KAPITEL ZWEI

1250 Words
„Bringt sie mir um jeden Preis“, donnerte seine Stimme. „Aber ich darf keinen Kratzer an ihr finden“, fügte er in kaltem Ton hinzu, während seine Männer hastig davoneilten. Ihre Angst vor ihm war stets auf ihrem Höhepunkt. Nachdem sie gegangen waren, setzte er sich an den Tisch in seinem prächtigen Büro. Er lehnte sich im Stuhl zurück und zog eine Zigarre aus einer Schublade, während er darauf wartete, dass sein neues Spielzeug eintraf. Er hatte von dem Drama gehört, das sich im Restaurant abgespielt hatte, und nun konnte er es kaum erwarten, das Mädchen zu sehen, das es gewagt hatte, seine Männer zur Rede zu stellen. Das war neu für ihn. Als Anführer einer legendären Mafiaorganisation war Donatello Rossini, auch bekannt als „Boss“, erstaunt. Niemand hatte es je gewagt, seinen Männern zu widersprechen, geschweige denn ihnen in die Augen zu sehen – doch sie hatte noch mehr getan, was ihn am meisten erzürnte. --- Julia half ihrer Mutter beim Reinigen des Restaurants, während die Frau mittleren Alters die Küche aufräumte. Sie waren für den Tag fertig, und Julia konnte es kaum erwarten, sich auszuruhen, obwohl sie wusste, dass das schwierig werden würde. Bei all den Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, fühlte sie sich sehr unwohl. Sie war noch in Gedanken versunken, als sie eine Stimme hinter sich hörte. „Wir sehen uns wieder, Süße.“ Sie zuckte zusammen und blickte schnell auf – in dieselben boshaften Gesichter, die sie Stunden zuvor gesehen hatte. Sie fragte sich, warum sie so schnell zurückgekehrt waren. Wollten sie den Vertrag erneuern? Oder hatten sie vielleicht erkannt, dass er gar nicht für sie bestimmt war und waren zurückgekommen, um ihn zurückzuholen? „Wir sind gekommen, um zu holen, was uns gehört“, begann der Mann. „Inzwischen müsst ihr den Vertrag gelesen haben, um zu verstehen, was wir wollen.“ In diesem Moment versuchte Julia, ihre Angst zu unterdrücken. „Warum seid ihr so schnell zurückgekommen? Ihr habt uns nicht die Zeit gegeben, die ihr versprochen habt.“ „Nun, die Dinge haben sich geändert. Der Boss ist etwas ungeduldig geworden. Er braucht dich jetzt.“ Der Mann leckte sich über die Lippen. Julia spürte, wie sie zu zittern begann. Doch bevor sie etwas sagen konnte, packte einer der Männer sie. Sie kratzte und trat um sich, aber ohne Erfolg. Nur ihr Schrei erreichte ihre Mutter, die sofort herbeigeeilt kam. Die Frau flehte sie immer wieder an, ihre Tochter freizulassen, doch ihre Bitten stießen auf taube Ohren, als das Fahrzeug losfuhr und auf die Straße hinausraste. --- „Boss, Marcello und die Männer sind angekommen“, sagte einer der Männer. „Lasst sie rein“, antwortete er mit heiserer Stimme. Als sich die Tür öffnete, wurde Julia in den Raum geführt, den Kopf gesenkt. Hinter ihr kamen Marcello und zwei weitere Männer, die jeweils einen ihrer Arme fest hielten. „Ihr haltet mich zu fest“, protestierte sie und versuchte, sich zu befreien. „Du wagst es nicht, vor dem Boss zu sprechen“, warnte Marcello. Als sie vor dem Boss standen, hielten sie an und stießen sie auf den Boden. Julia, die keine Ahnung hatte, wo sie war, blickte nach oben. Um sie herum standen Männer in schwarzen Hemden und Hosen sowie Frauen – nun ja, nach ihrer Kleidung zu urteilen eher leichte Mädchen. Alle sahen sie mit Verachtung an, während einige lachten. „Ruhe“, befahl der Don. Der ganze Raum verstummte. Julia blickte auf und traf auf den kältesten Blick, den sie je gesehen hatte. Sie hatte das Gefühl, sein Blick würde direkt durch ihr Herz dringen. Sein Gesicht allein verriet seine Persönlichkeit: von seinen scharf geschnittenen Kieferlinien über die markanten Wangenknochen