Kapitel 4: Willst du dich etwa rar machen?

668 Words
„Tyler! Wie konntest du so etwas sagen?!“ Tylers Vater hielt es nicht länger aus und kam eilig durch die Seitentür nach draußen. In seinem Blick lagen Vorwurf und Zorn. Kurz darauf schob auch Tylers Mutter die Großmutter im Rollstuhl hinaus. Die Stimmung war düster, die Gesichter aller angespannt. „Tyler, das, was du gesagt hast, war eindeutig zu viel!“ Die Hände der Großmutter, die auf dem Rollstuhl ruhten, ballten sich langsam zu Fäusten. Ihr Ton war streng. „Entschuldige dich sofort bei Emma!“ Emma richtete ihren Blick langsam auf Tylers Gesicht. Eine Entschuldigung? Sie hatte längst keine Erwartungen mehr. Er konnte sogar den Tod ihres Vaters benutzen, um sie zu verletzen – musste sie da wirklich noch Hoffnung in ihn setzen? Um ihre Familie nicht weiter zu belasten und um die Situation nicht noch hässlicher werden zu lassen, setzte Emma sofort ein makelloses Lächeln auf. „Papa, Mama, Oma, es ist schon gut. Tyler hat das sicher nur aus einem Moment der Überemotionalität heraus gesagt. Er wollte mich bestimmt nicht verletzen.“ In diesem Moment war sie körperlich wie seelisch völlig erschöpft. Sie wollte diese Farce einfach nur schnell beenden. Doch Tyler lachte leise, als würde er Emmas Worte lediglich als Schauspiel abtun. Plötzlich wirkte Zara von Schuldgefühlen übermannt. „Es tut mir leid, es ist meine Schuld. Ich hätte nicht kommen sollen. Ich gehe jetzt.“ Ihr tränenreiches Gesicht ließ sofort Besorgnis in Tylers Augen aufblitzen. Ein Schwall aus Wut stieg in Emmas Herz. Sie wollte dieser Frau die heuchlerische Maske vom Gesicht reißen. „Zara, in diesen drei Jahren hat sich offenbar nur eines bei dir verbessert – deine widerliche Schauspielkunst, nicht wahr?“ Tylers scharfer Blick fegte sofort zu Emma hinüber, als wollte er sie in Stücke reißen. Zara zu verletzen war in seinen Augen ein Kapitalverbrechen. „Tyler, ich sollte wirklich gehen …“ Zara bedeckte ihr Gesicht und wollte sich abwenden. Tyler packte sofort ihr Handgelenk. „Du musst nicht gehen. Diejenige, die gehen sollte, ist jemand anderes.“ Dabei warf er Emma einen kalten Blick zu. In diesem Moment fühlte Emma sich vollkommen geschlagen. Die Großmutter verstand Tylers Blick augenblicklich. Sie wollte nicht zulassen, dass ihre Enkeltochter Schwiegertochter Unrecht erleidet. „Tyler, hörst du mir jetzt überhaupt nicht mehr zu? Ich verlange eine Entschuldigung bei Emma! Und schick diese Frau sofort weg! Das Bankett der Familie Brooks ist nicht für Außenstehende bestimmt!“ Als direkt Betroffene reagierte Emma überraschend ruhig. „Großmutter, lass mich die Angelegenheiten zwischen Tyler und mir selbst regeln.“ „Emma …“ Die Blicke aller waren voller Mitgefühl. Nur Tyler blieb kalt und emotionslos – ohne ihr auch nur den kleinsten Trost zu schenken. Der Mann, mit dem sie drei Jahre verheiratet gewesen war, hatte nicht nur den Tod ihres Vaters benutzt, um sie zu verletzen – nun wollte er sie auch noch hinauswerfen. „Tyler, ist es das, was du willst? Mich vertreiben?“ Emma zog leicht den Mundwinkel nach oben. Ihr Lächeln war bezaubernd, doch darunter verbargen sich Traurigkeit und Selbstironie, die nur sie selbst kannte. „Gut. Dieses Mal gehe ich, ohne dass du mich dazu zwingst.“ „Wenn ich sage, ich gehe, dann meine ich, dass wir getrennte Wege gehen.“ Diesmal, Tyler – bist du jetzt zufrieden? Als sie das hörte, sagte Tylers Mutter hastig: „Emma, sag doch nicht so etwas Dummes! Tyler, warum stehst du noch da? Sag doch etwas!“ Tyler hatte nicht erwartet, dass Emma so etwas sagen würde. In seinen Augen war diese Frau immer wie ein lästiges, klebriges Bonbon gewesen, das man einfach nicht loswurde. Was nun? Wollte sie plötzlich einen taktischen Rückzug antreten? Noch bevor Tyler reagieren konnte, stürzte Zara plötzlich nach vorne, packte Emmas Hand und weinte: „Emma, bitte tu das nicht. Ich wollte dich wirklich nicht dazu zwingen, dich von Tyler scheiden zu lassen! Wenn ich nicht mit Tylers Kind schwanger wäre …“ Mit diesen Worten richteten sich alle Blicke auf sie. Schwanger? Mit Tylers Kind?!?
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