IV Räuber

966 Words
Die Sonnenstrahlen kitzelten mich an der Nase und weckten mich aus dem Schlaf. Die Nacht über hatten wir in einer kleinen Mulde, am Rande eines Waldes verbracht. Nah an Ricks dichtes Fell gekuschelt, war die Nacht nicht allzu kalt. Blinzelnd öffnete ich die Augen und streckte mich gähnend. Da rumpelte mein Magen plötzlich und teilte mir mit das ich Hunger hatte. Ich hielt entschuldigend meine Hand auf meinen Bauch. Während meines Aufenthaltes in Xiar hatte ich noch nichts gegessen. Rick erhob sich neben mir. ,,Wir können unterwegs durch den Wald, nach etwas essbaren Ausschau halten.", schlug er vor und tabte bereits voraus. Ich stand auf, putzte mir den Dreck von der Kleidung und folgte ihm. ,,Woher weißt du wo wir lang müssen?", fragte ich ihn und berührte ihn an der Schulter. ,,Wir folgen dem Weg der weder von Mond noch Sonne beschienen wird, also Richtung Norden.", antwortete Rick mir und wir traten in den Schatten des dichten Blätterdaches. Die aufgehende Sonne schickte ihre Strahlen zwischen die Stämme der Bäume und der Himmel färbte sich rot. Frische Morgenluft mischte sich mit dem Geruch des Waldes und plötzlich erinnerte mich dieser Morgen an den letzten, als der Bus ausfiel und ich den ganzen Weg bis zur Stadt rennen musste. Damals schienen mir ebenfalls die roten Strahlen der Sonne ins Gesicht und die Morgenluft war frisch und kühl. Nun befand ich mich hier in Xiar. Nun konnte ich trotzdem Heilerin werden, egal ob ich jeden Tag an der Universität für Gesundheit und Soziales zu spät kam. Und es war sogar meine Bestimmung. Plötzlich knackte ein Ast und über unseren Köpfen raschelten die Blätter und mit einem Mal waren Rick und ich plötzlich nicht mehr allein. Denn von den Bäumen ließen sich mächtige Gestalten herab und umkreisten uns. Sie waren groß und kräftig, trugen schmutzige, braune Kleidung und schauten uns mit harten Gesichtern an. ,,Räuber.", knurrte Rick und sah sich um. Mir stockte das Herz, Räuber? Wer jagte mich denn noch alles? Ein Bärtiger, der uns direkt gegenüber stand, ließ eine fette Keule auf den Boden krachen. ,,Überlass uns das Mädchen, Hund.", brummte der Räuber und bohrte seinen finsteren Blick in Ricks. Dieser verfiel in Angriffsstellung, legte die Ohren an und zog die Lefzen nach oben. ,,Nur über meine Leiche.", knurrte er. Der Räuber wirbelte seine Keule herum, als sei sie aus Pappmaché und grinste höhnisch:,, Das sollst du haben." Ich zog das Messer aus meinem Gürtel, das Nadda mir geschenkt hatte und spannte die Muskeln an. Da stürzte sich der große Räuber plötzlich vor und schwang seine Keule mit lautem Gebrüll. Ich stolperte zur Seite, knapp entkam Rick dem Hieb und schlug die Pranke nach ihm. Ein anderer Räuber packte mich am Arm, ich versuchte mich zu wehren und schlug das Messer um mich da ergriff mich ein zweiter. Ich zog an ihrem Griff und versuchte mich zu befreien, aber sie hatten mich fest in der Mangel. Rick wandte sich um, warf knurrend einen zweiten Räuber um und biss ihm in den Arm, bis er vor Schmerzen schrie. Da packte ihn aber schon der nächste am Schwanz und warf ein Messer nach ihm. Der große Wolf aber wirbelte erneut herum und sprang den Räuber mit einer tierischen Wildheit einfach an. Blut tropfte ihm aus dem Maul und er blitzte seine Feinde kampflustig an. Dennoch schafften sie es das große Tier zu Fall zu bringen. Denn einer sprang von hinten auf ihn, während ein anderer seinen Kopf zu Boden drückte. Eine Frau umspannte seinen Körper mit Ketten, die ihn schwer am Boden festnagelten. Der bärtige Räuber, mit seiner fetten Keule, lachte gellend und blickte herablassend auf den knurrenden Wolf herab. Mir blieb ein Kloß in der Kehle stecken und die Angst breitete sich aus. Der Räuber drehte sich zu mir um, griff nach mir und legte seine fetten Finger um meinen Hals. ,,Sie ist Gold wert.", brummte der Räuberboss und zerdrückte meine Kehle, ,,Der König wird viel für sie zahlen." Ich begann zu zappeln, wie ein Fisch auf dem Land und trat nach dem Räuber aus. Seine dicke Hand zerdrückte meine Luftröhren und ich röschelte panisch nach Sauerstoff. Rick wehrte sich, kam aber von den Ketten der Frau nicht los. Wild schnappte er um sich, kratzte mit seinen Krallen am Boden und warf mir hektische Blicke zu. Die beiden Räuber links und rechts von mir hatten mich losgelassen und ihr Boss hob mich nun vom Boden empor und ließ mich in der Luft strampeln. Meine Lungen brannten, ich kratzte mit meinen Fingernägeln an den dicken Händen des Räubers, bis ich Blut spürte aber er ließ mich nicht los. Will er mich umbringen? Ich spürte meinen Puls laut in meinen Ohren pumpen. Ich darf nicht sterben! Sie zählen auf mich. Ich stöhnte langgezogen, meine Lunge verrenkte sich. Jemand muss uns doch helfen! Irgendjemand!, kreischten meine Gedanken. Plötzlich zischte es neben mir, wie das Zischen einer Schlange und ein spitzer Ellenbogen vergrub sich in dem Gesicht des Räubers. Dieser war so überrascht das er mich kurzerhand losließ und ich zu Boden stürzte. Sternchen glitzerten vor meinen Augen und ich sah nur noch schwach, wie die Räuber sich brüllend auf die dunkle Gestalt stürzten. Aber plötzlich zeichneten sich grün, leuchtende Ruhnenzeichen auf dem Waldboden, den Stämmen und Blättern der Bäume ab. Und mit einem Mal begannen sie zu strahlen und schleuderten die Räuber fort und sie krachten weit in das Unterholz des Waldes. Der Umhang der Gestalt flatterte, wegen des Windes der aufkam. Vor meinen Augen wurde es weiß. Ich spürte eine mächtige Magie die von ihr ausströmte. Wer ist das? Ob das der große Heiler ist? Seine Gestalt wirkte schlank und elegant und glich eher der Figur einer Frau. Eine Frau? Meine Gedanken umkreisten schwach diese Idee, doch als die Fremde sich schwungvoll umdrehte, verblasste das Bild und ich stürzte in Ohnmacht.
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