Die Fritteuse zischte, als hätte sie etwas Persönliches gegen ihn, und der Geruch hing schwer im ganzen Laden.
Toby wischte sich die Hände an einem Lappen ab, der schon vor Stunden aufgehört hatte, sauber zu sein, und sah wieder auf die Uhr. Sechs Minuten nach Ladenschluss. Sechs Minuten fühlten sich länger an, wenn man darauf wartete, achtzehn zu werden.
Die Glocke über der Tür klingelte.
Er blickte auf und rechnete mit einer letzten Bestellung und passend abgezähltem Kleingeld.
Stattdessen sah er einen blonden Plastikkopf, der gegen die Fensterscheibe eines schief geparkten Autos gedrückt war.
Die Puppe war angeschnallt.
Ashlyn beugte sich vom Fahrersitz herüber und winkte ihm, ihr Lächeln hell genug, um seine Brust enger werden zu lassen. Willy hielt die Puppe auf der Rückbank aufrecht, als hätte sie einen höheren Rang als er. Remington filmte alles.
„Feierabend, Geburtstagskind!“, rief Willy.
Sein Manager warf einen Blick zum Fenster. „Gehört das zu dir?“
„Leider.“
Er band sich die Schürze ab, seine Finger weniger ruhig als sonst. Der Laden fühlte sich plötzlich kleiner an als den ganzen Tag über.
Als er nach draußen trat, saß die Puppe auf dem Fahrersitz.
„Sie hat darauf bestanden“, sagte Willy.
Ashlyn verdrehte die Augen. „Steig ein.“
Er setzte sich auf den Beifahrersitz. Die Puppe war wieder neben ihm angeschnallt, das Plastiklächeln unbeirrbar.
„Ihr hättet mir auch einfach schreiben können.“
„Das hier hatte Stil“, sagte sie.
Er lachte. Es klang schärfer, als er wollte.
„Alles Gute zum Geburtstag“, fügte sie leiser hinzu.
Die Worte sanken tiefer, als sie sollten.
Sie fuhren laut und chaotisch zum Freizeitpark. Die Puppe wurde wie ein sechstes Mitglied durch das Drehkreuz getragen. Der Mitarbeiter beim Einlass starrte einen Moment – und sagte nichts.
Willy erklärte, die Puppe heiße Veronica. Remington widersprach. Sydney ging neben Ashlyn her und beobachtete alles, ohne etwas zu sagen.
Toby bemerkte immer wieder, dass Ashlyn ihn ansah. Und wenn er ihren Blick erwiderte, wandte sie ihn nicht ab.
Sie begannen mit der größten Achterbahn.
Die Kette klickte unter ihnen, als sie langsam nach oben gezogen wurden. Ashlyns Hand fand seine ohne Zögern.
„Angst?“, fragte sie.
„Nie.“
Der Sturz nahm ihm den Rest des Satzes.
Als sie wieder unten ankamen, lachte Remington so sehr, dass er sich am Geländer festhalten musste. Ashlyn war gerötet, ihre Augen hell.
„Du sahst panisch aus“, sagte sie.
„Du hast meinen Arm benutzt wie einen Haltegriff.“
Sie lächelte so, dass der Streit von letzter Woche plötzlich weit weg wirkte.
Sie bewegten sich laut und unbeschwert durch den Park. Zuckerwatte. Spielstände. Toby gewann nach zwei Fehlversuchen ein billiges Stofftier. Ashlyn band es der Puppe um den Arm.
Sydney blieb manchmal einen Schritt zurück. Nicht wertend. Nur aufmerksam.
Es passierte in der Schlange vor dem Riesenrad.
Ashlyn stoppte mitten im Satz.
Nicht dramatisch. Nur einen Moment zu lang.
Ihre Hand krallte sich in Tobys Shirt.
„Was?“, fragte er.
Sie antwortete nicht.
„Rivera?“
Toby drehte sich um.
Grant stand ein paar Meter entfernt mit zwei Jungs vom Camp. Breite Schultern. Das T-Shirt spannte über Muskeln. Er wirkte selbstverständlich in seinem Körper, auf eine Art, die Toby plötzlich bemerkte.
