein ehemaliger Eishockeyprofi, der zum Trainer wurde. Bekannt dafür, Favoriten zu spielen und Spieler zu Entscheidungen zu drängen, die seinem Ruf nützen. Seine Absichten mit Knox waren, ihn zum Aushängeschild des Teams zu machen und auf seinem Erfolg eine Trainerkarriere an einer Uni aufzubauen. Er war auch ein Manipulator, aber Knox sah all das nicht in ihm. Knox sah in ihm nur einen Mentor, der ihn inspiriert und will, dass er im Eishockey und akademisch erfolgreich ist. Er sorgt stets dafür, dass Knox nicht abgelenkt wird. Knox trat zurück, sein Atem unregelmäßig, seine Augen noch immer auf Skyes gerichtet. Ein langsames, fast gefährliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, voller Versprechen und unerledigter Angelegenheiten. „Die Pflicht ruft“, sagte er, seine Stimme tief, bevor er sich umdrehte, seinen Helm schnappte und zur Tür ging. Skye stand da, ihr Herz raste noch immer, ihre Lippen kribbelten von dem Kuss. Sie legte eine Hand an ihre Wange, versuchte, sich zu beruhigen, als die Tür zuschwang und sie allein mit ihren märchenhaften Gedanken zurückließ.
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