bis hin zu seinem wohlgeformten Gesicht – alles strahlte eine finstere Autorität aus. Er starrte sie an, ohne auch nur einmal zu blinzeln. Seine Augen wirkten, als könnten sie direkt durch sie hindurchsehen, als könnten sie ihre Vergangenheit und ihre Geheimnisse lesen. Dann wanderten seine Augen plötzlich zu ihren Lippen. Während der ganzen Zeit hatte sie seinen Blick gehalten. Sie wollte ihn abbrechen, doch sie konnte nicht. Irgendetwas fühlte sich nicht richtig an. Schließlich endete dieses stumme Duell, als eine der Frauen ihn auf die Wange küsste. Das brachte Julia zurück in die Realität. Überrascht stellte sie fest, dass sie die beiden brünetten Frauen zu seinen Seiten gar nicht bemerkt hatte. Sie schmiegten ihre Körper an ihn, während er abwechselnd ihre Brüste massierte. Man hörte Stöhnen, doch niemand beachtete es – es war wohl etwas Gewöhnliches hier. „Wer ist sie?“ fragte eine der üppigen Brünetten mit dem auffälligen Dekolleté. „Ein neues Spielzeug“, antwortete der Boss, und alle lachten. Das machte Julia wütend, doch sie schwieg. Angesichts der Menschen um sie herum wusste sie, dass sie mit einem einzigen Fingerzeig ihres Anführers getötet werden könnte. „Ruhe“, befahl er erneut, während er aufstand und sich Julia näherte, die noch immer auf dem Boden saß. Als er vor ihr stand, ging er auf ein Knie und brachte sein Gesicht nah an ihres. Die junge Frau, noch immer angewidert von dem, was sie gesehen hatte, wich zurück, ihr Herz schlug heftig. Er hielt kurz inne, lachte leise, hob sie dann vom Boden hoch und drückte sie gegen die Wand. Die anderen beobachteten interessiert. Mit einer Hand hielt er ihre beiden Hände fest über ihrem Kopf und zwang ihr einen Kuss auf die Lippen. Sie versuchte sich zu wehren, doch sein Griff war zu stark. Mit der anderen Hand glitt er unter ihre Bluse und tastete ihre Brüste ab. Julia spürte, wie ihr Herz gegen ihre Brust schlug. Bei jeder Berührung zitterte sie. Plötzlich glitt seine Hand zu ihrem Rock, unter den Bund und in ihre Unterwäsche, während ein Finger in sie eindrang. „Hm, noch eng“, flüsterte er, bevor er inne hielt. „Bringt sie dazu, sich in hübsche Dessous umzuziehen. Heute Nacht soll sie mich unterhalten“, verkündete er und wandte sich an eines der Mädchen, Brittany. „Das werde ich ganz sicher nicht tun“, platzte Julia heraus, während sie ihre Kleidung richtete. Sie konnte nicht glauben, dass sie zugelassen hatte, dass ein Mann so mit ihr umging. Der Don blieb abrupt stehen, überrascht von ihren Worten. „Schlagt sie nicht. Ich will keinen Fleck auf ihrer hübschen Haut sehen. Außerdem ist sie etwas Besonderes“, sagte er und deutete auf Marcello. „Du hast wirklich Mut“, bemerkte er kalt. „Aber ich erinnere dich daran, dass du jetzt mir gehörst. Und je schneller du lernst, den Mund zu halten, desto einfacher wird dein Leben hier sein. Also sei ein braves Mädchen und mach mich glücklich.“ Während sie hinausgeführt wurde, trat einer seiner Männer von draußen zu ihm. „Mr. Martin möchte mit Ihnen sprechen.“ Das Gesicht des Don verhärtete sich. „Marcello“, rief er seinem persönlichen Assistenten zu, „sag Brittany, sie soll mit dem Umziehen warten. Es ist etwas Wichtiges dazwischengekommen.“ „Ja, Boss“, sagte er und verließ den Raum. Der Don ging zu seinem Tisch, sichtlich verärgert, und zog sein Smartphone aus der Schublade. Schon beim Hören des Namens seines Stiefbruders war er wütend geworden – der junge Mann verstand es, jede Gelegenheit zu nutzen, um ihm den Spaß zu verderben. Nachdem er das Telefon in seine Tasche gesteckt hatte, kam jemand herein. „Hey, Bruder. Lange nicht gesehen.“
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD