Emilys Perspektive Der Palast war an diesem Abend lauter als gewöhnlich — Mägde eilten umher, Wachen änderten ihre Patrouillenrouten, Stimmen hallten wie ferne Wellen wider. All das verschmolz zu bedeutungslosem Lärm. Aber meine Aufmerksamkeit galt keinem von ihnen. Ich ging auf Nikolas’ Gemächer zu. Nicht, weil ich verzweifelt war, ihn zu sehen — Verzweiflung war in mir längst gestorben — sondern weil ich Informationen brauchte. Und Nikolas hatte immer Informationen. Auf halbem Weg durch den Korridor verlangsamte ich meine Schritte. Zwei Stimmen drangen aus einer Ecke. Leise. Geflüstert. Nervös. Lisas Stimme — hoch und mit gespieltem Zittern durchzogen — war unverkennbar. „… du hast mir versprochen, der Bericht wäre fertig“, zischte sie. Die andere Stimme gehörte dem Rudelarzt. E

