Ich stand vor dem Konferenzraum, die Hände fest hinter dem Rücken verschränkt, mein Herz schlug immer noch wild von dem Schrecken, Christian so früh verloren zu haben. Wenn mir so ein Fehler noch einmal passierte, konnte ich meinen Job verlieren, und all meine Pläne sowie die ganze Mühe, die ich in die Anstellung gesteckt hatte, wären umsonst gewesen.
Der Konferenzraum öffnete sich, und die Führungskräfte kamen einer nach dem anderen heraus. Meine Kiefermuskeln spannten sich an, mein Rücken straffte sich, als ich Christians Rückkehr erwartete.
Die Anzahl der Personen, die herauskamen, wurde geringer. Dann hörte sie ganz auf. Keiner von ihnen war Christian. Ich ging zur Tür und klopfte, mein Herz hämmerte. Es kam keine Antwort.
Ich stieß die Tür auf, und zu meinem Entsetzen war der Konferenzraum vollkommen leer. Christian war schon wieder verschwunden.
Ich fluchte leise, stürmte aus dem Konferenzraum und rannte zum privaten Aufzug. Ich lief weiter in Richtung der Tiefgarage, gerade als ein schwarzer Sportwagen mit aufheulendem Motor herausraste.
„Fuck“, fluchte ich leise und rannte aus der Garage, winkte das erste Taxi heran, das ich finden konnte.
Sobald es anhielt, zeigte ich auf den davonrasenden Wagen. „Hinterher. Bitte verlieren Sie ihn nicht. Schnell!“
Wir fuhren durch den Verkehr, bis Christians Wagen schließlich vor dem städtischen Krankenhaus langsam zum Stehen kam. Ich beobachtete, wie er ausstieg und langsam ins Krankenhaus ging.
Was machte er in einem Krankenhaus?
Ich gab dem Taxifahrer Geld und stieg sofort aus, folgte ihm dichtauf, hielt aber genug Abstand.
Er ging zur Treppe und blieb dann vor dem zweiten Zimmer stehen, die Kiefer fest zusammengepresst.
„Was machen Sie hier?“, fragte ich schließlich und versuchte, den feierlichen Ausdruck in seinen Augen zu ignorieren.
Er sah überhaupt nicht mehr wie sein selbstgefälliges Ich aus. Sein Blick war gesenkt, die Finger zu Fäusten geballt, die Augen starr auf die Glasfenster in der Tür des Krankenzimmers gerichtet.
„Mein Fahrer“, sagte er nach langem Schweigen. „Der gleiche, der mich beim Restaurant abgeholt hat. Er liegt da drin. Im Koma. Er kämpft um sein Leben.“
Ich drehte mich zur Tür und sah den Mann dahinter an. Er war d**k mit Bandagen umwickelt, ein Bein gestreckt, die Augen geschlossen. Ein Monitor piepte gleichmäßig neben ihm, seine Brust lag frei, mit Drähten, die aus ihm herausführten.
Ich schluckte schwer, sagte aber nichts.
„Es ist unfair, oder?“, fragte er plötzlich mit leiser Stimme. Die Schuld war unüberhörbar – von der Tiefe in seinen Augen bis zur Resignation in seiner Stimme. „Ich war das Ziel, aber er liegt da drin und kämpft um sein Leben, während ich hier draußen bin, von einer Leibwächterin gejagt werde und in Milliarden-Meetings sitze.“
„Sie konnten nicht wissen, dass der Unfall passieren würde“, sagte ich schließlich, ohne ihm in die Augen zu sehen. „Sie hätten derjenige da drin sein können. Sie hätten sterben können. Sie hatten Glück. Sein Zustand ist nicht Ihre Schuld.“
Er schaute auf und begegnete meinem Blick. Für einen langen Moment stand ich einfach da und betrachtete mein Spiegelbild in seinen Augen. Seine Lippen teilten sich, als wollte er etwas sagen.
Bevor er es konnte, ertönte hinter uns ein lauter Knall – das Geräusch von zersplitterndem Glas, gefolgt von einem lauten Schrei.