„Hätte nicht gedacht, dich so bald wiederzusehen“, sagte Grant. „Kleine Welt.“
Der Handschlag war automatisch. Vertraut.
Ashlyn hatte sich nicht bewegt.
Grants Blick glitt zu ihr und blieb einen Moment hängen.
„Oh. Hey.“
Das Wort fühlte sich unvollständig an.
„Hi“, sagte Ashlyn.
Willy sah verwirrt aus. Remington studierte einen Parkplan, als wäre er kompliziert. Sydney rückte näher zu Ashlyn, ohne sie zu berühren.
„Seid ihr zusammen?“, fragte Grant.
„Ja“, antwortete Ashlyn, bevor Toby etwas sagen konnte.
Grant nickte einmal. „Cool.“
Es bedeutete nichts.
Sie standen einen Atemzug zu lang da.
Dann klopfte Grant Toby auf die Schulter. „Man sieht sich.“
Es war nicht feindselig.
Es war schlimmer.
Sie stiegen ins Riesenrad, weil niemand etwas anderes vorschlug.
Die Gondel schwankte, als sie höher stiegen. Die Lichter verschwammen unter ihnen. Toby spürte, wie Ashlyn neben ihm schneller atmete.
„Alles okay?“, fragte er.
Sie nickte zu schnell. „Alles gut.“
Ihre Finger waren kalt.
„Das war er“, sagte sie schließlich.
Er fragte nicht, woher er es wusste.
„Okay.“
Sie sah ihn an, als erwarte sie etwas Schärferes. Wut. Vorwürfe.
„Du schuldest ihm nichts“, sagte Toby.
Ihre Schultern sanken ein Stück.
Sie merkten erst eine Stunde später, dass sie die Ausgangssperre verpasst hatten, als Sydney auf ihr Handy sah und blass wurde.
„Meine Mom bringt mich um.“
„Oma wohnt näher“, sagte Sydney. „Wir können zu ihr.“
Sie fuhren mit ausgeschalteter Musik.
Die Puppe hing schief auf der Rückbank, leicht eingefallen an den Nähten. Toby beobachtete Ashlyn im Spiegel der Windschutzscheibe. Sie blinzelte zu langsam.
„Willst du darüber reden?“
„Nicht wirklich.“
Er nickte einmal und sah wieder auf die Straße.
Sydneys Großmutter öffnete in Hausschuhen die Tür und zählte Köpfe, ohne viele Fragen zu stellen. Lavendel und altes Holz lagen in der Luft.
Sie breiteten Decken im Wohnzimmer aus. Willy schlief nach wenigen Minuten. Remington hörte mitten im Satz auf zu reden und setzte ihn nicht fort.
Ashlyn saß am Rand der Couch, die Ellbogen auf den Knien.
Toby setzte sich neben sie, ließ aber Abstand.
„Er macht alles kleiner“, sagte sie.
Sie rieb sich die Hände, als würde sie sie wärmen wollen. „Ich hasse es, dass ich immer noch reagiere.“
„Das heißt nicht, dass er gewinnt“, sagte Toby.
Sein Kiefer spannte sich an, aber seine Stimme blieb ruhig.
Sie sah ihn an. „Du musst das nicht reparieren.“
Er schluckte und sah auf seine Hände.
Sie traten auf die Veranda hinaus. Die Luft war kühler. Grillen füllten die Stille.
„Ich mag ihn nicht“, sagte Toby.
„Musst du auch nicht.“
„Er wird dich nicht mehr stören.“
Der Satz wog schwerer, als er beabsichtigt hatte.
„Darum geht es nicht“, sagte sie.
Er nickte, doch seine Schultern blieben angespannt.
Drinnen summte das Haus leise. Die Puppe lehnte vergessen an der Wand.
Ashlyn schmiegte sich an ihn, ohne zu fragen.
Er legte den Arm um sie und hielt still.
Sie schlief zuerst ein.
Toby blieb wach.
Er ging Grants Schultern noch einmal durch. Seine Stimme. Die Art, wie Ashlyns Körper erstarrt war, bevor sie etwas gesagt hatte.
Sein Hals fühlte sich trocken an.
Er sagte sich, es sei Sorge.
Er sagte sich, es sei Liebe.
Die Verandalampe flackerte.
Er blinzelte nicht.